Michael Dammann, Geschäftsführer der Hamburger Energienetze
Netzkapazität, das Fair Grid Projekt und Wasserstoff im Hamburger Hafen
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Welcome to the Smart Charge by RiDERgy Podcast. This is Claudio Geyken, Founder and CEO of RiDERgy. This is your show to learn about all things energy management and smart charging innovation for electric vehicles and fleets. Hamburg hat beschlossen, fünf Jahre früher klimaneutral zu werden als der Bund – 2040 statt 2045. Für den Verteilnetzbetreiber bedeutet das, die komplette Netzplanung muss neu gerechnet werden, während gleichzeitig die Anschlussbegehren explodieren. Michael Dammann ist seit 1998 in der Energiewirtschaft, startete er als Trainee.
und führt heute die Hamburger Energienetze, ein hundertprozentig städtisches Unternehmen, das Strom- und Gasnetze in Hamburg betreibt und mit 60 Kilometern das erste Wasserstoffindustrienetz eines Verteilnetzbetreibers in Deutschland führt. Aktuell liegt 1.800 MW Spitzenlast im Netz. Die Prognosen rechnen mit einer knappen Verdreifachung bis 2045. In dieser Folge geht es um das Fairgrid-Verfahren, das das Windhund-Prinzip bei Netzanschlüssen ablöst, und warum Batteriespeicher und Rechenzentren derzeit die größeren Treiber sind als die E-Mobilität.
Michael Dammann im Gespräch über Netze, die nicht nur Leitungen sind, sondern das Rückgrat der Energiewende. Moin, Michael. Ich hoffe, dir geht's gut heute, und schön, dass du hier bei Smart Charge dabei bist. Herzliches Moin auch von mir aus Hamburg. Mir geht's gut. Ich habe gerade einen längeren Urlaub hinter mir und bin heute den ersten Tag wieder im Büro. Dann willkommen zurück. Ich hoffe, erholt und frohen Mutes, bevor wir einsteigen ins Eingemachte und die vertieften Themen, die so einen Verteilnetzbetreiber wie die Hamburger Energienetze umtreibt.
Hol uns doch ein bisschen ab, Michael. Was war dein Hintergrund? Wie bist du dazu gekommen, Geschäftsführer zu werden von den Hamburger Energienetzen? Ach, das ist eine ziemlich lange Geschichte eigentlich, aber letztendlich habe ich mich 1998 nach meinem Studium dafür entschieden, in die Energiewirtschaft zu gehen, weil damals die EU-Direktive 1998 zur Liberalisierung der Märkte umgesetzt worden ist. Habe ich damals geahnt, was alles auf die Energiewirtschaft zukommt und wie der Wandel der Energieversorgung in der ganzen Welt vonstatten gehen würde? Nein, das habe ich nicht.
Umso glücklicher bin ich aber trotzdem, dass ich ein Teil dieses Wandels geworden bin. Ich habe dann 1998 angefangen als Trainee und war ganz viele Stationen in der Technik eines Netzbetreibers. Damals war es ein integriertes Unternehmen, dann immer den Weg eingeschlagen in Richtung Management. Und dann ist das eine aus dem anderen gekommen. Also wie man Geschäftsführer wird – wenn das die Frage ist, wird mir das auch manchmal gestellt –, das war eher so eine Verkettung von Sachen.
Und das ist ja immer die Frage, ob man selber das in die Hand nehmen will oder ob man sich das nicht zutraut oder nicht machen möchte. Ich habe es mir irgendwann zugetraut. Und das ist nach wie vor eine spannende Aufgabe. Und ich freue mich sehr, dass ich jetzt in der Position bin, für die Stadt Hamburg Teilverantwortung zu haben für die Energiewende. Ja, spannend. Und was waren für dich so die Höhepunkte, wenn du das mal kurz zusammenfasst, in diesem Weg?
Also, wenn ich das richtig verstanden habe, warst du die ganze Zeit bei den Hamburger Energienetzen – der Name hatte sich ja, glaube ich, auch geändert in der Zeit. Ja, ich war, glaube ich, insgesamt in acht oder neun Unternehmen tätig. Angefangen habe ich damals bei der Hein Gas, integrierter Gasnetzbetreiber – oder Gasversorgungsunternehmen, wie man damals gesagt hätte –, auch viel größer als die heutige Gasnetz der Hamburger Energienetze.
Die war damals übernommen worden, hatte auch Speicher, hatte Vertrieb, hatte Wärmeanlagen, hatte große Nahwärmenetze. Gekauft worden von der E.ON. Das war eine sehr spannende Zeit, weil dann natürlich ein Großkonzern Einzug gehalten hat. Dann sind wir fusioniert mit der damaligen Schleswig AG und der Hansegas, was eine Tochter von der Hein Gas war. Damit war es ein sehr großes Unternehmen, was sozusagen den Norden von Hamburg, aber auch den Osten mit Gas, teils Deutschland versorgt hat. Und so ist das dann weitergegangen. Das war ein spannender Part.
Auch die Konzernzugehörigkeit war sehr spannend und interessant. Das Thema Speicher spielte eine wichtige Rolle, dann die ganzen IT-Projekte mitzuerleben. Und nachher, als ich dann in Hamburg Fuß gefasst habe oder stärker wieder nach Hamburg zurückgegangen bin, in die Hamburg Netz – damals die Gasnetz Hamburg –, natürlich der Startschuss und der Aufbau des Wasserstoffindustrienetzes. Das war ein wichtiger Meilenstein, der ja auch immer noch nachwirkt und der heute noch ein wichtiges Thema für uns ist.
Und damit die Zuhörenden, die vielleicht auch nicht aus Hamburg sind – und auch vielleicht die, die aus Hamburg sind –, so ein Gefühl kriegen: Was macht ihr denn so alles mit der Firma, und wie viele seid ihr? Vielleicht ein paar Größen, Mitarbeitende oder Umsätze. Also, erstmal sind wir ein 100 % städtisches Unternehmen. Wir sind nach den Volksentscheiden – nicht dem Volksentscheid 2012 – nach und nach in städtische Hand zurückgekauft worden von der damaligen Vattenfall und der E.ON.
Und wir haben rund 2.500 Mitarbeitende, Kolleginnen und Kollegen, Fachkräfte, die sich um rund 31.000 Kilometer Stromnetze, rund 8.000 Kilometer Gasnetze und zukünftig auch – das ist der aktuelle Plan – 60 Kilometer Wasserstoffnetz kümmern werden. Und das ist so die Perspektive, die wir aktuell haben. Wir bauen natürlich aktuell stark aus, was in der ganzen Republik gleichermaßen der Fall ist, was Netzkilometer grundsätzlich angeht, aber wir verstärken auch. Wir bauen neue Umspannwerke, neue Ortsnetzstationen.
Und wenn du sagen würdest, was die Themen sind, die bei dir gerade die größten Herausforderungen sind oder die größten Ziele, die du vor Augen hast in den kommenden 12 Monaten. Was wäre das? Wir haben ja gerade in Hamburg einen sogenannten Zukunftsentscheid gehabt im vergangenen Jahr, wo die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Hamburg sich ausgesprochen haben, die Klimaneutralität fünf Jahre früher zu erreichen. Das ist etwas, was wir natürlich netzplanerisch nicht adoptiert haben. Wir haben bisher bis 2045 gerechnet.
Und da wir ja ein wesentlicher Enabler unserer Kundinnen und Kunden sind, nämlich erneuerbaren Strom, grünen Wasserstoff bereitzustellen et cetera, müssen wir die Netzplanung entsprechend anpassen. Das ist ein Thema, was uns gerade umtreibt. Gleichzeitig natürlich immer mehr Intelligenz mitzubekommen, zu digitalisieren und die ganzen Themen, die wir aktuell im Blick haben, auch stärker umzusetzen – über intelligente Messsysteme, intelligente Ortsnetzstationen, Datenplattformen et cetera.
