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Smart Charge · 10 September 2025 · 58 min

Ep. 25: Johannes Pallasch von der NOW über Ladeinfrastruktur, Flotten und die Zukunft der Elektromobilität

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Welcome to the Smart Charge by RiDERgy Podcast. This is Claudio Geyken, founder and CEO of RiDERgy. This is your show to learn about all things energy management and smart charging innovation for electric vehicles and fleets.

Willkommen bei Smart Charge. Heute zu Gast: Johannes Pallasch, Sprecher und Leiter der Nationalen Leitstelle Ladeinfrastruktur unter dem Dach der NOW GmbH – eine der zentralen Stimmen für eine verlässliche, nutzerfreundliche Ladeinfrastruktur in Deutschland. Mit Johannes blicken wir auf seinen Weg vom Einstieg in die Mobilitätswelt bis zur Leitstelle, inklusive Stationen und Einordnungen, unter anderem Stuttgart, und auf die Rolle von NOW und Nationaler Leitstelle im europäischen Kontext. Welche internationalen Pendants gibt es und was können wir voneinander lernen? Inhaltlich spannen wir den Bogen von historischen Meilensteinen der E-Mobilität und seiner

Vision eines nachhaltigen Mobilitätssystems über Flottenperspektiven, Logistik, Handwerker etc. bis hin zu Reichweiten, Laden, Netzanschluss, Regulatorik und Preistransparenz. Wir sprechen über Reallabore als Innovationsmotor, die Debatte zum Verbrenner-Aus und die Zukunft des autonomen Fahrens. Außerdem Tools der Nationalen Leitstelle, Chancen und Baustellen im deutschen Netz, die Rolle von Förderung sowie Smart Grids, dynamische Tarife, intelligentes Laden und bidirektionale Lösungen – mit dem Blick über den Tellerrand: Deutschland versus andere Länder und Städtevergleich. Kopfhörer auf, Ladezustand checken und los geht's mit Johannes Pallasch bei Smart Charge. Hallo, Johannes, schön, dass

du heute da bist. Wie geht's dir? Wunderbar, vielen Dank. Wie war die Anreise? Du hast gerade gesagt, du warst zum ersten Mal hier in der Königlichen Porzellan-Manufaktur. Wie ist dein Eindruck? Ich bin echt beeindruckt. Die Ecke kannte ich noch nicht. Aber das passiert in Berlin ja häufiger, dass man irgendwo hinkommt und denkt: Wow, das gibt's auch noch in der Stadt. Coole Location. Ja. Bevor wir einsteigen ins Thema E-Mobilität – kannst du die Zuhörer abholen? Wie

bist du überhaupt zu dem Thema, NOW, Nationale Leitstelle, E-Mobilität gekommen? Was hast du bisher gemacht und wie war deine Geschichte? Naja, man könnte fast sagen, mir ist es in die Wiege gelegt worden. Da sind die Busse immer schon elektrisch gefahren, und zwar mit Oberleitung. Das heißt, ich saß immer im elektrischen Schulbus – und das schon vor 30 Jahren. Aber dann später, als ich mit dem Studium fertig war, war der Weg zur Elektromobilität über Stuttgart 21.

Ich habe bei der Wirtschaftsförderung in Stuttgart gearbeitet und hatte damals die Idee: Lass uns doch Stuttgart 21 zu einer Demobaustelle für Elektroanwendungen machen – Elektrobagger, Elektrokipper etc., vor allem damals noch mit Brennstoffzelle. Die Idee kam super an, ist aber daran gescheitert, dass Stuttgart 21 keinen Euro mehr teurer werden durfte. Aber ich war in dem Thema drin und hatte darüber auch den Kontakt zur NOW. Die NOW hatte dann kurz später das Programm Modellregionen zu verantworten für das Verkehrsministerium, und in den

Modellregionen hat man damals zum ersten Mal überhaupt E-Autos konzipiert, irgendwelche Ladesäulen irgendwo in die Ecke gestellt und überhaupt so angefangen, das Thema zu denken. Da war ich dann mit der Projektleitstelle assoziiert und habe auch damals die Schaufensterbewerbung gemacht. Das war das zweite große Programm der Bundesregierung. Und dann habe ich 2012 die Seiten gewechselt, raus aus der Region hin zum Bund, und habe bei der NOW angefangen – damals noch in einer sehr spannenden Stelle, die zu 50 % Ladeinfrastruktur gemacht hat und zu

50 % Wasserstofftankstellen. Und seitdem bin ich hier in Berlin und treibe das Thema Ladeinfrastruktur voran. Und tiefer eingestiegen in diese Busgeschichte – da kann man sagen, dass du relativ früh Kontakt mit E-Mobilität hattest. Wann war deine erste E-Bus-Erfahrung? Meine erste E-Bus-Erfahrung liegt, würde ich sagen, in 1984. Wow. Seit 1984 fahre ich E-Bus. Und man hat uns Röhlinger ja immer so ein bisschen komisch angeguckt, nach dem Motto: Die mit ihrem Stangenbus da

– aber es hatte immer schon den Mehrwert, dass es emissionsfrei ist. Das heißt, die Luft war besser. Und man hat das Thema dann sogar damals auch ausgebaut. Also es gab in meiner Jugend noch eine neue Linie. Und spannenderweise kam das Thema dann noch mal zu uns hier in die NOW und das Verkehrsministerium, weil man ein Projekt hatte mit dem schönen Namen BOB, vor fünf Jahren, wo man dann auch die restlichen Strecken auf Basis von Batteriebussen elektrifiziert hat. Das

heißt, man hat da, wo die Oberleitung ist, geladen und ist dann quasi für die Seitenlinien auf Batterie umgestiegen. Und ich finde das ziemlich cool: Wenn ich zu Hause bin und oft den Bus vom Bahnhof zu meinen Eltern fahre, sitze ich in so einem Bus und denke: Das war mal ein Förderprojekt – und jetzt fährt der in der Realität, und zwar jeden Tag. Und 1984 – war das ein Förderprojekt? Nein, 1984 gab es keine Förderung. Das BOB-Projekt, das war ein Förder projekt. Das

ist ungefähr fünf Jahre her. 1984 – wie ist das entstanden? Das war noch kein Projekt. Also die Solinger hatten damals eine Straßenbahn, die elektrisch war, und sind dann umgestiegen. Und ich weiß nicht warum – ob es Kostengründe waren. Ökologie kann es nicht gewesen sein. Man hat, glaube ich, einfach auf der Infrastruktur basierend, die es für die Straßenbahn gab, dann diese Linien aufgesetzt. Und die Betriebskosten waren, glaube ich, immer schon günstiger. Interessant. Und dann? Wie

Kamst du dann zu dieser Stuttgarter Erfahrung? Wie – bevor wir sozusagen – das war ja dann der erste Kontaktpunkt, dann auch professionell mit E-Mobilität. Was war der Beweggrund zu dem Projekt? Ja, ich hatte eigentlich mit Autos nie was zu tun, außer dann in meiner Diplomarbeit im Studium. Ich habe über das Automobilcluster im Nordraum Leipzig geschrieben, wo BMW und Porsche sitzen, hatte das untersucht und da die Clustereffekte analysiert. Und darüber hatte ich dann den Einstieg in das Autothema und bin dann natürlich nach Stuttgart

gekommen, wo das Autothema ein sehr großes ist. Und dann fünf Jahre in Stuttgart, dann aber den Weg zur Bundesregierung. Und das war immer mein Traum. Ich habe irgendwann mal ein Praktikum im Bundestag gemacht und hab gesagt: Hier will ich wieder hin, hier will ich wieder zurück. Und das ist mir gelungen. Ah ja. Und Stuttgart 21 noch kurz vertieft: Wie schaust du auf das Thema? Da gibt es sehr viel Emotionen. Ja. Also ich war damals auch live dabei, auch da unten in dem Park, als es

da die Auseinandersetzung gab. Da hat man schon gemerkt, wie emotional das Thema ist, und aber auch, wie schwer es ist, in Deutschland Infrastruktur umzusetzen, die ja durchaus möglicherweise eine Berechtigung hat. Also ich sage so: Das sind Projekte, die haben eine Strahlkraft für die nächsten 100 Jahre, weil man da wirklich Strukturen schafft. Aber wie stark dieser Beharrungswille in Deutschland ist, Dinge so zu lassen, wie sie sind, nichts mehr zu verändern – das fand ich schon krass. Ja, das ist auf jeden

Fall ein Thema. Da kommen wir vielleicht nochmal vertieft rein. Bevor wir dann zur NOW kommen: Du hast auch im Vorgespräch kurz erwähnt, dass du auch persönlich elektrisch fährst und auch Ladeinfrastruktur betreibst. Vielleicht kannst du das nochmal ergänzen für die Zuhörer. Das ist ja auch eine interessante Begebenheit. Ich habe immer gesagt: Wer Elektromobilität macht, muss auch elektrisch fahren. Und folgerichtig besitze ich auch ein E-Auto von einem großen deutschen Hersteller, aber mit kleiner Batterie. Das führt dazu, dass man viel laden muss. Aber damit fährt

man gut auch durch Europa. Also ich fahre dieses Jahr auch wieder in den Urlaub jenseits der Alpen, nach Italien, war damit aber auch schon in Kroatien, England und Dänemark. Das funktioniert ganz wunderbar. Und ich wohne auf so einem großen Bauernhof mit ganz vielen anderen Familien und Nachbarn. Und ich habe einen Ladepark mit insgesamt 17 Ladepunkten. Das ist mein Job da. Also jeder hat da so seinen Job, und mein Job ist Laden und Parken – aber auch mit dem Ziel, möglichst viele Leute aufs E-Auto

zu bringen. Und ich würde sagen, da habe ich eine gute Quote. Wir sind glaube ich bis jetzt schon bei 6, 7 E-Autos und einem E-Buggy. Wenn das so weitergeht, würde ich sagen, haben wir die Flotte in 5 Jahren umgestellt. Und betreibst du es dann ganz alleine? Ja. Ist das quasi fast ein Vollzeitjob oder ein Nebenjob? Nein, ich stoße an meine Grenzen, wenn es immer mehr Fahrzeuge werden und man dann kein gutes Backend hat. Also ich muss da tatsächlich demnächst mir Gedanken

machen, wie ich das wirklich im großen Maßstab handhabe. Und die größte Herausforderung ist quasi immer dieses Chips-Anlernen. Also ich habe so ein System, wo man jeden Chip an jeder Wallbox anlernen muss. Das ist ein bisschen kompliziert. Gut, gut. Und dann zur NOW – für diejenigen, die vielleicht nicht so in der Industrie sind: Wie ist die NOW entstanden, wofür steht die NOW, und dann auch in dem Bezug die Nationale Leitstelle? Die NOW wurde damals ins Leben gerufen, um das Thema

Brennstoffzelle in Deutschland voranzubringen, hatte als Unterbau auch ein Förderprogramm, das sie begleitet und für das Ministerium koordiniert hat. Und dann wurde irgendwann das Thema Elektromobilität noch dazu gepackt, also sprich die Koordinierung der Modellregionen. In der NOW waren eigentlich immer schon beide Themen zu Hause – das hat man nur draußen nicht so wahrgenommen. Und inzwischen ist es tatsächlich so, dass das batterieelektrische Thema auch das größere ist. Ich habe dann irgendwann erkannt, dass beim Thema Ladeinfrastruktur extrem viel Arbeit anfällt und dass man da auch eine Institution

innerhalb der Bundesregierung braucht, wo sehr viel Kompetenz angesiedelt ist – quasi wo das Know-how dann allen Ressorts zur Verfügung gestellt wird, vor allem aber auch dem Bundesverkehrsministerium, unserem Auftraggeber – und dass es da eine gewisse Notwendigkeit gibt. Und dann haben wir damals – dem gab es einen Hintermann vom Minister Scheuer – den hatten wir kontaktiert, mit dem die Idee vorgestellt, ist eingeschlagen wie eine Bombe. Die haben gesagt: Zack, wollen wir haben. Und damit war die Idee da, dass es eine Nationale Leitstelle Ladeinfrastruktur gibt. Die ist angesiedelt unter

dem Dach der NOW. Und ja, seitdem sind wir jetzt seit fünfeinhalb Jahren unterwegs. Ich würde sagen, wir machen ganz ordentliche Arbeit. Wir haben immer den Ansatz gehabt, dass wir unbedingt eine Wirksamkeit erzielen wollen mit dem, was wir machen. Also entweder machen wir Tools, die den Leuten draußen helfen – sprich den Kommunen – oder wir unterstützen den Bund bei Ausschreibungen. Wir unterstützen aber auch bei anderen Regulierungsfragen. Wir helfen aber auch vor allem dem Bund immer zu verstehen: Was ist eigentlich gerade eine Phase, wie der

Elektriker sagen würde. Wo stehen wir gerade? Wo haben wir Probleme? Wo sind wir gut unterwegs? Und für diese Einordnung macht es Sinn, auch eigene Expertise zu haben, weil sonst ist man immer nur auf andere, sprich auch Lobbyisten, angewiesen. Und dann fallen Entscheidungen möglicherweise auch anders aus. Das gibt es Sinn. Und du hast jetzt auch erwähnt, dass die NOW sich immer stärker auch in Richtung Elektro bewegt. Kannst du da auch noch mal einordnen, wie das jetzt genau ist, wie viel Wasserstoff, wie viel Elektromobilität dann

in den Konstrukten ist? Also eigentlich war es am Anfang immer schon halbe-halbe, dass die Hälfte der Leute auf dem batterieelektrischen Thema gearbeitet hat. Aber es gab natürlich intern immer die Haltung: Batterie ist Nische. Das hatte damals seine Berechtigung, weil Batterien noch nicht so weit waren und Wasserstoff durchaus eine höhere Reichweite belegen konnte. Aber das hat sich jetzt dramatisch gedreht, und wir erleben, dass gerade das Thema Batterie enorme Sprünge gemacht hat. Also die Batterietechnologie, die Ladeleistung – da sind wir in Bereichen,

die wir uns wahrscheinlich vor zehn Jahren gar nicht hätten vorstellen können. Und deswegen bin ich auch durchaus noch optimistisch, dass wir, wenn wir nochmal zehn Jahre nach vorne gucken, noch mehr erreichen können. Ja, und gibt es vergleichbare Organisationen wie die NOW oder die Nationale Leitstelle international? Ja, wir haben eine Schwester, und zwar in Österreich. Da gibt es auch eine Leitstelle, mit der wir uns regelmäßig austauschen. Ansonsten gibt es vergleichbare Organisationen in China und in Japan. Aber – und das freut uns immer sehr – das sehen wir

als Anerkennung unserer Arbeit an. Das Prinzip Leitstelle wird auch auf europäischer Ebene gefordert. Es gibt tatsächlich Forderungen, die sagen, eigentlich bräuchte jedes Mitgliedsland so eine Art Leitstelle, um das Thema Ladeinfrastruktur zu koordinieren. Warum würde das Sinn machen? Wir leben in einer gewaltigen Transformation, die maßgeblich davon geprägt ist, dass wir vom Verbrenner auf den Elektromotor kommen. Und die dafür notwendige Infrastruktur muss natürlich auch an allen Orten entsprechend aufgebaut werden. Und das passiert nicht von ganz alleine. Wir reden von einem Ökosystem

an der Stelle, und da einen starken Partner zu haben, der sich auskennt, auf staatlicher Seite, macht eigentlich immer Sinn. Und bevor wir jetzt in die Zukunft blicken, noch mal einen Schritt in die Vergangenheit. Du hast ja einen neutralen Blick auch auf die Marktgegebenheiten und Entwicklungen. Was waren für dich so die Meilensteine in der Geschichte der E-Mobilität, die ja noch ganz jung ist – beziehungsweise man kann auch ganz zurückgehen ins 19. Jahrhundert. Wo willst du ansetzen? Die spannende Frage ist ja,

wie hat das eigentlich alles angefangen mit der Elektromobilität? Es gab ja damals das Konjunkturprogramm 2. Und wenn ich es richtig zusammenkriege, hat man damals unglaublich viel Geld in das Verschrotten von Fahrzeugen gesteckt. Es gab ja die Abwrackprämie. Und irgendwie hatte man, glaube ich, schon ein schlechtes Gewissen, würde ich fast sagen. Und die Idee, dass man da auch irgendwas Innovatives gegensetzen muss – sprich, dass man jetzt auch einen Weg anlegen muss für alternative Antriebe, die emissionsfrei oder emissionsarm sind. Und für Brennstoffzellentechnologie gab es ja

schon ein Programm, das sogenannte NIP, und die NOW. Und für das Thema Batterieautos gab es noch nichts. Und da hat man die Modellregionen erfunden. Und das war ein gutes Förderprogramm, weil man dann wirklich die Demonstration erst mal erprobt hat und geguckt hat: Kann das überhaupt funktionieren? So ein Reallabor, eine Art Reallabor. Genau. Und dann gab es noch ein Programm darüber. Das waren die Schaufenster. Und darüber hat man überhaupt erst mal verstanden, wo die Herausforderungen liegen und dass das funktioniert. Aber man hat das

Thema sehr früh eigentlich allen bewusst gemacht. Deswegen reibe ich mir ein bisschen die Augen, wenn es Leute gibt, die jetzt sagen, sie hören zum ersten Mal in der Industrie von Elektromobilität, und das sei eine fiese Transformation, die auf sie wartet. Ich sage: Leute, das weiß eigentlich jeder, der mit offenen Augen durchs Land gegangen ist – seit zehn Jahren. Die Frage ist: Wollte man es wahrhaben oder nicht? Und das waren die großen Schritte. Und ich glaube, dann für uns natürlich noch mal der sehr große

Schritt, dass es dann einen Masterplan gab der Bundesregierung, wo man sich wirklich sehr konzentriert hingesetzt hat und belegt hat, was eigentlich abgearbeitet werden muss, und wo auch das Zusammenwirken der Ressorts besser geworden ist. Und natürlich, klar – die Gründung der Leitstelle war natürlich auch ein Booster, um nochmal ganz andere Aktivitäten möglich zu machen. Auf Bundesebene und für uns natürlich dann auch immer die Highlights, wenn wir für den Staat Förderprogramme unterstützen dürfen, aber eben auch diese großen Ausschreibungen, wie jetzt beispielsweise das Deutschlandnetz, Pkw in der Region und

an der Autobahn, aber jetzt gerade auch die Ausschreibung rund um das Thema Lkw, weil da prägt man doch schon maßgeblich mit, wie so ein System am Ende aussieht. Man hält sich natürlich an all das, was auch im Markt erprobt ist, aber man kann an der Stelle auch Dinge voranbringen. Einfaches Beispiel: Als wir damals die Förderung für öffentliche Ladeinfrastruktur hatten, da haben wir eingefordert, dass auch Roaming-Fähigkeit da sein muss. Fand nicht jeder super – ist heute Standard.