Und letztendlich natürlich auch das, was aktuell allgemein in den Medien ist: unser Fair-Grid-Projekt, wo wir feststellen – wie man ja auch in der Republik festgestellt hat –, dass die Netzkapazitäten, die wir aus dem Übertragungsnetz zur Verfügung gestellt bekommen, aktuell zwar für die Bestandskunden noch reichen, aber auf mittlere Sicht für die Anfragen, die wir aktuell im Hause haben, nicht mehr. Und deswegen haben wir gesagt, wir müssen damit umgehen, weil wir ja die Energiewende enablen wollen.
Und das ist natürlich eine besondere Situation, die auch andere Städte natürlich haben, aber die Stromnetz Hamburg aktuell vor der Brust hat, was natürlich – ich kann es verstehen – zu Verstimmung in der Politik und bei den Kunden sorgt. Aber letztendlich sind wir natürlich dafür verantwortlich, das Netz sicher und zuverlässig zu betreiben und auch die Energiewende gut zu stemmen. Und das ist etwas, was eine große Herausforderung ist – zusätzlich zum Netzausbau und den Themen Personal, Flächen, Material, Partnerfirmen für den Bau und so weiter.
Also das sind, glaube ich, die wesentlichen Punkte aktuell. Ja, und da habt ihr auch bisher eine sehr gute Arbeit geleistet. Ich glaube, in Deutschland ist die Netzstabilität mit am besten – heute Morgen noch in der FT gehört, wie in Tunesien Blackouts entstehen, weil die Netzbetreiber es nicht schaffen, die Netze so stabil zu halten. Also das ist auf jeden Fall ein Standortvorteil. Und da spielen die Verteilnetzbetreiber eine Riesenrolle. Und wo sind die Lasten gerade am größten, wenn man sich die E-Mobilität beispielsweise mal als Beispiel nimmt?
Innerhalb von Hamburg gibt es da so Orte, wo die Engpässe sehr, sehr groß sind. Ja, also die E-Mobilität ist ein Faktor, der auch in den letzten Jahren und Monaten sehr stark gestiegen ist. Wir haben quasi mittlerweile rund 40 % mehr Ladepunkte im Netz bekommen. Allerdings muss man dazusagen: das sind aktuell rund 5.000 bis 5.100 öffentliche Ladepunkte, die wir haben, zusätzlich zu den ganzen privaten Wallboxen. Das ist aber noch nichts, was wir jetzt in den Netzlasten stark sehen.
Aktuell ist es tatsächlich eher die Industrie, die dekarbonisiert – einerseits –, andererseits aber auch unglaublich viele Anfragen für Batteriespeicher, was auch die ganze Republik gerade trifft, weil natürlich viele das als Goldgräbermarkt sehen und viele natürlich innerhalb der Netzentgeltbefreiung auch noch ins Netz wollen. Und zweitens natürlich Rechenzentren über die KI-Digitalisierung. Auch dafür braucht man natürlich Energie. Und ob nun Hamburg der beste Standort dafür ist, kann man sich fragen. Aber das sind so die aktuellen Themen – E-Mobilität,
ich glaube, ein bisschen auch Wärmepumpen. In den vergangenen Jahren hat die Effizienz die höhere Nachfrage so ein bisschen gedämpft. Wir werden ja immer noch effizienter – mit LEDs, mit neuen Elektrogeräten et cetera. Und deswegen ist die Last in Hamburg auch jahrelang relativ konstant geblieben, auch wenn neue Kunden dazugekommen sind und die Mobilität gewachsen ist. Aber jetzt sind wir an einem Punkt, wo das wahrscheinlich nicht mehr lange gut gehen wird, beziehungsweise wo die Last auch steigen wird.
Wir rechnen in den Prognosen – aktuell haben wir 1.800 MW Leistung im Netz, also die Ist-Leistung gleichzeitig gemessen an den Übergabepunkten – mit bis 2045 einer knappen Verdreifachung der Last. Bis wann? Das ist aktuell die Frage. Natürlich hängt das immer von den Kunden ab. Das ist sozusagen das Vollszenario aus kommunaler Wärmeplanung, aus industrieller Dekarbonisierung et cetera. Wenn wir klimaneutral sein wollen – 2040, 2045 –, dann gibt es, und du hast es schon angesprochen, die ganzen Batteriespeicher, die KI-Datenzentren et cetera.
E-Fahrzeuge mit der Ladeinfrastruktur. Es kommen halt so viele Netzanschlussbegehren auf euch zu. Traditionell und historisch machte man das immer nach dem Windhundprinzip – First come, first serve. Ich glaube, jetzt gibt es eine Umstellung. Wie geht ihr das an? Und war das wirklich jetzt dringend nötig, das System zu ändern? Ja, das ist ja das, was ich gerade ein bisschen umschrieben habe. Wir haben 1.800 MW Leistung im Netz und wir haben eine bestimmte Kapazität, die wir beim Übertragungsnetzbetreiber übernehmen können. Und diese Kapazität ist ja
nicht mehr ausreichend für all die Anfragen, die wir aktuell haben. Und wenn wir nach dem Windhundprinzip einfach das Netz voll machen würden, dann hätten wir – salopp gesagt – keine Leistung mehr für Wärmepumpen, auch wenn das nur viele kleine Anlagen sind, und für Mobilität oder auch die Dekarbonisierungsindustrie. Deswegen haben wir gesagt, wir müssen viel stärker vorausschauen, was auch Teile der Diskussion in der Branche im Netzpaket et cetera sind.
Erstens natürlich nicht nur die Erneuerbaren anzuschließen, in den Vordergrund zu schieben, sondern auch die Energie in die Städte zu kriegen. Und das haben wir aus meiner Sicht ein Stück weit in den vergangenen Jahren vernachlässigt. Und das ist, glaube ich, ein ganz wichtiger Punkt. Es bringt nichts, die erneuerbare Energie zu erzeugen, die man nicht in den Städten verbraucht bekommt, weil wir die Übergabepunkte nicht hinbekommen. Und deswegen haben wir uns dazu entschieden, ein bürgernahes Repatriierungsverfahren
– das ist das Hellgrit-Projekt, das noch mehrere andere Bestandteile hat – einzuführen, das auch in Berlin schon machen et cetera, und das letztendlich auch darum geht, die Kapazitäten, die man noch hat, wenn man sie bekommt, dann auch fair und transparent zu vergeben. Das ist ja unsere Aufgabe. Es gibt ja auch eine große, glaube ich, Kritik an vor allem Batteriespeicherprojekten und Rechenzentrum-Projekten, die einfach versuchen, die Netzanschlussleistung zu sichern, ohne dass ein konkreteres Projekt kommt, was dann wiederum konkreten Projekten diese Leistung wegnimmt.
Das ist ja ohne Hoffnung. Ja, das ist natürlich so. Allerdings ist das planungsreife Verfahren – könnte man damit auch, also, dass man eine bestimmte Planungsreife hat, Grundstück, Baugenehmigung und so weiter. Da muss man schon sehr viel Geld investiert haben, um dann auch in den Netzanschluss zu kommen. Aber klar, letztendlich ist es ja so, dass wir mit 2030, 2031, 2032 mit klaren Regeln auch für die konkreten Aktivitäten eines Batteriespeichers rechnen, aber jetzt ist der Anschluss gegeben. Und meines Erachtens ist das viel zu spät.