Und so ist es schon so, dass auch der Bund in der Lage ist, durch gezielte Maßnahmen Innovationsfelder zu öffnen. Und wie weit versteht ihr euch als Aufgabengebiet? Geht es auch in Richtung Mobilität, in Richtung Schiffe, in Richtung Flugzeuge? Und was ist deine Vision? Kriegen wir es hin? Also E-LKW haben wir jetzt ja schon adressiert, dass das überraschend kam, dass das doch jetzt auch mit Batterie elektrisch sein wird – sehr wahrscheinlich. Wie sieht's aus mit den anderen? Gibt's da Use Cases, wo

du siehst: oh, da wird's schwierig? Oder wird's. Ja. Was ist deine Lösung dafür? Die Leitstelle deckt im Prinzip alles ab, was auf vier Rädern oder drei oder zwei fährt und irgendwie im öffentlichen Raum unterwegs ist oder privat irgendwo geladen werden muss. Aber klar, es gibt Anwendungen – Schiene, Schiffe, Luft –, da sind wir jetzt nicht mit drin. Aber da gibt's Kollegen, die machen das in der NOW. Und die haben auch spannende Jobs. Ich habe einen fantastischen Kollegen, der das ganze Thema Schifffahrt treibt und da auch

wirklich tolle Sachen macht. Von daher bieten wir grundsätzlich die ganze Palette an, da zu unterstützen. Und tatsächlich sind natürlich da auch große Hebel, um Emissionen zu sparen, wenn ich an Schifffahrt und Flugverkehr denke. Und die Themen gibt es auch. Ja, spannend. Und die E-LKWs – das ist wahrscheinlich jetzt auch eines der Themen, die am meisten Zeit oder Aufmerksamkeit nehmen. Was gibt es noch für Themen? Du hast ja ein paar schon erwähnt. Wenn man nochmal die ganze Bandbreite haben will: was treibt dich gerade am meisten um,

oder euch? Naja, es gibt Themen, wo ich sagen würde: das läuft. Da läuft der Markt. Da wird geliefert. Da wird aufgebaut. Da müssen wir uns eigentlich nicht großartig darum kümmern. Das ist vor allem das Thema Laden entlang der Achsen. Da sehe ich ein tolles Angebot. Deswegen bin ich total entspannt, wenn ich jetzt übernächste Woche in Urlaub fahre. Ich habe mir noch gar keine Gedanken gemacht, wo ich lade, weil ich weiß: okay, das kann ich mir eine halbe Stunde vorher angucken. Das funktioniert.

Hätte ich vor fünf Jahren anders gemacht. Wo wir noch eine Herausforderung haben, ist, wenn ich zu Hause im Mehrparteienhaus wohne und da Ladeinfrastruktur brauche. Da tut man sich Stand heute noch sehr schwer, wenn ich da koordiniert, eben auch mit meinen Nachbarn, irgendwie zum Punkt kommen muss. Wir brauchen jetzt Ladeinfrastruktur – das ist auch kostenseitig manchmal ein Problem. Und die große Herausforderung ist, dass wir für die Leute, die auf der Straße stehen und dort laden müssen, eigentlich kein gutes Angebot haben. Das heißt im Umkehrschluss: es ist uns noch nicht

gelungen, alle Käufergruppen eigentlich zu aktivieren. Wenn wir über Absatzzahlen der Elektromobilität reden, die ich persönlich gar nicht schlecht finde – sage ich aber auch: die können noch besser sein. Und zwar, wenn wir diesen Use Case Straßenlader konsequenter angepackt hätten, weil da lassen wir, sage ich mal, ein Drittel bis ein Viertel der potenziellen Käufer einfach liegen. Und die müssen wir scharf schalten, jetzt im nächsten Schritt. Ja. Dann vertiefen wir doch dieses Thema. Ich bin auch sehr neugierig und mache mir auch viele Gedanken,

wie wir das Problem lösen mit der Bevölkerung, die kein Eigenheim hat oder auch beim Arbeitgeber laden kann – was ja bei vielen. Ich weiß nicht, ob du da Zahlen im Kopf hast, von wie vielen wir sprechen, die quasi nicht beim Arbeitgeber und zu Hause laden können. Wie viele Ladepunkte brauchen wir denn? Weil es gibt ja immer diese Auslastungsthematik. Es gibt schon, glaube ich, 15 % – das sagt man ja, dass die Ladepunkte im Schnitt – hattest du, ja, glaube ich sogar

ganz gut präsentiert – eine Auslastung von 15 %, eigentlich nicht so viel pro Ladepunkt. Das heißt, man würde eigentlich sagen, es gibt genügend Ladepunkte. Aber gleichzeitig ist schon was dran: wenn der Ladepunkt zu weit weg ist, ist es auch nicht realistisch, dass man das im Alltag dann nutzt als Bürger. Wie siehst du das? Das ist ja eine hochspannende Frage. Wie kann es eigentlich sein, dass es zwei unterschiedliche Wahrnehmungen gibt zum Thema Ladeinfrastruktur? Die eine, die da heißt: wir haben eigentlich eine total unterausgelastete

Ladeinfrastruktur, und eigentlich ist das genug da, oder eigentlich müsste jeder glücklich werden. Und dann haben wir aber draußen Bürgerinnen und Bürger, die rumfahren und sich darüber beschweren, dass zu wenig da ist. Und deswegen muss man mal tiefer reinpieksen. Es hängt zum einen natürlich von der Verortung ab. Wir haben Ladeinfrastruktur, die sehr gut nachgefragt ist. Und wir haben auch Ladeinfrastruktur, die teilweise überhaupt nicht nachgefragt wird, die einfach am falschen Standort aufgebaut ist oder die nicht funktioniert. Von daher muss man mit Durchschnittswerten aufpassen. Auslastung ist

aus meiner Sicht eine toxische Zahl, weil sie suggeriert, dass mehr möglich ist, ohne zu sagen, wo eigentlich eine Grenze ist. Wenn ich sage, ich habe 15 oder 20 % Auslastung, da würde jeder denken: hurra, da sind doch noch 80 % frei. Aber jetzt überlegt mal: wie bewegt sich der Mensch durchs Leben? Die Leute kommen ja nicht gleichmäßig über 24 Stunden an die Ladesäule, sondern eigentlich haben wir alle ein sehr ähnliches Profil. Nachts schlafen wir,

Dann stehen wir auf. Dann fahren wir irgendwo hin. Dann arbeiten wir und dann fahren wir nochmal zurück. Und dann gibt's Abendessen, Gute-Nacht-Geschichte und schlafen. Das heißt, es gibt so eine Art Standard-Lastprofil auch beim Nutzer. Das gibt's natürlich. Jetzt wird jeder noch ein Beispiel haben, wo das anders ist. Aber ich sage mal so: die große Masse von Bürgerinnen und Bürgern verhält sich sehr ähnlich. Das heißt also, alle wollen in einem ähnlichen Zeitfenster laden. Das heißt also, diese Vorstellung davon, ich könnte die eigentlich in

ganz andere Stunden packen, die funktioniert eigentlich nicht. Und deswegen sind diese 15 % eben – man muss die dringend einordnen. Wir wissen, dass es eine Glasdecke gibt bei ungefähr 25 %, über den Daumen. Also die am besten ausgelasteten Ladesäulen liegen so bei 20 bis 30 %. Wenn man da die Top 5 % nimmt, dann wissen wir: okay, da ist eigentlich gar nicht mehr möglich. Und dann müssen wir ehrlicherweise sagen, müssen wir 50 % gegen 30 % setzen. Und dann hat man eine ordentliche Einordnung.

Was wir jetzt im nächsten Schritt versuchen, zusammen mit der Industrie, ist zu sagen: auch wir wollen eine bessere Auslastung. Natürlich. Je besser das Verhältnis Ladeinfrastruktur zu Fahrzeugen ist, umso günstiger wird es volkswirtschaftlich. Und wir wollen natürlich schon sehen, welchen Effekt es eigentlich hat, wenn wir dynamisches Pricing noch mit anbieten. Also, wenn ich sage: okay, ich versuche durch günstigere Preise meine Auslastung zu erhöhen – wie viel Prozentpunkte kann man da noch rausschwitzen? Und das ist aus meiner Sicht etwas, was noch ungeklärt ist. Da müssen wir

jetzt ran. Aber auch da möchte ich warnen – ich werde persönlich: ich würde nicht nachts aufstehen, nur weil es besonders günstig ist, sondern auch ich bin an meine Profile gebunden als Mensch. Ja, da gab es ja in Berlin – wir sitzen ja hier in Berlin – auch neulich die Ankündigung, dass die Stadt Berlin diese Blockiergebühr ab einer bestimmten Abend-Uhrzeit dann weggenommen hat, was ja total sinnvoll ist. Ja, das ist auch spannend. Und deswegen, zum Beispiel, das wäre etwas, wo ich

jetzt sagen würde, wenn ich beim Ministerium beraten würde: ja, schön und gut. Aber das Problem taucht eigentlich beim Endkunden auf, indem er sein EMP-Produkt benutzt, also seinen Fahrstromvertrag. Im Fahrstromvertrag werden die Strafgebühren fällig. Das heißt also: bei mir werden manchmal Strafgebühren aufgerufen, obwohl der Betreiber der Ladeinfrastruktur das gar nicht einfordert. Das ist ein Trittbrettfahrertum, das sich da breitgemacht hat – so möchte ich es mal nennen –, was ein Riesenproblem ist. Das ist 100 % Marge beim Fahrstromanbieter. Und davon kenne ich persönlich keinen Vorgang, wo

das Geld überwiesen wird an den CPO, also den Betreiber der Ladeinfrastruktur. Der hat aber eigentlich das Problem, wenn der eine zu lange steht. Deswegen etwas, wo man dringend ran muss. Ich finde den Schritt aber trotzdem gut von dem Berliner Kollegen, das so klarzustellen, weil dann kann man auch nochmal gegenüber seinen Fahrstromanbietern sagen: was soll das, Leute? Das kann ja nicht sein. Ja, das klingt auf jeden Fall nach Trickserei. Man kann ja natürlich einordnen – das ist ja auch, finde ich, eine höchstspannende Fragestellung –, ob die Preise gerechtfertigt

sind, die hohen an den öffentlichen Ladepunkten, wo sich ja viele beschweren, dass sie nicht so niedrig werden wie zu Hause. Man muss natürlich die Anschaffungskosten der Ladeinfrastruktur und den Betrieb eines Ladepunktbetreibers auch berücksichtigen – man kann dann nicht mehr davon ausgehen, dass es die gleichen Preise sind wie zu Hause. Aber wo ist dann ein realistischer Preis? Habt ihr das auch modelliert, in irgendeiner Art und Weise? Natürlich machen wir uns da Gedanken, und wir haben einen sehr guten Einblick in die Kosten. Und das ist ja die Grundlage. Also letztendlich, wenn

ich jeden betriebswirtschaftlichen Fall nehme, quasi – wenn ich einen Bierdeckel nehme, würde ich sagen: okay, was habe ich an Capex? Was habe ich an Opex? Was habe ich an Marge, die ich erzielen muss? Und was habe ich für eine Abschreibungsdauer? Wenn ich das nehme und das gegen eine Auslastung lege, dann kann ich eigentlich ganz gut berechnen, welcher Aufschlag notwendig ist, damit sich meine Kosten – Capex, Opex, Marge – amortisieren. Das ist eine Berechnung, die kann jeder auf dem Bierdeckel machen. Das machen auch wir so. Und

darüber kommt man natürlich schon sehr schnell an den Punkt, dass man versteht: okay, was wäre gerechtfertigt und was nicht? Was heißt, da ist auf jeden Fall noch Luft nach unten, wenn man so will, grob gesagt? Oder ist die Kritik der Bürger berechtigt, wo viele sagen, wir zahlen zu hohe Preise an den öffentlichen Ladepunkten? Wir haben ein Problem. Das haben wir lange unterschätzt: dass ganz viele Leute heute noch mit dem Dienstwagen unterwegs sind und

einfach eine Karte haben, wo sie persönlich nicht betroffen sind davon, wenn es teuer ist – da wird einfach bezahlt. Das heißt, es gab auch auf Kundenseite gar nicht diesen Druck. Natürlich gibt es die Stimmen im Markt, aber das ändert sich jetzt: wir haben zunehmend wirklich Leute, die nicht aus dem Flottengeschäft kommen und eine Flottenkarte haben, sondern die selbst ihre Karte davor halten und dafür blechen. Und gibt es in deiner Vision – nochmal zurück – für die Bürger, die keinen Ladepunkt zu Hause haben, werden wir

dann also eine Vision, die ich hätte, auch noch mal vielleicht, um auch dich und die Hörer nochmal abzuholen. Wir reden ja auch viel um intelligentes Laden. Ich bin ja Energieingenieur und versuche, das Ganze systemisch zu betrachten. Das eine ist: Ich verstehe die Ladepunktbetreiber, die ihre Auslastung so maximieren wollen, wie sie können. Es gibt allerdings natürlich auf Energiesystemebene dann die Inzentivierung, wenn man den Ladevorgang verzögert und diese dynamischen Strompreise hat und dann bidirektionales Laden etc. Eigentlich wär es für diese systemische Betrachtung so gut, dass

es möglichst viele Ladepunkte gibt und dass die Auslastung nicht die entscheidende Optimierungsgröße ist, sondern dass man das eben auf Systemebene schaut. Es gibt, wie du sagst, gewisse Restriktionen. Die Leute werden ihr Lebensverhalten nicht so stark umstellen. Das heißt, irgendwo kannst du es maximieren, aber bis 25 %, wie du sagtest. Und dann geht es eigentlich darum: Wie können wir das Laden möglichst verzögern oder bidirektional machen und dadurch Geld verdienen als Ladepunktbetreiber? Wie siehst du

das ganze Thema? Also das ist etwas, was wir viel zu selten diskutieren als Branche: Welchen Beitrag hätten wir eigentlich im Kontext des Energiesystems? Wenn wir über dynamisches Pricing reden, dann geht es vor allem um eine optimierte Auslastung. Da geht es nicht darum, uns gegen die Energieerzeugung zu optimieren. Das funktioniert in anderen Systemen. Das heißt also da, wo ich Schnellladen habe, da versuche ich über Pricing die Besuche so zu verteilen, dass sie früher oder später kommen. Aber wir haben ja noch die ganzen, sage ich mal,

Straßenlader, aber auch die Leute, die zu Hause stehen oder beim Arbeitgeber. Die stecken ja sehr lange. Und die können ja durchaus sehr flexibel laden und sind in der Lage, quasi auf Preissignale zu warten, die da heißen: Okay, jetzt ist es gerade sehr günstig an der Börse, jetzt bitte laden. Das entlastet ja auch das System. Und ich glaube, das brauchen wir – dass wir diese Preissignale aus dem Strommarkt auch bis zum Endkunden bringen. Und das ist ja eine Diskussion, die wir gerade beim

Lkw haben mit dem Durchleitungsmodell, wo wir sagen: An der Stelle wollen wir, weil es einfach so große Batterien sind, eben auch systemdienlich denken. Was wir zukünftig – wenn wir jetzt einfach mal zehn Jahre weitergehen – was meine Vision wäre, wenn ich in so einem Quartier bin: Also erstmal in einem Quartier wäre es so, dass ich fußläufig – und fußläufig heißt in Fußlatschdistanz, nennen wir das, das sind ungefähr 250 Meter vor meinem Haus – auch eine Lademöglichkeit habe. Ich diese Lademöglichkeit grundsätzlich, weil es eben nicht nur ein

Ladepunkt ist, sondern immer als Verbund gedacht ist, auch reservieren kann und ich eine hohe Verlässlichkeit habe, dass ich auch an den Ladepunkt drankomme. Und dann ist hier vor allem die Frage: Wie gelingt es uns eigentlich auch den Bürgerinnen und Bürgern, die keine eigene PV-Anlage auf dem Dach haben, Zugang zu PV zu organisieren? Also ich könnte mir auch vorstellen, dass man sagt: Okay, zukünftig ist das möglich – ich besitze irgendwo Anteile einer PV-Anlage. Die steht aber gar nicht zu Hause auf dem Dach, sondern die ist irgendwo

anders. Aber ich kann diesen Strom in mein Auto bringen. Das wäre eine denkbare Variante. Und ich glaube, dass wir nicht nur das Thema Schnellladen für die Quartiersangebote brauchen, sondern vor allem auch das Thema Normalladen, weil die Autos einfach lange stehen. Und wie du vorhin schon gesagt hast, es macht auch Sinn, viele Autos am Netz zu haben. Und du hast das Stichwort Durchleitungsmodell auch schon erwähnt. Wieso ist das so wichtig? Das ist ja gerade ein sehr hochaktuelles Thema, insbesondere im eMobility-Kontext. Aber ich glaube

nicht nur. Genau. Also das ist immer ganz wichtig, voranzustellen: Ich persönlich habe gar keine Präferenz, was besser ist oder wovon man Fan ist. Ich bin Fan von einer Sache – das ist fairer Wettbewerb und Level Playing Field. Und das, was wir in der Vergangenheit erlebt haben, ist ja Folgendes: dass viele Betreiber gar nicht wollten, dass die Bürgerinnen und Bürger ad hoc laden. Also kam jemand nach Berlin, hat uns erklärt: „Ad-hoc-Laden braucht kein Mensch, macht kein Mensch." Zu welchem Preis

haben Sie das denn eingestellt? Sie haben uns einen Preis genannt, und es ist doppelt so viel. Das ist klar, dass es keiner macht. Und vor allem da müssen wir hin: Wir wollen für die Bürgerinnen und Bürger Wahlfreiheit – ob sie jetzt ad hoc laden oder mit einem Fahrstromvertrag laden. Das ist die Baustelle beim Pkw. Und das ist ganz wichtig. Ich sehe das Durchleiten jetzt überhaupt gar nicht beim Thema Schnellladung Pkw. Man muss sich vor Augen führen: Ich werde ja deswegen, weil irgendwann nachts viel Wind bläst,