Man muss das eigentlich viel mehr übereinanderlegen, dass wir gucken, dass wir klare Regeln – also einen Marshallplan, kann man so sagen – haben, wo die Batteriespeicher benötigt werden und wie viel, und das ganz klar nicht den Markt entscheiden lassen. Weil der Markt ist natürlich aktuell wirtschaftlich. Aber es wird natürlich nicht auf lange Sicht so bleiben, sondern es wird auch einige Batteriespeicher geben, die an einer falschen Stelle mit der falschen Leistung und den falschen Energiemengen agieren. Und das ist natürlich etwas, was volkswirtschaftlich
und dann letztendlich auch viel Geld kostet. Ja. Lass uns gerne diesen Punkt mal ein bisschen vertiefen, weil ich glaube, das ist ein wichtiger Punkt, der auch in der Bevölkerung vielleicht nicht so richtig verstanden ist. Da würde mich auch deine Meinung interessieren. Also, es gibt ja im Stromsystem den Strommarkt, der wiederum ein Signal ist, was dieses Angebot und Nachfrage von den Erneuerbaren und der verfügbaren Energie und der Nachfrageseite
abbildet. Aber das gibt kein Signal über die Netze und wie die Netze genau jetzt einen Engpass haben und wo es genau diesen Engpass gibt – das sind wiederum andere Signale. Und das heißt, das ist ja genau, was du gerade ansprichst, dass man viele Batteriespeicherprojekte haben kann, die sich nur an diesem einen Signal orientieren und nicht an das verfügbare Netz. Was ist denn dein Wunsch, oder wie würdest du es am liebsten sehen? Wir brauchen ja Batteriespeicher, eben weil die Erneuerbaren volatil sind und nur in bestimmten Momenten produzieren.
Und wir wollen ja bis zu 100 % erneuerbare dann haben, nicht nur 60. Und nichtsdestotrotz müssen die Netze natürlich stabil bleiben. Das heißt, wie würdest du das am besten gelöst sehen? Am effizientesten. Also, wenn ich die beste Lösung dafür hätte, würde ich sicherlich nicht nur Geschäftsführer der Hamburger Netz sein – ein Scherz beiseite. Also, ich glaube, es gibt zwei wesentliche Punkte. Das eine ist natürlich die Einspeisung zu glätten. Das, was ja auch immer mehr passiert, dass
Photovoltaikanlagen, die ja im Endeffekt nur tagsüber produzieren, oder auch Windparks oder kombinierte Erzeuger PV und Windparks zusammen, sich Batteriespeicher bedienen und damit die Einspeisung glätten, was ja auch dazu führen würde, dass man den Netzausbau an der Stelle reduzieren könnte. Idealerweise. Das andere ist natürlich, dass man auch die Möglichkeit schafft, für Netzbetreiber an bestimmten Stellen Batteriespeicher zu betreiben oder klare Vorgaben dafür zu machen oder auch zu entlohnen.
Weil natürlich aktuell ist es ja so: wenn ich sage, dem Batteriespeicher-Betreiber, du kannst an dem Punkt nicht einspeichern, außer ich gebe dir ein Profil vor, dann geht er natürlich davon aus, dass es irgendwann soweit ist, dass er an dem Marktspiel teilnehmen kann. Das ist aber aktuell nicht sichtbar. Und deswegen muss man eine Lösung schaffen, die dann praktisch den vermiedenen Netzausbau dem Speicherbetreiber gegenüber auch vergütet werden kann. Das ist kompliziert und komplex. Das wird noch Jahre dauern, bis man da, glaube ich, ein vernünftiges Modell dazu hat.
Und der letzte Punkt, was Batteriespeicher angeht, ist natürlich, wenn man die Leistung beim Kunden glättet, wenn man Industriekunden hat, die vielleicht beim Anlauf oder auch bestimmte Peaks im Jahr nur haben, weil wegen 100 Stunden oder so, die abgeregelt werden können. Das sind Anwendungsfälle, die gut sind, die dann auch netzneutral sind, ein Stück weit. Warum ist das überhaupt so? Das ist, glaube ich, auch noch eine ganz interessante Frage, die auch von der Politik diskutiert werden
sollte. Wir haben einen deutschlandweiten Strommarkt, und Stromfluss ist insbesondere dann, wenn die Sonne scheint und der Wind weht. Also, wenn der Überfluss groß ist im gesamten Netzgebiet, also im gesamten deutschen Marktgebiet, muss man sagen. Das hat aber nichts mit lokalen Engpässen des Netzes zu tun, weil ich kann durchaus sagen, dass ich einen lokalen Engpass in Norddeutschland habe oder in Schleswig-Holstein oder in Mecklenburg-Vorpommern, gleichzeitig aber ein Unterangebot an Strom. Das heißt, mit der Steuerungswirkung, die wir
immer so sagen, bitte Speicher, arbeiten wir doch letztlich nicht. Dann hat man den Markt nicht genügend klein geschnitten. Da gab es auch gerade eine Initiative aus Norddeutschland, mit denen zusammen eine Marktzone zu bilden. Das ist ja heiß diskutiert worden in der Politik. Da müsste ich mich äußern, weil das ist eine ganz andere Fragestellung, die marktwirtschaftlich natürlich am Netzbetreiber nicht so gut besteht.
Aber das ist natürlich ein Thema: diese Netzlinigkeit von Speichern und Verbrauchern ist natürlich das große Marktgebiet, was wir haben, was man schönerweise auch sagen könnte: irgendwo weht immer Wind und irgendwo scheint immer die Sonne. Das ist natürlich in Deutschland ein bisschen anders, aber das ist so ein bisschen die Situation, in der wir uns befinden. Und was hältst du davon, jetzt wo wir immer mehr Smart Meter haben?
Hoffentlich haben wir dann einen sehr guten Überblick, wo die Engpässe entstehen und wann die Engpässe genau entstanden sind, und könnten darauf basierend dann auch dynamische Netzentgelte verlangen. Und dann hätten alle Marktteilnehmer sowohl eine Incentivierung anhand der verfügbaren erneuerbaren Energien als auch kombiniert mit diesen Netzentgelten. Die Netzentgelte hätten wahrscheinlich dann eine Art Ampelsystem, wo man auch sagt: ab dem Moment – die Netze haben natürlich eine Kapazitätsgrenze, die können uns da nicht zusammenbrechen.
Was hältst du von dem – da gibt's ja auch AgNeS, glaube ich, in dem Kontext wird das ja auch diskutiert. Was ist deine Meinung dazu? Ja, das ist die Zukunft. Also da müssen wir hinkommen. Wir müssen – und wir sind auch schon dabei, den Kunden zum Prosumer, wie es so schön heißt, also den Konsumenten, aber auch den Produzenten zu machen. Also nicht nur Produzenten, indem er Energie erzeugt, also PV und Wind und so weiter, sondern andererseits auch, dass er Leistung dann schiebt, wenn der Überfluss da ist.
Das ist eigentlich jeder, der so eine PV-Anlage zu Hause hat, hat die Erfahrung gemacht, dass man dann irgendwie, wenn der Strom ins Netz eingespeist wird, denkt: oh Mann, jetzt könnte man wunderbar eine Waschmaschine anmachen – ist aber nicht zu Hause. Das sind Sachen, bei denen man sicherlich auch einerseits die soziale Komponente nicht unterschätzen darf. Also wer kann denn so sehr den Stromverbrauch im Haus steuern? Das sind im Endeffekt diejenigen, die ein Eigenheim besitzen. Also
die in den Städten in Mietshäusern wohnen, haben da durchaus größere Schwierigkeiten mit. Das ist der eine Punkt. Nichtsdestotrotz glaube ich daran, dass wir da hinkommen müssen und dass wir ein System entwickeln, wo wir die Kunden stärker partizipieren lassen – einerseits – und zweitens natürlich auch, wo der Kunde diesen Wandel in seiner Energieverbrauchsstruktur mitmacht. Und das muss angereizt werden. Das ist ein bisschen so, wie hätte sich jemand LED-Lampen eingebaut,
die zu Hause wesentlich teurer gewesen wären, aber den gleichen Verbrauch hätten – oder man muss rechnen: eine LED-Lampe rechnet sich heute, weil sie einfach wesentlich weniger verbraucht und kostengünstig ist. Genauso muss man diese Prosumer-Logik sehen. Es muss sich am Ende für den Kunden lohnen, darauf umzusteigen. Und da ist noch ein bisschen Weg zu gehen. Aber es sind interessante Ansätze unterwegs. Und da hilft natürlich auch mit, dass wir dann hoffentlich irgendwann flächendeckend intelligente Messsysteme haben, weil die natürlich notwendig sind,
ausrollen können. Das ist ja immer noch etwas schwierig. Das hat lange gedauert, bis die Standards festgelegt worden sind. Und jetzt soll aber alles ganz schnell gehen. Das ist so ein bisschen ein Manko, wo ich sage: die Verordnungsvorgabe hat jahrelang gebraucht, und jetzt soll es aber von heute auf morgen fertig werden. Das ist so ein bisschen wie auch die Energie an sich – die letzten Dinge müssen dann immer noch geschrieben werden, weil wir am Ende der Kette noch umdeckeln müssen.
nur noch in Anführungszeichen, um dann immer das dicke Brett zu bohren. Ja. Und was hältst du eigentlich – ihr habt ja auch eine Firma, E-Born. Vielleicht können wir da noch mal kurz einen Überblick geben über diese Firma, die ja auch einzigartig ist, glaube ich, in Deutschland – als Verteilnetzbetreiber habt ihr dann auch in der E-Mobilität eine wichtige Rolle mit diesem Backend für die verschiedenen weiteren Unternehmenskunden in Deutschland, nicht nur für euch, aufgebaut.