nicht nachts zur Ladesäule fahren. Der Effekt ist da, glaube ich, nicht. Das ist anders – möglicherweise beim Quartiersladen. Beim Lkw ist es aber so, dass wir nicht nur Ladepunkte fürs Zwischendurchladen aufbauen, wo man eine Dreiviertelstunde steht, sondern eben auch für die langen Zeiten, die ein Fahrer Pause machen muss, sprich acht bis zehn Stunden. Und da macht es schon Sinn, wenn ich einen Lkw acht bis zehn Stunden am Netz habe, zu schauen, wann er systemdienlich laden kann. Und dafür

muss ich aber das Preissignal von der Börse durchstecken. Und wichtig ist auch: Wir haben uns angeguckt, wann LKW an den Standorten stehen. Und das ist sehr flexibel. Das heißt, da kommen morgens schon die ersten rein, die eine Pause machen müssen. Und da kommen mittags noch mehr und abends noch mehr. Das heißt, das verteilt sich auch ganz gut über einen Tag. Also ich habe da eigentlich einen gigantischen Speicher unterwegs, wo es doof wäre, blöd wäre, wenn ich den

nicht nutzen würde. Das heißt, das haben wir vor: Wir sagen, okay, es soll eine dritte Zugangsvariante geben – dieses „Bring Your Own Power" oder EMP plus. Aber ob das genutzt wird, wie intensiv das genutzt wird und ob das jetzt der Bringer ist am Ende und preislich viel günstiger ist, das wissen wir nicht. Eine Sache ist aber klar: Wir haben einen fairen Wettbewerb zwischen den drei verschiedenen Zugangsvarianten. Und ist es so, dass es heute schon möglich ist – also, wenn ich jetzt eine Spedition bin

oder Fuhrparkbetreiber eines E-LKW, könnte ich das tatsächlich schon jetzt heute in Deutschland nutzen, oder müssen wir etwas abwarten? Was sind so Hürden, die noch auf dem Weg sind? Also die Anwendungsregelung ist ja da. Es gibt quasi keine. Wir müssen nicht mehr irgendwie auf die Bundesnetzagentur warten oder auf irgendwelche Gesetze. Das ist eigentlich alles da. Ich glaube, die Anwendung, die Umsetzung hier in dem Kontext ist neu. Deswegen müssen wir natürlich auch mit Augenmaß gucken, dass es etwas ist, was wir auch einführen müssen. Also

es wird nicht auf einen Schlag da sein. Aber ich glaube, dass das eine Kompetenz sein wird, auch im Markt, die über das LKW-Netz hinaus ihre Bedeutung hat. Und ich glaube, dass es nicht falsch ist, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Aber wie gesagt, ich bin auch noch ein großer Fan davon – wenn wir jetzt beim PKW bleiben – übers Ad-hoc-Laden zu reden. Wir werden nächstes Jahr an den Punkt kommen, dass alle öffentlichen Ladepunkte angebunden sein müssen an den sogenannten nationalen Zugangspunkt. Das heißt, es wird

eine Plattform geben, wo alle Belegungsstati verfügbar sind. Und ich kann also sehen, wo eine Ladesäule ist, ob sie frei ist oder nicht frei ist – reservieren oder nicht reservieren. Aber ich kann das Pricing nachgucken für den Ad-hoc-Preis. Warum ist das so wichtig? In der Vergangenheit habe ich diese Informationen eigentlich nur über die App meines Fahrstromanbieters bekommen. Es gab sie nicht anders. Das heißt, wenn ich mich in die Welt der Elektromobilität reinbewegen wollte, brauchte ich diese Karte. Und zukünftig kann ich diese Daten in

meinem Navi oder auch immer auf dem Handy bekommen. Und ich weiß, wo ein Standort ist, und kann den auch ohne Vertragsbindung nutzen. Ich kann mir vorstellen, dass das das Ad-hoc-Laden maßgeblich stärkt. Wir wissen von großen Supermärkten, dass die Quote des Ad-hoc-Ladens dort eine ganz andere ist. Also da ist das Ad-hoc-Laden vom Pricing her so attraktiv gestaltet, dass die Leute das überwiegend machen. Und das finde ich eine interessante Sache: Wenn das Pricing stimmt, dann gehen die Leute auf das Thema Ad-

hoc-Laden. Und Ad-hoc-Laden auch nochmal aus Neugierde: Das wird ja über die AFIR-Regulierung europaweit geregelt, dass es auch an jedem Ladepunkt – AC und DC, also Schnellladen und Langsamladen – überall verfügbar sein muss. Und in der AFIR ist auch angelegt, dass es diskriminierungsfrei und fair zugehen muss zwischen den Bepreisungen. Das wird in der Praxis aus meiner Sicht nicht ganz so gelebt. Aber die AFIR hat schon die Tendenz, dafür zu sorgen, dass man sagt: Leute, eigentlich müssen die sich preislich schon auf einem

sehr ähnlichen Niveau bewegen. Und dann ist Ad-hoc-Laden natürlich auf einmal interessant. Und wie schaust du auf das Thema Unternehmensflotten? Das ist ja auch einer der größten Hebel, glaube ich, für die E-Mobilität. Zwei Drittel der neuen E-Fahrzeuge gehen in die Unternehmensflotten. Sind wir da auf einem guten Pfad? Gibt es da noch Hürden, die du siehst? Was fällt dir da noch zum Thema Unternehmensflotten ein? Ja, ist ja tatsächlich so, dass es immer weniger Leute gibt, die sich wirklich einen Erstwagen selber kaufen und dafür Geld

auf den Tisch legen. Das heißt also, um Elektroautos in den Markt zu bringen, ist das natürlich ein sehr wichtiger Weg über die Firmenflotten und Firmenfahrzeuge. Und das muss uns gelingen.

Darüber hinaus: Die Flotten, die mir noch mehr Sorgen gerade machen, sind die ganz großen, die LKW-Flotten – wie wir die elektrifiziert bekommen. Ich hatte ja schon gesagt, dass wir an dem Ladenetz für öffentliche Ladeinfrastruktur dran sind. Aber das ist ganz wichtig: Wir müssen ja auch überall im Depot laden. Und da haben wir gewaltige Aufgaben. Und das ist wenigstens bewusst in der Planung, die wir auf der Autobahn vorgenommen haben. Also die Bedarfsplanung hat als Grundannahme, dass die LKWs eigentlich immer zu 100

% geladen losfahren. Diese Grundannahme hinzubekommen – das wird ein hartes Stück Arbeit. Wie meinst du das – dass man es schafft, die auf 100 % zu kriegen? Die Frage ist ja: Wir denken in einer Kaskadenlogik nach. Wie viel Ladeinfrastruktur müssen wir aufbauen? Und wir wollen natürlich nicht zu viel aufbauen. Das heißt, man sagt: okay, Ladebedarfe, die an anderer Stelle günstiger zu erschlagen sind, die sollten auch da stattfinden. Also ein Ladevorgang im Depot wird vermutlich immer günstiger sein als an irgendeinem öffentlichen Ladepunkt.

weil einfach gewisse Anforderungen entfallen. Und deswegen sagen wir in unserer Logik: OK, wir wollen, dass die erst mal dort auch entsprechend laden und im Idealfall vollgeladen losfahren. Aber wie gesagt, bei den Depots gibt's doch gewaltige Aufgaben. Das, was mir Sorgen macht, ist eben, dass die Netzanschlüsse in der Regel nicht für alle reichen. Und dann hat man eben so ein Gewerbegebiet. Wenn da fünf Logistiker sind, wird möglicherweise nur der schnellste am Anfang bedient und der Rest guckt in die Röhre. Und das kann es nicht sein. Können wir da

auch mal ein bisschen mehr ins Detail gehen, weil du dich auskennst, was so typische Netzanschlussleistungen in so einem Gewerbegebiet sind und was da so realistisch ist für so einen Logistiker, was er jetzt hat und was er dann perspektivisch als Netzertüchtigung erfragen kann vom Verteilnetzbetreiber? Das ist natürlich in der Tat sehr unterschiedlich, weil es natürlich auch Gewerbeanwendungen gibt, die brauchen sehr viel Strom, es gibt welche, die brauchen sehr wenig. Wenn man sich aber anguckt, was braucht eigentlich ein Depot an Strom – also, wenn ich mir

einfach nur so ein Warenumschlagsdepot angucke: Ich brauche Strom für die Beleuchtung, ich brauche Strom, um das Rolltor hoch und runter zu fahren. Das sind nicht die Riesenmaschinen, das ist keine Schrottpresse. Vielleicht, wenn es ein gekühltes Depot ist, dann noch mal ein bisschen mehr wegen der Kühlung. Aber die Standard-Depots – nehmen wir mal irgendeines, das einfach nur ungekühlte Pakete sortiert – da ist der Bedarf nicht hoch. Aber habe ich möglicherweise 100 Lkws an der