Und ich mache mal zwei Fragen in einer: kannst du da ein bisschen Hintergrund geben, wie das dazu kam und was ihr da noch alles vorhabt? Und das Zweite ist: inwiefern könnte man auch diejenigen, die kein Eigenheim haben, davon profitieren lassen – eben von intelligenteren Ladevorgängen mit ihrem E-Fahrzeug, was sie dann auf der Straße parken müssen und an öffentlichen Ladepunkten laden müssen? Also beispielsweise jetzt ein Hamburger, der nicht im Eigenheim ist – dass er mal bei E-Born –
Die Niederlande, glaube ich, macht das schon vor: dass eben, wenn es Engpässe gibt, man das Fahrzeug ein bisschen länger da lässt und dann zu dem Moment lädt, wo es gerade keinen Engpass gibt – um 17:00, 18:00 Uhr beispielsweise. Ja, also erstmal zu E-Born. Das ist ein Produkt aktuell, was aus drei Komponenten besteht.
Es ist keine eigene Firma, sondern es ist ein Produkt, was praktisch das Vorgängerunternehmen durch Strom mit Hamburg in deiner Zeit im Auftrag – so ein bisschen der Stadt, könnte man sagen – aufgebaut hat, weil man damals natürlich die Ladeinfrastruktur, das Backend-System für die Ladeinfrastruktur der Stadt aufgebaut hat. Das ist ja vor Jahren auch noch bei der Stromnetz gewesen. Historisch gewachsen hat die Stadt oder die Stromnetz Hamburg sozusagen die Ladeinfrastruktur betrieben. Das ist ja regulatorisch beziehungsweise bundingtechnisch dann bewegt worden. Das musste man rausgeben, hat man auch getan.
Aber das Backend-System hat sich dann zu etwas entwickelt, was genau das, was wir im §14a ja auch machen wollen. Eine unglaubliche Anzahl an Daten. Also ich glaube, wir haben letztes Jahr 1,8 Millionen Ladevorgänge mit diesem Backend-System gesteuert, sodass das praktisch eine Datenplattform ist oder ein System ist, das wir nicht nur für die Mobilität nutzen können, sondern auch für unser Netz. Und es gibt drei Facetten: EG Lytics ist das eine – Grid –, wo wir praktisch unsere Netzplanung und Netzprognosen damit machen wollen, auch Netzberechnung.
Das zweite ist Urban, wo wir praktisch mit Loren-Anwendungen auch Daten einsammeln und so ein bisschen Industrie-4.0-Prognosen pushen wollen, also wo wir praktisch als Datendrehscheibe für die Stadt Hamburg für Infrastrukturunternehmen spielen wollen. Und das andere ist Mobility. Da sind wir weiterhin derjenige, der das Backend der Stadt Hamburg bereitstellt und anderen zur Verfügung stellt. Die können entweder unser Backend nutzen oder müssen sich selbst etwas aufbauen, was auch viele tun. Und das haben wir natürlich dann an der einen oder anderen Stelle auch im Markt.
An Flughäfen et cetera wird das genutzt. Das ist natürlich immer – wir gucken als eigentlicher Netzbetreiber, wie wir das weiter ausgestalten. Aber es ist eine spannende Geschichte. Und man sieht daran, wie das Innovationsthema, was eigentlich einen ganz anderen Zweck hatte, am Markt basierend arbeiten muss, dann ein Thema wird, was man intern als Netzbetreiber auch sehr gut nutzen kann. Das ist der eine Punkt. Und der zweite Teil der Frage: Wie ist es überhaupt entstanden?
Ja, also grundsätzlich könnte man – ich habe es in Dänemark schon erlebt – wenn man dann abends um 22:00 Uhr sein Auto lädt. Also da ist ja der Strompreis an den Ladesäulen, an denen man tankt, ausgewiesen. Und da gibt es unterschiedliche Zeitfenster auf der Stromkostenseite. Und letztendlich ist es natürlich einfacher, wenn man zu Hause eine Wallbox hat, aber auch ein Schnelllader. Das ist ja mittlerweile auch so, dass die auch die Leistung haben.
Kann natürlich dann auch eine Möglichkeit geben – ein bisschen so wie heute: wer noch kurz nach 12:00 tankt, der ist auch im Klammerbeutel gepudert. Und so wird es irgendwann auch Leute geben, die zu bestimmten Zeiten ihr Auto vollladen werden.
Das ist nur eine Variante. Und natürlich gibt es dann Mieterstrom und so weiter, wo es ja auch gerade eine Diskussion mit der EU gibt darüber, wie man andere Partialnetze, Objektnetze, Netze im Haus – die ja dann als Verteilungsnetz gelten wollen gemäß EU –, da muss man, glaube ich, Lösungen finden, dass man pragmatische Ansätze findet, damit Mieter im Haus dann auch vom Fortschritt und dem Solardasein sozusagen partizipieren. Und wie siehst du das Thema bidirektionales Laden? Ist das dann auch daran gekoppelt?
Kennst du dich da ein bisschen aus, wie der letzte Stand ist, wie die Teilnetzbetreiber jetzt auf das Thema vorbereitet sind, wie lange du das siehst, dass es noch dauern wird? Es gibt sicherlich auch den einen oder anderen Hamburger, der das gerne schon haben würde, zumindest bei sich daheim, wenn nicht gleich im öffentlichen Ladebereich. Ja, also öffentlich – ich glaube – ist ein bisschen schwieriger, also gerade um den Preis zu bestimmen, den man dann zurückspeist.
Also der Regionalplan ist natürlich eine riesige Chance, weil wir ja im Endeffekt – wenn man so will – ich weiß gar nicht, wie viele Autos wir in Hamburg mittlerweile haben. Aber ich glaube, wir haben einen stark wachsenden Markt, was die Mobilität angeht. Und das ist natürlich ein Batteriespeicher, wenn man so will. Und ein großes Asset.
Also wenn ich mein Auto nicht mehr brauche – und immer mehr Hamburger fahren ja auch mit den Fahrradverkehrsmitteln et cetera oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln, haben vielleicht noch einen Kleinwagen – und wenn man den Tag über V2G laden kann, Geld verdienen kann, dann ist das natürlich etwas, was natürlich auch viele andere betrifft. Und wenn ich dann den Strom nicht als Batterie zu Hause in einem System ediert habe, sondern wieder nutzen kann, dann wär's natürlich super. Das ist auch eine Richtung, die, glaube ich, sehr wichtig ist.
Und wenn man die als Netzbetreiber natürlich dann irgendwann auch gezielt – also aus Erfahrungswerten, das sind ja immer die Erfahrungswerte, die man dann braucht, also die Gleichzeitigkeit – was kann ich rechnen, wenn ich die nutzbar machen kann: Das ist natürlich super. Aktuell ist es ja so, dass es noch nicht viele Ladeboxen gibt, die das können, und auch noch nicht so viele Autos, die das können. Das ist ja so ein bisschen immer marktbeschränkend. Also muss das Angebot da sein. Und dann gibt's natürlich.
Jetzt kaufen gerade viele Menschen vielleicht ein erstes Auto, aber es kann nicht bidirektional laden. Man kommt ja von einem Investitionszyklus in den nächsten. Wäre schön, wenn das eigentlich schon auf Technologie-Level wäre. Ich glaube, das Level ist tatsächlich schon so weit, aber es ist halt noch nicht in der Anwendung so weit verbreitet. Aber nochmal nachgehakt: wenn jetzt BMW oder E.ON quasi mit so einem Angebot am Markt sind, wenn alles passt – man hat da so einen BMW
ein Fahrzeug mit einer BMW Wallbox und diesem E.ON-Tarif in Hamburg – wäre das jetzt machbar als Hamburger, das auch mit eurem Verteilnetz, mit den Mess- und Zählkonzepten, bidirektional abzurechnen? Das kann ich tatsächlich gar nicht konkret beantworten. Wir haben schon bidirektionale Lader im Netz. Das ist eher ein kundenseitiger Umbau der Anlage, die abgenommen werden muss. Aber dieses Produkt von E.ON ist meines Erachtens auch noch in der Vorbereitung. Ich glaube nicht, dass es schon am Markt ist. Ich habe davon gehört.
Die bewerben es zumindest. Aber das nehme ich noch mit. Das kann ich jetzt ad hoc gar nicht beantworten. Bevor ich was Falsches sage, sage ich lieber gar nichts. Ja, alles gut. Dann können wir es vielleicht auch noch mal in die Shownotes packen, wenn wir dann bis dahin bessere Antworten haben. Das Thema nehmen wir auf jeden Fall mit. Es ist ein großes. Da bin ich auch deiner Meinung – was meines Wissens gerade der letzte Stand auch noch ist:
Die Bundesregierung hat zumindest die Netzentgelte und die Steuern, die ja angefallen wären, befreit. Aber am Zählkonzept der Bundesnetzagentur fehlt noch etwas. Ich schaue aber mit viel Spannung auf das Thema. Und dann das Thema Software: du hast es gerade gut beschrieben. Inwiefern denkst du, sind die ganzen kleineren Verteilnetzbetreiber vorbereitet auf diesen Wandel, den wir gerade beschrieben haben? Und wie kann man
denen unter die Arme greifen, damit sie das auch schaffen? Die Smart Meter sind noch nicht alle da, aber diese Digitalisierung der Verteilnetze und die Fähigkeit, darauf zu reagieren – auch in allen Verteilnetzen, 860, wenn ich mich nicht täusche, in Deutschland. Ja. Also das kann ich natürlich schwer beurteilen, weil ich nie in einem kleineren Stadtwerk gearbeitet habe. Wir sind von der Größe her so, dass wir eine gewisse Relevanz haben und viele Sachen natürlich – nicht alles, aber viele Sachen – selbst machen können.
Grundsätzlich ist es ja so, dass die Netzbetreiber weniger Konkurrenten miteinander sind. Und dafür sind natürlich die Verbände – der BDEW, der VDN, der VKU, der DVGW für Gas – prädestiniert dafür, gemeinsame Branchenintelligenz nutzbar zu machen. Das passiert ja auch. Ich glaube, es wird niemand alleine gelassen in der Republik, auch wenn es viele Unternehmen sind und sich jeder damit selbst beschäftigen muss.
Und das sage ich auch immer meinen Leuten: die beste Innovation ist die, die man nicht unbedingt immer selbst erfinden muss, sondern die man auch mal links und rechts über den Tellerrand abguckt und adaptiert. Das ist für größere Unternehmen sicherlich noch schwieriger, für uns auch schon nicht ganz einfach. Aber das ist etwas, was wir lernen müssen: dass wir gemeinsam effizient und in der Branchenintelligenz diese Sachen voranbringen. Das ist etwas, wo wir alle ein bisschen mehr voneinander lernen können.
Es gibt ja auch genügend kleine Unternehmen, die an bestimmten spezifischen Sachen durchaus wesentlich schneller und wendiger sind und auch Ideen haben, die sich dann auch große Unternehmen abgucken können. Und wie siehst du da die KI als Chance, die jetzt in aller Munde ist und mich zumindest in diesen Tagen sehr stark prägt? Ja, also die KI wird unser Leben insgesamt komplett verändern.
Viele Unternehmen arbeiten ja auch schon mit eigenen gekachelten Chatbots beziehungsweise AIs, die ihnen helfen, bestimmte Fragen zu beantworten, Texte zu verfassen und so weiter. Ich glaube, wir haben noch gar keine Vorstellung davon, was alles noch passieren wird. Ich möchte jetzt auch gar nicht auf einzelne Berufsfelder eingehen. Aber grundsätzlich ist natürlich: wenn ich innerhalb der Kundenstelle irgendeine Frage habe – meine Tochter, die ist 11, wenn die eine Frage hat, stellt sie die bei irgendeiner KI.
Und die bekommt eine Antwort, die ich selber gar nicht gewusst hätte. Man muss natürlich auch mal vorsichtig sein – nicht alle Antworten sind richtig. Ich habe letztens ein schönes Beispiel gehabt: Ich habe gefragt, wann die Ferien 2027 in Hamburg sind. Und da hat mir ChatGPT geantwortet – je nachdem, welche Plattform man gerade nutzt – dass die Sommerferien in Hamburg sich ab nächstes Jahr um zwei Wochen verkürzen. Und dann habe ich die Quelle gelesen und festgestellt:
das war ein Aprilscherz der Schulbehörde im Jahr 2026, den die KI als Wahrheit genommen hat. Man muss halt immer vorsichtig sein. Aber ja, die KI – wir als Netzbetreiber versuchen uns natürlich verstärkt einzusetzen, immer mit dem Prüfglied des Menschen dahinter, der noch mal drüberguckt und nicht blind übernimmt. Aber das wird natürlich an vielen Stellen eine wichtige Rolle spielen.
Gibt es da auch konkrete Anwendungsfälle, die ihr jetzt schon nutzt oder nutzen wollt, beispielsweise in der E-Round-Produktentwicklung oder in dem EAP, den ihr wahrscheinlich habt für das Verteilnetzmanagement? Also da sind wir meines Erachtens noch nicht dabei. Wir nutzen es im Endeffekt für Chatbots, für Prognosedaten, für alle Sachen, die – wir haben – es ist ja auch immer eine Schwierigkeit. Das muss ja nachvollziehbar bleiben.
Also wenn man zum Beispiel einen Eichwert bestimmen will, der über die KI auch genauer bestimmt werden kann – das haben wir daran, am Ende des Tages, dass die Eichbehörden das nachrechnen können. Das kann man aber nicht innerhalb der KI. Man muss die Schritte so klein machen, dass man jeden einzelnen nachvollziehen kann. Das ist so ein bisschen – und das ist, glaube ich, in der Netzberechnung auch ein Thema. Das wird sicherlich kommen.
Was Netzplanung angeht, aber auch Netzberechnung angeht, dass man dort natürlich aus den Daten, die wir zur Verfügung haben, ganz schnelle Lösungen findet. Aber mal die Frage: Was ist der Unterschied zwischen Machine Learning und KI? Machine Learning ist sozusagen Interpolation, und KI ist für mich auch ein bisschen selbst nachgedacht. Ja, das traditionelle Machine Learning – Methoden habt ihr wahrscheinlich schon länger in gewisser Art und Weise euch damit beschäftigt.
Die ganzen LLMs und die neuen Methoden der KI – da braucht es wahrscheinlich noch ein bisschen, oder man muss auch aufpassen auf das Halluzinieren, was diese Art von Modellen besonders prägt. Ja, und weil es hier auch in diesem Podcast viel um Flotten geht, wollte ich noch mal eure Flotte beleuchten, beziehungsweise die zwei Teilaspekte. Ihr habt die Techniker, die immer im Feld unterwegs sind und dann Dienstwagen an ihren Standorten. Wie ist da eigentlich der Stand in Sachen Elektromobilität, oder seht ihr da Hürden, auf 100 % Elektro zu kommen?