Rampe stehen. Wenn ich da jetzt sage: OK, an jeder Rampe muss ein Stecker dran sein, dann komme ich auf einmal auf Anschlussleistungen, die ein Betreiber von so einem Standort noch nie gesehen und gehört hat. Und der kippt wahrscheinlich erst mal hintenüber. Und dann hängt es natürlich noch davon ab, wie so ein Gewerbe insgesamt angeschlossen ist. Und das kann sehr, sehr unterschiedlich sein. Das hängt auch immer damit zusammen, wie das vorgelagerte Netz aufgebaut ist. Manchmal hat man Glück und da sind auch Kapazitäten frei. Wobei das

ja auch immer eine Momentaufnahme ist. Es kann auch sein, dass morgen irgendwie ein großer Batteriespeicher oder ein Rechenzentrum kommt und die Leistung weg ist. Und deswegen ist es sehr, sehr wichtig, dass man hier auch von Anfang an gerade den Verteilnetzbetreibern transparent macht, was da auf sie zukommt. Und das ist ja eine wesentliche Aufgabe von uns, die glaube ich am wenigsten bekannt ist. Wenn wir uns alle darüber beschweren, dass Verteilnetzbetreiber eigentlich zu langsam sind mit den Anschlüssen – die können jetzt nicht viel dafür, weil die

Regeln sind, wie sie sind, und die Personalausstattung ist auch oft so, wie sie ist. Und wenn man das Problem lösen möchte, dann muss man den Verteilnetzbetreibern auch den Vorlauf geben, den sie brauchen. Also, wenn mir ein Verteilnetzbetreiber sagt, er braucht zehn Jahre, um irgendwo eine Hochspannungsleitung zu legen, kann ich nicht zehn Jahre warten und dann sagen: Ich will jetzt eine Hochspannung haben – und dann ist sie nicht da. Sondern ich müsste heute, mit ordentlichem Vorlauf, ihm sagen: Pass auf, in zehn Jahren brauche ich

da einen Netzanschluss. Dann kriegt er das hin. Und das ist das, was wir machen: Wir planen im Prinzip für ganz Deutschland den Bedarf an Ladeinfrastruktur und an Leistungen, die dahinterliegen, und geben diese Daten den Netzbetreibern, damit die ein Bild davon haben, was da auf sie zukommt. Weißt du, ich habe mich auch länger gefragt, was die Hauptgründe sind, weshalb es bis zu zehn Jahren dauern kann, vor allem bei den Hochspannungsanträgen. Kannst du da nochmal ins Detail gehen? Also, es ist bestimmt nicht, dass der

Bagger vom Kipper fährt, das Loch buddelt und wieder zumacht – das ist in ein paar Tagen gemacht. Es ist tatsächlich dieser ganze Planungsvorlauf, die ganze Abstimmung, die extrem zeitintensiv ist. Und ich meine, dafür gibt es ja auch gute Gründe. Man muss natürlich die verschiedenen Interessen im Land in den Ausgleich bringen, aber das ist sehr zeitintensiv. Und ja, ich würde natürlich auch hoffen, dass man da noch mal entsprechende Beschleunigungsmaßnahmen bekommt, die dann auch greifen für den Bereich. Stichwort überragendes öffentliches

Interesse, was wir bei der Windkraft gemacht haben. Das würde helfen, diese Zeit um neun Jahre oder so zu verkürzen – mit dem Problem, dass inzwischen gefühlt alles von überragendem Interesse ist. Ich meine, da muss man sich auch ehrlich machen. Aus unserer Sicht ist natürlich das allerwichtigste Thema Ladeinfrastruktur. Für andere sind es Batteriespeicher. Dann kommt der Nächste und sagt: Ja, aber wenn wir keine eigenen Datenzentren haben, gucken wir irgendwann total in die Röhre. Und und und. Das heißt also,

die Verteilnetzbetreiber und Übertragungsnetzbetreiber sehen sich natürlich mit einer Welle von Anträgen konfrontiert, die sie schwer bewältigen können. Da müssen wir sie einfach unterstützen, so gut es geht. Und das ist eben unser Ansinnen, indem wir sagen: Pass auf, Leute, wir erklären euch, wie das Zielbild für 2030, 2035, 2040 aussieht, damit ihr gerade auch in den vorgelagerten Netzen die notwendigen Ertüchtigungen vornehmen könnt. Ihr unterstützt sie vor allem in beratender Funktion. Habt ihr auch ein Tool, oder wie genau kann man sich das vorstellen? Genau,

Unser führendes Tool an der Stelle ist das Standort-Tool. Damit machen wir die Bedarfsplanung und berechnen das auch. Und es ist tatsächlich im EnWG festgeschrieben, dass unsere Planungen auch übernommen werden müssen. Das heißt, das ist nicht irgendwie freiwillig, sondern das ist eine harte Leistung, die wir bringen und die dann auch genutzt werden muss. Das ist natürlich, wie gesagt, den wenigsten bewusst, zeigt aber auch, dass der Staat durchaus intelligent agieren kann – im Sinne von: Ja, wir haben Modelle und Prognosen, die helfen, die großen Aufgaben

die da vor uns liegen, zu bewältigen. Ein Stichwort: Staat. Ich finde das auch sehr spannend, und ich glaube, da sind wir uns ähnlich – und vielleicht eher kontrovers in Deutschland. Das würde ich auch gerne vertiefen: inwiefern der Staat eine Berechtigung hat beim Planen von bestimmten Prozessen, und insbesondere jetzt in dem Fall Infrastruktur, und wie viel man dem Markt seinen freien Lauf geben soll. Ich höre raus, und ich glaube, ich bin deiner Meinung, dass der Staat in bestimmten

Aspekten auf jeden Fall federführend agieren und Verantwortung übernehmen muss, in dieser koordinierenden Funktion. Wie schaust du auf das Thema – nicht nur beschränkt auf die E-Mobilität, sondern dass der Staat nicht nur eine Laissez-faire-Mentalität hat, der Markt regelt schon alles, sondern da auch eine Führung übernehmen muss? Ich glaube, es braucht ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Staat und Wirtschaft an der Stelle. Es gibt – und das ist vollkommen bewusst – viele Dinge, die die Wirtschaft besser kann. Aber es gibt auch Dinge, die der Staat besser

kann, oder wo man vielleicht eher im Sinne der Bürgerinnen und Bürger agiert. Und ich glaube, da muss man sich immer sehr ehrlich machen, was jeweils die Interessenslage ist. Ich glaube, gerade beim Thema Infrastruktur hat der Staat natürlich immer einen starken Beitrag, aber der Staat wäre zum Beispiel nicht besser darin, selber Ladeinfrastruktur aufzubauen und zu betreiben. Ich erinnere mich an ein Gespräch vor zehn Jahren mit einem Bundestagsabgeordneten, der meinte: „Herr Pallasch, das müssen doch alles Sie machen." Ich habe gesagt: „Gott im

Himmel, ganz ehrlich, wenn wir hier was erreichen wollen – wir als staatliche Institutionen wären nicht dazu in der Lage, das Tempo aufzubringen, weil wir ganz andere Regeln haben, um deutschlandweit Ladeinfrastruktur hinzubauen und zu betreiben." Das ist eine Industrieaufgabe. Aber bei der Frage, wie die Rahmenbedingungen sind und wie so ein Gesamtsystem funktionieren muss, wie wir dafür sorgen können, dass es für die Bürgerinnen und Bürger fair zugeht, oder wie wir für Einheitlichkeit sorgen können – da haben wir schon wieder eine Rolle.

Und dann gibt es natürlich noch Spezialthemen, so wie jetzt bei der Ausschreibung Lkw. Da hat der Bund die Flächen, und da ist man dann auch noch mal in einer anderen Rolle. Wenn man selber Flächengeber ist, muss man mit diesen Flächen verantwortungsvoll umgehen, weil ich nicht einfach irgendjemanden die Flächen geben kann, sondern das muss ein sauberes Verfahren sein. Beim Thema E-Mobilitätsstrategie, wenn man sich jetzt insbesondere China anschaut und dann die USA – um mal ganz konkrete Extrembeispiele zu nehmen –, Deutschland und die EU sind irgendwo dazwischen.