Hürden würde ich es nicht nennen. Es ist natürlich schon so, dass auch das ein Change, ein Wandel ist in der Wahrnehmung. Und ich glaube, das spricht wahrscheinlich vielen Verteilnetzbetreibern oder Flottenbetreibern, die im Endeffekt viel im Service unterwegs sind, aus der Seele – nicht alle Modelle halten das Versprechen, oder halten das, was sie versprechen.
Und welche Erfahrungen haben wir natürlich auch gemacht, die dann immer dazu führen: mit dem E-Auto muss ich ständig alle zwei Tage laden, wenn die Leute in Hamburg unterwegs sind, weil die Reichweite im Winter so schlecht ist, dass sie eigentlich an einer Ladebox übernachten müssen, wenn sie dann ein oder zwei Einsätze haben. Und wenn wir natürlich Einsätze im Feld haben, dann wollen wir natürlich nicht auf das E-Auto warten, das gerade geladen wird. Das ist aber etwas, was modellspezifisch ist. Da muss man halt irgendwie
eine gute Auswahl treffen, was sich auch entwickeln wird, was die Batteriekapazität angeht. Dann schauen wir uns natürlich an, wie wir auch unsere Mitarbeitenden unterstützen können, auch an bestimmten Stellen Lademöglichkeiten vorzusehen – für die Außenstandorte, aber auch eventuell zu Hause. Das sind alles Sachen, die wir prüfen. Was ich ein bisschen zu kurz gekommen finde, ist natürlich die Klimaresilienz. Also wenn wir in einem Teil eines Blackouts
keine Stromversorgung haben, dann ist es wichtig für den Aufbau des Netzes, dass wir unsere Fahrzeuge betreiben können. Und das ist etwas, was uns immer noch ein bisschen umtreibt, dass wir dort immer noch einen Stamm oder einen Pool von Fahrzeugen haben, der resilient aufgestellt ist – also nicht abhängig vom Strom ist einerseits, und andererseits, dass wir eventuell auch Standorte schaffen, wo wir dann auch sicher Strom erzeugen können für diese Fahrzeuge.
Das sind, glaube ich, alles Überlegungen, die auch nach Berlin ein Stück weit diskutiert werden müssen – wo es ja nur einen kleinen Teil betrifft und man dann irgendwo anders hinfahren und laden konnte. Ja, und zum Verständnis: Du meinst, die Problematiken, die ihr hattet, waren die Reichweiten im Winter, die typischerweise immer etwa 30 % weniger sind als im Sommer, und die haben nicht für die Einsätze am Tag ausgereicht. Oder war das nur so, dass die Mitarbeitenden ihr Fahrzeug nicht mit nach Hause nehmen wollten und dann am Standort laden mussten?
Das habe ich nicht ganz verstanden – was waren die Probleme? Das war die Reichweite grundsätzlich. Wir haben natürlich in den Bereitschaftsdiensten die Kollegen, die ihre Fahrzeuge mit nach Hause nehmen, weil sie im Dienst dann da sind und starten müssen. Aber auch das sind Modelle, die wir uns jetzt anschauen, wie wir das optimiert kriegen. Aber wenn ich im Winter nur 80 Kilometer Reichweite habe bei einem vollelektrischen Auto, dann ist das schwierig. Und über Hybrid brauchen wir, glaube ich, nicht zu reden.
Das ist ein Treiber: entweder mache ich einen reinen fossilen Verbrenner, oder ich fahre elektrisch. Hybridfahrzeuge sind für diesen Einsatz vielleicht auch noch mal eine Variante, aber die sind natürlich von der Effizienz deutlich schlechter. Also es ist eine Mischung aus allem. Man muss das richtige Fahrzeug finden.
Man muss Konzepte haben, wie die Mitarbeiter dann auch das Auto laden können und nicht in ihrer Arbeitszeit irgendwie zwei Stunden an der Ladebox stehen müssen, wenn kein Schnelllader frei ist und so weiter und so fort, oder weit fahren müssen. Das ist – wir haben dazu gerade intern ein Projekt aufgesetzt, wo wir uns genau mit diesen Fragestellungen auch noch mal sehr konkreter und strategischer beschäftigen.
Aber sagen wir mal so: Wenn der Mitarbeiter zu Hause laden könnte und eine Reichweite von 150 km hätte, ist das alles kein Problem. Aber dann eben für die Fälle, wo es nicht so ist, wo es geringere Reichweite gibt und der Mitarbeiter nicht zu Hause laden kann – da muss man halt Konzepte entwickeln, am Standort oder öffentlich. Und für die Mitarbeitenden, die also nicht Techniker sind, sondern eigene Fahrzeuge nutzen: am Standort der Hamburger Energienetze – kann man da auch laden als Mitarbeitender? Ja, das kann man. Wir haben –
wir haben gerade hier an unserem größten Standort in Bramfeld auch ein neues Parkhaus gebaut, wo viele Ladepunkte vorgesehen sind. Das ermöglichen wir. Und wir wollen natürlich – also wir befürworten und promoten es auch, mit öffentlichen Verkehrsmitteln beziehungsweise mit Fahrrädern anzureisen.
Aber es gibt natürlich noch viele, die von überall herkommen, und die haben auch die Möglichkeit, das Auto zu laden, was ja ein wichtiger Punkt ist und eine große Hürde nimmt, wenn man an einem Ort, an dem man ein- bis fünfmal die Woche ist, auch laden kann. Und dann das Thema Wasserstoff, das du auch am Anfang angerissen hast – dass dich das umtreibt. Es war vor einigen Jahren noch mal viel mehr, gefühlt, in der Diskussion. Jetzt hat sich das Thema ein bisschen aus den Medien entfernt, finde ich. Oder was ist dein Blickwinkel darauf?
Wie schaust du auf diese Entwicklung beim Wasserstoff, was ja insbesondere, glaube ich, für die Dunkelflaute in Deutschland sehr wichtig wird, aber auch für bestimmte Industrien nach wie vor – da führt wahrscheinlich kein Weg daran vorbei. Wie ist da der aktuelle Stand, und wie blickst du auf das ganze Thema Wasserstoff? Man könnte auch mit einer Change-Kurve argumentieren: erst große Euphorie, dann die Ernüchterung, und jetzt sind wir gerade so aus dem Tal der Tränen raus.
Es werden ja einige Projekte umgesetzt, und die Kapazitätsbefragung am Markt ist auch relativ positiv gelaufen, was die Stimmung angeht, wenn man die Menschen oder die Branche fragt. Und das ist so der Blick darauf. Ich glaube, es geht gerade so ein bisschen bergauf. Und wir haben durchaus den Blick in die richtige Richtung, dass da auch Kunden und Erzeugungsanlagen kommen werden. Der wichtigere Punkt war: Es wird zunächst die Infrastruktur geschaffen.
Das war immer unsere Aussage: Infrastruktur muss zuerst da sein. Ohne Infrastruktur – also erst die Autobahn, bevor ich mit dem Auto fahre. Ich kann natürlich auch vorher von Hamburg nach München fahren, aber mit der Autobahn ist es deutlich leichter. Und so ist es auch bei der Infrastruktur: Wenn ich es nicht mit LKW verschiffen muss, sondern durch Leitungen transportieren kann, ist es deutlich einfacher. Hamburg ist natürlich – das haben wir auch immer gesagt – eigentlich prädestiniert für Wasserstoff.
Ich kann hier mit einem Industrienetz im Hamburger Hafen, weil ich hier eine sehr große Industriedichte habe – rund 89 TWh Gas-Energiedichte –, und wenn ich sowas auf so einem engen Raum mit einem Netz von 40 bis 60 km abdecken kann und damit vielen Kunden die Möglichkeit gebe, von Erdgas auf Wasserstoff umzustellen, dann ist das ein riesiger Hebel.