China: Fünfjahrespläne, ganz klare Strategie pro Elektromobilität. Der Plan hat natürlich gewisse negative Aspekte, wenn man sich den Markt anschaut, aber trotzdem eine ganz klare Linie pro E-Mobilität und Wahnsinnszulassungszahlen, was die E-Mobilität angeht. Und dann die USA: jetzt gerade eine neue Regierung, und plötzlich „Drill, Baby, Drill" – und dann geht es nur noch darum, bloß keine E-Fahrzeug-Importe. Die führende Regierung glaubt nicht daran. Hier habe ich das Gefühl, wir fahren irgendwo dazwischen. Fahren wir den richtigen

Weg? Sollten wir irgendetwas anpassen – eher in Richtung China, oder alles so wie gehabt? Manchmal hat man ein bisschen den Eindruck, uns fehlt der Mut, so richtig zu springen. Ein halber Sprung kann ziemlich schmerzhaft werden. Industriepolitisch ist, glaube ich, allen klar, die sich mit der Thematik auskennen: Das Geld von morgen wird nicht mit den Produkten von gestern verdient. Das ist eigentlich allen klar. Und deswegen ist natürlich schon die Frage, in welcher Intensität und mit

welcher Schnelligkeit man in diese neuen Märkte reingeht. Jedes Auto, das ich in diesem neuen Markt mehr verkaufe, verkaufe ich in einem alten Markt weniger – und das ist natürlich immer noch eine Herausforderung. Wir argumentieren sehr oft noch mit Flottengrenzwerten, dass wir sagen: „Ja, deswegen müssen wir das quasi durch Flottengrenzwerte erzwingen." Ich wünsche mir oft, dass wir eigentlich noch ganz anders denken: „Pass auf, Leute, wir müssen diesen iPhone-Moment vom E-Auto rauskitzeln." In

diesem Moment, wo die Leute sagen: „Ich will das Ding haben. Mein Nachbar hat's, ich will's haben, und alle anderen wollen es auch haben." Da müssen wir hinkommen, weil dann verkauft sich das Ding von alleine. Was braucht es dafür? Auf der CapEx-Seite darf so ein E-Auto natürlich nicht viel teurer sein, und bei den Betriebskosten – sprich Ladekosten – darf es ebenfalls nicht teurer sein. Und ich glaube, ganz wichtig ist auch diese Funktionalität. Deswegen bin

Ich bin so scharf wie alle anderen auch auf das Thema Bidirektionales Laden. Das ist quasi die erste Funktionalität, die das E-Auto vom klassischen Verbrenner abhebt, weil der Rest mehr oder weniger identisch ist. Außer bei der Reichweite haben wir ein bisschen mehr Probleme, sage ich mal, also zu wenig Reichweite. Ich habe das Thema Laden. Aber das E-Auto kann etwas, was der Verbrenner nicht kann. Und das ist quasi Sparbüchse oder Goldesel, wie man es auch nennen möchte – dass man das wirklich ins Energiesystem hängt.

Und ich glaube, das kann den Leuten so richtig Spaß machen. Man sieht ja all die Leute mit ihrer App, wenn sie sehen, wie viele PV-Stunden sie geladen haben, und ich glaube, dass das einfach ökonomisch attraktiv wird. Lass uns ins Detail gehen beim Thema Bidi, weil es geht ja auch um günstiges Laden. Wie wir drauf schauen: beim Verbrenner konntest du vielleicht ein paar Cent hier und da

zu einer anderen Tageszeit sparen, oder eine Tankstelle, die günstiger war. Aber jetzt beim Strom hast du so viel mehr Hebel – schon beim Laden und dann perspektivisch beim bidirektionalen Laden. Es gab ja neulich diese große Ankündigung von Octopus und BYD, die sehr viele Wellen geschlagen hat. Mit 300 Pfund in UK kann man jetzt, wenn man Bidi und so weiter macht und Octopus es zulässt, umsonst fahren. Wann kommt das in Deutschland, deines Erachtens? Das ist auf jeden Fall auch für mich ein iPhone-

Moment, beziehungsweise ein Xiaomi-Moment, weil Apple sein E-Auto ja quasi nicht gebracht hat und Xiaomi, das Apple Chinas, es schon gebracht hat. Ich sehe, dass die Kollegen im Wirtschaftsministerium damit große Aktivität auch dran sind. Wir unterstützen das auch. Wir haben damals als Leitstelle auch das Grundlagenpapier dafür verfasst, um überhaupt mal zu sortieren, wo es noch Baustellen gibt und wo nicht. Habe ich gelesen. War sehr gut, kann ich sehr empfehlen. Das hat damals unser Beirat gemacht. Die armen Kollegen, die mussten – ich habe

mich fast ein bisschen geschämt, weil ich war im Urlaub und der Beirat der Leitstelle saß da und hat das Ding erarbeitet. Aber das haben sie ganz hervorragend gemacht. Ich hoffe, dass von allen erkannt wird, dass wir da mit Vollgas ran müssen an das Thema, weil wir sehen, andere machen es jetzt schon. Und wir dürfen uns jetzt nicht verzetteln und sagen, wir müssen das letzte Detail klären. Ich glaube, wir müssen auch den Mut haben, damit jetzt schnell in den Markt zu gehen

mit einer robusten Lösung, und dass eben auch klar ist: das muss zukünftig jedes Fahrzeug können, also dass das auch einfach State of the Art ist. Jedes Fahrzeug kann das von der Softwareseite her. Mir ist eine Sache noch wichtig, die zu selten thematisiert wird. Wir haben unendlich viele Stunden darüber geredet, wie die Schnittstellen aussehen, wie die Abläufe sind und und und. Aber eine Sache haben wir nicht geklärt: Wie muss sich eigentlich der Mensch mit seinem Auto dazu verhalten? Und da kommen wir zu folgendem

interessanten Punkt: Wenn ich davon profitieren möchte – also sprich die Arbitrage zwischen „Ich kann billig meinen PV-Strom nutzen und dann eine teure Kilowattstunde am Abend ersetzen" – wenn ich dieses Potenzial heben möchte, muss das Auto ja zum richtigen Zeitpunkt gesteckt sein, sprich dann, wenn PV-Strom billig erzeugt wird. Aber das steht ja nicht zwangsläufig zu Hause. In der Regel steht das Auto auch woanders. Und da ist die Frage: Wie kommt denn eigentlich mein Strom dann zum Arbeitgeber? Da bin ich wieder

beim Thema Durchleiten. Und da gibt es seit Neuestem auch grünes Licht dafür, dass das eben auch in dem Kontext gedacht werden kann. Es gab ein Urteil, also spricht jetzt nichts mehr dagegen. Und ich sehe da schon das Potenzial. Die Experten, die sich mit dem Thema auskennen, sagen inzwischen: Durchleiten wird eine wichtige Grundlage fürs Bidirektionale Laden sein. Das ist, glaube ich, noch zu wenig diskutiert und gesehen worden. Total. Da reden wir auch über Komplexitäten. Ich weiß nicht, wie du da auch im Detail

drinsteckst und da auch durchleiten kannst. Aber die ganzen Komplexitäten des Bidirektionalen Ladens sind ja zum einen diese ganzen Geschäftsmodell-Aspekte und die regulatorischen Hürden: Durchleitungsmodell – ist das möglich, ja oder nein? Steuerliche Aspekte, also diese Art von Problematiken. Dann die informatiklastigen Aspekte, die dranhängen. Und dann natürlich der User – der muss auch wissen: Wie geht er damit um? Jetzt kann ich Bidi laden, oder jetzt muss ich aber schnell weg und so schnell wie möglich laden. Und dann natürlich die ganzen elektrotechnischen

Aspekte: Ist die Ladesäule in der Lage, den Strom in die andere Richtung zu leiten – AC oder DC etc.? Sprich, da gibt es einiges. Wo siehst du die größten Hürden in diesem Konstrukt? Und wie schnell siehst du, dass wir das in Deutschland auch wirklich freilassen? In der Aufzählung fehlte ein Akteur. Das ist der Netzbetreiber. Den müssen wir vor allem mitnehmen und abholen, im Sinne von: Der braucht

die Sicherheit, dass durch diese Funktionalität die Stabilität des Stromnetzes nicht gefährdet ist. Und der härteste Fall, den man sich da vorstellen kann, ist: Es gibt ein Preissignal, und man kann mit dem Einspeisen von Strom Geld verdienen. Jetzt muss man sich vorstellen, das machen alle. Man hat eine Straße, jeder hat ein E-Auto, alle machen das auf einmal – jeder knallt da irgendwie 11 kW ins Netz. Dann habe ich natürlich ein Problem, wenn das nicht gesteuert werden kann, und deswegen

Es ist absolut berechtigt, dass die Netzbetreiber da eben auch ihre Bedenken einbringen. Aber ich glaube, da hat man inzwischen gute Lösungen. Und ich glaube, es braucht dann auch noch im nächsten Schritt Klärung darüber, wie man das relativ simpel auch umgesetzt bekommt, also sprich günstige Wallboxen, die das ermöglichen. Und auch das wird eine spannende Frage sein. Wir haben ja ganz viele Akteure draußen. Die machen das ja nicht aus reiner Menschenliebe, die wollen auch damit Geld verdienen. Und das wird

spannend zu sehen sein, wie diese Geschäftsmodelle aussehen, was sich da durchsetzt und was nicht. Aber ich glaube, und das ist für mich der interessanteste Fall: Für mich ist es gar nicht so spannend, dass ich jetzt irgendeine Systemdienstleistung Richtung Netz anbiete, sondern es ist quasi diese Optimierung zu Hause. Diese Vorstellung: Ich hab da draußen mein Auto. Und damit versorge ich mich. Jetzt ist es dunkel, läuft meine Sauna, es läuft schon mal der Pizzaofen, und so überall

brennt auch Licht, und einer hängt noch seine ganzen Geräte an. Dann macht das Spaß. Und wenn ich dann noch merke: Okay, ich hab das quasi am Tag selbst erzeugt und kann es abends selbst nutzen – ich glaube, dann wird eine Geschichte draus. Ja. Und gibt es noch andere Themen, die du denkst, die jetzt Innovationen sind, die kommen werden, die dir so Freude bereiten und Optimismus für die E-Mobilität? Es gibt noch ein großes Thema am Horizont, das wir zunehmend im Blick nehmen: das Thema

autonomes Fahren – vielleicht sogar stärker von der Lkw-Seite her, weil das natürlich eine ganz andere Bedarfsplanung mit sich bringen würde. Also wenn zum Beispiel Autos autonom fahren würden beim Pkw, dann wäre das, was ich beim Straßenlader erwähnt habe – diese fußläufige Distanz von 250 Metern – gar kein Thema mehr. Dann würde ich sagen: Der kann fahren, wohin er will. Hauptsache, der steht zum richtigen Zeitpunkt wieder vor der Tür. Ja. Und da ist eben vollkommen unklar, wie die Welt in Zukunft aussehen wird.

Aber es hat natürlich einen Riesenimpact auf die Ladeinfrastrukturplanung. Warum ist es so wichtig, darüber nachzudenken? Das, was wir in den Boden legen, die Netzanschlüsse – das legen wir eigentlich für 50 Jahre so. Und dann merkt man: Okay, wenn wir nach 10 Jahren merken, mit autonomem Fahren sieht die Welt ganz anders aus, dann hat man natürlich schon Fehlinvestitionen. Das muss man im Blick behalten. Das sind so die großen Dinge, die da kommen. Ansonsten sehen wir auch mit Spannung, wie sich die Technologie

selber weiterentwickelt, also sprich die Effizienz, aber auch die Batteriegrößen und die Leistungsfähigkeit der Batterien, Feststoffbatterien und so weiter. Da erwarten wir auch noch Innovationen. Und grundsätzlich – und das ist, glaube ich, eine ganz wichtige Botschaft – ist das ein Thema, das man hinbekommt. Es ist nicht so, dass man sagt, das ist eine komplett ungelöste Frage wie bei der Kernfusion, sondern es ist eigentlich alles da. Es geht jetzt darum, das so zu konfigurieren, dass es am Ende beim Kunden funktioniert. Und da bin ich guter

Dinge. Ja. Und beim Thema autonomes Fahren: Was denkst du? Wie wird geladen werden? Es gibt ja verschiedene Konzepte. Wenn kein Fahrer das Kabel in die Wallbox stecken kann, wird es Batteriewechselstationen geben? Wird es Roboterarme geben? Wird es eine Dienstleistung von Unternehmern geben, die Angestellte haben, die das dann für dich machen? Sehr spannende Frage. Wir sehen heute schon – und das funktioniert – Tankrobotik oder Laderobotik, dass das automatisiert passiert. Es könnte aber auch sein, dass man dann an den Punkt

kommt, dass man stärker über induktives Laden nachdenkt. Ja, induktiv habe ich vergessen. Auch. Dass das quasi als Argument für Wechselbatterien genommen werden kann, sehe ich nicht ganz. Aber klar, man muss diese Frage beantworten. Und wir wissen es heute nicht. Ja, es bleibt spannend. Und beim Thema autonomes Fahren sieht man ja auch, dass Deutschland mit dem VW-ID-Chef neulich sehr viele Schlagzeilen gesorgt hat. Da geht es ja auch schnell voran. Nicht nur von Elon Musk

und Tesla, die groß ankündigen und manchmal nicht immer liefern, sondern auch andere. Also es ist auf jeden Fall schon da. Man müsste sich auf jeden Fall schon vorbereiten auf den Wandel. Genau. Also im letzten Urlaub war ich in Bayern. Am Rückweg bin ich über das Testfeld an der Autobahn gefahren. Meine Familie hat mich immer wieder schräg angeguckt, weil ich irgendwie aufgeregt gerufen habe: Guck mal da! Und es war tatsächlich ein Idi-Bus, autonom fahrend. Und

das war schon beeindruckend, wenn man denkt: Die A9 ist ja dicht im Verkehr. Und dann hat man dazwischen ein Fahrzeug, von dem man weiß, okay, da sitzt eigentlich kein aktiver Fahrer mehr so da. Ja, ich glaube, wir waren immer sehr euphorisch, wie schnell das kommen könnte. Jetzt hat man etwas weniger Euphorie. Aber ich glaube, es hat seine Berechtigung. Gerade wenn ich mir überlege, wie ich ÖPNV im ländlichen Raum organisieren könnte auf Basis von solchen Systemen. Ich könnte ganz viele Probleme

erschlagen, wenn das Thema autonomes Fahren da wäre. Und zu guter Letzt: Was können wir von anderen Regionen, Ländern oder Städten lernen – hier in Berlin oder in Deutschland? Was sind spannende Begebenheiten woanders? Mein Lieblingsland an der Stelle sind die Niederländer. Von denen haben wir viele Dinge abgeguckt. Vor allem, dass es Sinn macht, eine übergeordnete Bedarfsplanung zu haben. Das machen alle in Amsterdam oder in anderen Städten. Da hat die Kommune oder der Staat

da einfach auch einen Plan im Sinne von, der weiß, was man eigentlich bräuchte. Und dann lässt man das aber am Ende von der Industrie aufbauen und guckt, wie man das ermöglicht bekommt. Was sie auch haben. Und das ist im Unterschied zu unserer Ausschreibung hier in Deutschland so, dass die erkannt haben: Es hilft ja nicht, wenn ich immer nur den ersten Aufschlag mache und danach kümmert sich keiner mehr darum, sondern ich brauche ein System, das mitwächst. Und das haben die Kollegen in Utrecht sehr gut gemacht. Das

ist übrigens auch das Vorbild für die Autobahn bei den Lkws, dass wir sagen, es gibt KPIs, die uns anzeigen, wann so eine Infrastruktur volllaufen wird, und dass wir rechtzeitig dann den weiteren Ausbau anstoßen. Von daher würde ich sagen, wenn man nach einem Reisetipp fragt: Amsterdam, Utrecht. Na ja, spannend. Na dann, wenn die Zuhörer mehr erfahren wollen zu allen Aktivitäten, zu dir – was würdest du denen noch als Ratschlag geben? Und vielleicht hast du auch eine letzte Nachricht, die du loswerden willst. Das ist immer natürlich die der Leitstelle

folgen bei LinkedIn oder auch auf unserer Webseite sich die Tools angucken. Ansonsten bieten wir ja auch ein Portfolio an von Veranstaltungen, demnächst am 20. November die Gliscon, die sehr groß ist. Und eine Bitte habe ich immer an alle Branchenkolleginnen und Kollegen: wirklich immer noch mal vor Augen führen – diese Nutzersicht. Und das ist etwas: Was braucht es denn, um die Bürgerinnen und Bürger davon zu überzeugen, ein E-Auto zu kaufen? Und da sich noch bewusst zu machen: das, was jetzt am Anfang funktioniert hat, bei den

Early Adoptern ist noch nicht das, was wir für den Massenmarkt brauchen. Ich glaube, die Denke müssen wir noch in jeden Kopf kriegen, dass wir sagen: okay, Massenmarkt ist noch mal was anderes. Das ist was Forderndes. Und das müssen wir uns auch selber auf die Agenda schreiben. Aber ich bin guter Dinge, wir werden es hinbekommen. Ja, da kann ich "Crossing the Chasm" als Buch auch empfehlen, was genau versucht, diese Frage zu beantworten. Das liegt zu Hause auch irgendwo im Flur bei mir. Ja. Dann danke dir für deine Zeit

und die Gedanken. Und bis bald. Vielen Dank.

Und das war die Folge mit Johannes Ballasch von der Nationalen Leitstelle. Heute haben wir gesehen, wie aus Leidenschaft echte Wirkung entstehen kann – sei es beim eigenen Ladepark zu Hause oder in einer koordinierenden Rolle, die Strategie und Vision zusammenführt, von der Wirtschaft zum Staat. Besonders spannend war auch, wie Kommunen mithilfe von Standort-Tools und dem Teilen von Best Practices die Elektromobilität voranbringen. Und der Austausch mit internationalen Organisationen aus Holland und Österreich zeigt einmal mehr: Wir sind Teil einer Bewegung, die über Grenzen hinweg denkt und handelt.

Genau diese Impulse machen Lust, den Wandel weiter aktiv mitzugestalten. Also gerne teilen, abonnieren und bis zum nächsten Mal.

Notizen zur Folge

In dieser Folge von Smart Charge sprechen wir mit Johannes Pallasch, Sprecher der Nationalen Leitstelle Ladeinfrastruktur unter dem Dach der NOW GmbH. Er erzählt von seinem Weg in die Elektromobilität, von den ersten E-Bus-Erfahrungen in Solingen über Stuttgart bis zum Aufbau der Leitstelle in Berlin. Gemeinsam diskutieren wir, wie Deutschland Ladeinfrastruktur koordiniert, welche Rolle Förderprogramme und Reallabore gespielt haben und wo die größten Chancen und Baustellen liegen. Kernpunkte - Nationale Leitstelle als Kompetenzzentrum und Koordinator für Bund, Länder und Kommunen - Standorttool: gesetzliche Grundlage für Netzausbau und Bedarfsplanung - Ladeinfrastruktur im Alltag: Straßenladen, Mehrparteienhäuser und Depotladen für LKW - Faire Preise, Blockiergebühren und Ad-hoc-Laden als Schlüssel für den Massenmarkt - Bidirektionales Laden, Smart Grids und autonome Fahrzeuge als Zukunftstreiber Im Gespräch wird deutlich: Der Aufbau einer verlässlichen Ladeinfrastruktur ist mehr als Technik und Regulierung – es geht um Nutzerfreundlichkeit, Vertrauen und eine Vision für den Massenmarkt. Johannes Pallasch zeigt, wie Politik, Industrie und Bürger zusammenarbeiten können, um die Mobilitätswende voranzubringen.