Und dabei sind natürlich viele Kunden auf das Molekül angewiesen. Zweitens hatten wir am Anfang das Thema Stromnetzausbau – das heißt, die Kapazitäten, die ich nicht im Stromnetz verlagern muss, helfen mir letztendlich auch beim Netzausbau, gerade in den Peaks. Und da haben wir jetzt eine Infrastruktur gebaut. Wir hoffen natürlich stark, dass das dann auch zum Fliegen kommt und wir die entsprechenden Kunden im Hamburger Hafen bekommen. Da waren wir einer der ersten.
Ich glaube, wir sind nächstes Jahr, wenn wir in Betrieb gehen, der erste Verteilnetzbetreiber, der Wasserstoff einspeist. Respekt. Und die Bauzeiten – wir haben ja damals, als wir das IPCEI-Verfahren gestartet haben, immer gesagt: Wir haben vier Jahre auf die Genehmigung gewartet, und jetzt sollen wir in vier Jahren bauen. Bin mal gespannt, aber es sieht so aus, als wenn das alles klappt. Wir sind da guter Dinge und gehen dieses Jahr in Betrieb. Und dann haben wir hoffentlich einen –
großen Meilenstein der Dekarbonisierung der Industrie im Hamburger Hafen geschafft, beziehungsweise wir haben unsere Hausaufgaben erfüllt. Und dann muss natürlich der Markt und die Kunden das Notwendige tun, damit es funktioniert. Da ist natürlich auch ein Stück weit die Politik gefragt. Und das Thema Dunkelflaute hattest du auch angesprochen. Das ist natürlich ein riesiges Thema, wenn wir keine Erdgaskraftwerke mehr haben und Kohle 2030 auch vorbei ist.
Dann werden wir Wasserstoffkraftwerke, auch wenn wir nur wenige Stunden im Jahr die brauchen werden, benötigen. Also es geht nicht anders aktuell. Vielleicht gibt's nochmal eine neue Technologie. Wer weiß das schon? Aktuell sind sie nicht. Ja. Und dann denkst du auch, dass dann die ersten Wasserstoffkraftwerke entstehen werden? Oder sind das dann diese Gaskraftwerke, die jetzt genehmigt worden sind oder in der Planung sind, die dann Wasserstoff – diesen Wasserstoff, den ihr dann auch ermöglicht – nutzen.
Ja, also wie die Kraftwerke aktuell geplant werden, kann ich gar nicht sagen. „Wasserstoff-ready" hört sich immer so einfach an, bei einem Turbinenkraftwerk oder bei Motoren. Das ist vielleicht noch ein bisschen einfacher, aber das ist natürlich hochkomplex. Die Verbrennungseigenschaften von Wasserstoff sind doch noch mal deutlich anders als beim Erdgas. Deswegen ist es auch nicht so einfach auszutauschen. Ich kann morgen nicht im gleichen Netz, wo ich Erdgas transportiert habe, Wasserstoff liefern. Das geht nicht. Das muss man einfach so konstatieren.
Aber wenn ich heute Kraftwerke baue, dann würde ich natürlich möglichst vorsehen, die irgendwann auch auf Wasserstoff umzustellen, wenn ich irgendwann von den fossilen Energieträgern weg bin. Und das ist ja sehr cool, dass ihr da auch führend seid. Ich habe das auch beobachtet als Nicht-Hamburger. Ich bin ja Multikulti, aber eine Freundin aus Hamburg zumindest. Und Hamburg ist irgendwie immer führend in vielen Sachen. Wie siehst du das? Warum ist Hamburg in Deutschland immer so einen Schritt voraus? Hast du da irgendeine Theorie?
Also, schwierig. Ich möchte mich jetzt gar nicht so sehr nach vorne drängen. Es gibt genügend andere Unternehmen, die auch an vielen Stellen vorne sind. Wir sind da an bestimmten Stellen gut dabei. Beim Wasserstoff zum Beispiel habe ich mal gesagt, uns hat auch jemand den Ball auf den Elfmeterpunkt gelegt – wir mussten ihn nur noch reinschießen, sozusagen – weil natürlich die Voraussetzungen in Hamburg für Wasserstoff richtig gut sind.
Also, wenn es in Hamburg nicht funktioniert – das ist meine Aussage – dann funktioniert es eigentlich nirgends, weil der Markt hier so dicht und so eng ist. Und das muss einfach klappen, sonst haben wir ein echtes Problem. Ansonsten muss man natürlich noch sagen: Hamburg hat – das kann man aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten – die Netze waren auch lange in privater Hand: E.ON, Vattenfall und so weiter.
Und es gab ganz viele unterschiedliche Impulse in diese Unternehmensreihen, die jetzt, vor zwei Jahren aus dem Stromnetz und Gasnetz, die Hamburger Energienetze geworden sind. Und das ist, glaube ich, schon noch mal etwas, was viele Stadtwerke, die historisch gewachsen sind und die nie andere Impulse bekommen haben, nicht hatten. Das ist, glaube ich, schon etwas, was uns auch so ein bisschen antreibt und vielleicht auch an der einen oder anderen Stelle mal besser macht, dass wir dort nach einem unglaublichen –
– also, wir haben verschiedene Kulturen zusammengebracht, die sich gegenseitig herausfordern. Das merkt man auch jetzt noch. Ich will nicht Kulturkampf sagen, sondern eher Kulturentwicklung bei uns. Ganz viele Ideen aus den jeweiligen unterschiedlichen Unternehmen prallen aufeinander, und wir sagen immer: Das Beste soll Gewinn für das Unternehmen sein. Ja, das klingt gut. Und sonst: Ihr seid ein Verteilnetz für Hamburg. Allerdings müsst ihr, wie viele andere Verteilnetze, euch mit den Verteilnetzen drumherum abstimmen –
– irgendwie, was eure Pläne angeht oder was Engpässe angeht. Wie funktioniert das in der Praxis? Das funktioniert ganz einfach über Menschen, die miteinander reden. Letztendlich ist es so – ich würde das für uns behaupten –, dass wir ein gutes Verhältnis zu den umliegenden Verteilnetzbetreibern haben, sei es die Städte, aber auch Hansewerk oder BM et cetera. Wir haben mit der EWE Austauschformate, wo wir genau diese Themen regelmäßig besprechen.
Und wie schon angedeutet, die Schwarmintelligenz an der anderen Stelle auch nutzen, wo dann der eine oder andere mal eine Idee hat, die wir dann auch für uns verwenden können. Und das ist etwas, was gar nicht unbedingt notwendig wäre – also die Leute würden sagen, wir können auch alleine existieren. Aber ich finde es immer gut, über den Tellerrand zu gucken. Und bei der Gastransformation am Ende des Tages, weil wir natürlich auch darauf angewiesen sind, werden wir zwangsläufig mit unseren Nachbarn zusammenarbeiten müssen. Das tun wir auch.
Dann kommen wir auf die Zielgerade. Ich hatte eine letzte Frage für dich: Was ist dein Ausblick? Wo geht die Reise noch hin – für euch, für dich – in den kommenden Jahren? Und was sind die größten Missverständnisse, die du denkst, die man noch so über Netzbetreiber hat, wo du sagst: Hey, da sollte man uns nicht so stark auf den Pranger stellen, sondern: Wir tun hier gerade unser Bestes. Ja, also, wir haben eine sehr spannende und herausfordernde Aufgabe vor uns – die Hamburger Energienetze.
Das kann man so konstatieren, was wir bauen und entwickeln müssen. Das Thema Demografie, Personal einarbeiten, Flächen besorgen, bauen, bauen, bauen, wie man als Asset Manager zu sagen pflegt. Und andererseits natürlich das Ganze auch managen, so dass alle zufrieden sind. Wir haben ja keinen Selbstzweck, sondern wir sind für viele Bürgerinnen und Bürger der Stadt Hamburg da. Das ist unsere Aufgabe, und die wollen wir natürlich bestmöglich erfüllen. Ich finde diese Aufgabe sehr spannend.
Von daher habe ich für mich eigentlich keine Option, irgendetwas anderes zu tun. Aber man soll niemals nie sagen. Ich fühle mich wohl, ich habe ein tolles Team, ein tolles Unternehmen, und es macht total viel Spaß. Was sind so die größten Missverständnisse? Da würde ich sagen: Es wird oft gar nicht verstanden – was ich vielleicht zwischendurch auch mal andeuten wollte –, dass da ja nur noch umgesetzt oder gebaut werden muss. Aber die Zeit der Vorbereitung und der Netzentwicklung braucht ihre Zeit. Das verstehen wir.
Aber wir brauchen auch Zeit, um es danach umzusetzen. Und wir merken, wenn wir so ein schönes Bild zeichnen und über Beschleunigung reden: Da haben wir hier in Hamburg ein Schutzgesetz, in dem steht, wir haben vorrangig öffentliches Interesse daran, dass die Energieinfrastruktur ausgebaut wird. Gleichzeitig haben wir aber auch ganz andere Interessen – Bausubstanz, Verkehrsfluss und so weiter. Und es ist ein bisschen so, wenn man auf eine Kreuzung zufährt mit vier Ampeln und alle gleichzeitig auf Grün stehen, dann könnte man denken – oder das ist mein Gefühl –, dass alles schneller läuft.
Das ist aber nicht so. Das läuft alles langsamer, weil ich klare Prioritäten setzen muss. Und das ist etwas, was wir insgesamt in Deutschland stärker machen müssen. Wir müssen uns stärker fokussieren und müssen anerkennen, dass wir an vielen Stellen auch die Zeit brauchen, um es umzusetzen. Ein schönes Beispiel ist auch das Vorziehen von 2045 auf 2040. Das bedeutet in der kommunalen Wärmeplanung natürlich auch, dass wir fünf Jahre weniger Zeit haben, alles umzusetzen. Gleichzeitig bedeutet das natürlich auch weniger Zeit für die Gebäudesanierung.
Das heißt, wir werden viel größere Wärmepumpen benötigen, wenn das umgesetzt werden soll, als wenn wir bis 2055 länger Zeit hätten, auch für die Gebäude und damit die Energiereduktion. Das sind so kleine Beispiele. Und ich glaube, dieses Systemische – was alles miteinander zusammenhängt –, das hast du ja auch gesagt, nach dem Motto: Markt der Netze. Wie hängt das eigentlich zusammen, und welchen Blick hat man darauf? Das ist etwas Komplexes und Schwieriges. Und ich kann leicht reden, weil ich mich ja beruflich und auch privat gerne damit beschäftige.
Beruflich agiere und handle ich damit. Aber das ist etwas, was wir auch in die Bevölkerung und zu den Menschen bringen müssen, weil wir natürlich Verständnis erzeugen müssen für die Energiewende – was notwendig ist, was nicht notwendig ist und so weiter. Das ist, glaube ich, etwas, das wir auf die Fahne schreiben müssen. Da muss der Schulterschluss zwischen der Energiepolitik – der Politik insgesamt – und den Playern in der Energiewirtschaft deutlich besser werden, würde ich mal sagen.
Ich will nicht sagen, dass das schlecht ist, aber es ist immer Luft nach oben, wie wir schon festgestellt haben. Deswegen wäre das mein Wunsch: die Infrastruktur nicht zu unterschätzen, unsere Aufgaben nicht zu unterschätzen, einzuhaken und die Dinge gemeinsam als Team anzugehen. Ja, sehr cool. Da fällt mir noch ein: Diese ganzen physischen Projekte und Bauprojekte – das ist tatsächlich alles nicht trivial. Man kann zwar mit KI Code relativ schnell schreiben, aber die größte Herausforderung ist noch immer
die Welt um uns herum ebenfalls zu beschleunigen. Und das ist deutlich herausgekommen. Die Roboter sind noch sehr weit weg, und vieles, was wir dafür brauchen. Stichwort systemisches Denken und Priorisierung – ich finde das herausragend, und eine Sensibilisierung für alle zu entwickeln und dann die richtigen Sachen zu priorisieren, nehme ich mit. Danke dir auch für diesen Gedanken. Danke, dass du die Zeit genommen hast, einen Einblick in eure Welt zu geben, und ich wünsche dir noch alles Gute – lass uns im Austausch bleiben. Vielen Dank, Claudio. Alles Gute. Tschüss.
Drei Dinge bleiben hängen. Erstens: Hamburg plant mit einer Verdreifachung der Netzlast. Das ist keine abstrakte Zahl, sondern bedeutet konkret neue Umspannwerke, neue Trassen, mehr Personal, mehr Fläche – und das alles in einer Stadt, in der jeder Bauantrag einen Ring an Genehmigungen bedeutet. Zweitens: Das Fairgrid-Verfahren zeigt, wie ein Verteilnetzbetreiber Kapazitäten nicht mehr nach dem Windhundprinzip vergibt, sondern nach Planungsreife und Systemdienlichkeit. Ein Modell, das Schule machen könnte, weil es Batteriespeicher dorthin lenkt, wo sie das Netz entlasten, statt es zu belasten.
Drittens: die Klimaresilienz der eigenen Flotte. Wenn der Strom ausfällt, müssen die Techniker noch fahren können. Hamburger Energienetze hält deshalb einen Pool nicht-elektrischer Fahrzeuge vor und baut Standorte, die auch im Blackout Strom erzeugen können. Systemisches Denken statt Einzeloptimierung – das ist die eigentliche Aufgabe der Netzbetreiber in den kommenden Jahren. In diesem Sinne, bis zum nächsten Mal.
Notizen zur Folge
Rund 1.800 Megawatt liegen heute gleichzeitig im Hamburger Netz an, und bis 2045 rechnet man mit fast dem Dreifachen. Michael Dammann, Geschäftsführer der Hamburger Energienetze, erklärt, warum die verfügbare Netzkapazität damit nicht mehr für alle Anschlussanfragen reicht und wie ein neues, faires Vergabeverfahren das bisherige Windhundprinzip ablöst. Aktuell liegt die gleichzeitige Last im Hamburger Netz bei 1.800 Megawatt, und mit den Zielszenarien aus kommunaler Wärmeplanung und industrieller Dekarbonisierung rechnet Michael mit einer knappen Verdreifachung. Statt die verbleibende Kapazität einfach nach Anfrage zu vergeben, setzt die Hamburger Energienetze mit dem Fair Grid Projekt auf ein programmatisches Repartierungsverfahren, das Kapazität fair und transparent verteilt, ein Ansatz, den auch Berlin bereits verfolgt. Für Batteriespeicher fordert Michael klare Regeln statt reiner Marktsteuerung: Wer eine Ausnahme von den Netzentgelten erhält, sollte auch bereit sein, sich netzdienlich einbinden zu lassen, inklusive einer Vergütung für den dadurch vermiedenen Netzausbau. Ein zweiter Schwerpunkt ist Wasserstoff. Nach einer Phase der Euphorie und anschließenden Ernüchterung sieht Michael die Branche aktuell wieder im Aufwind. Die Hamburger Energienetze bauen ein bis zu 60 Kilometer langes Wasserstoffnetz für den Hamburger Hafen, dessen hohe Industriedichte und ein Gasdurchsatz von 8 bis 9 Terawattstunden den Umstieg vieler Industriekunden von Erdgas auf Wasserstoff ermöglichen und das Stromnetz entlasten sollen. Außerdem geht es um E.Round, die Backend Plattform der Hamburger Energienetze für Ladeinfrastruktur, die im vergangenen Jahr 1,8 Millionen Ladevorgänge gesteuert hat und heute auch anderen Unternehmen und Flughäfen zur Verfügung steht, um bidirektionales Laden, das Michael als große, aber noch frühe Chance einordnet, und um die eigene Flotte der Hamburger Energienetze, wo Winterreichweite und Ladelogistik für Techniker im Außendienst die größte Herausforderung sind. Eine Folge über die Grenzen der verfügbaren Netzkapazität, und darüber, warum eine Energiewende ohne klare Prioritäten und ausreichend Vorbereitungszeit nicht schneller, sondern langsamer wird.