S2 Ep. 7: Andreas Mündel, SVP Strategy & Operations Programs, DHL Group | Netzanschluss für E-LKW, Ladeparks mit Grundlastgarantie und der Range Extender
In dieser Folge spricht Claudio Geyken mit Andreas Mündel, der bei der DHL Group in der Konzernstrategie die Dekarbonisierung des Geschäfts verantwortet, darüber, warum die Elektrifizierung schwerer LKW längst kein Fahrzeugproblem mehr ist, sondern ein Infrastruktur- und Stromproblem. DHL hat sich ein wissenschaftlich validiertes Zwischenziel von 29 Millionen Tonnen CO₂ für 2030 gesetzt, ausgehend von über 32 Millionen Tonnen im vergangenen Jahr. Gut zwei Drittel der Emissionen stammen aus der Luftfahrt, an zweiter Stelle steht der Straßenverkehr und dort vor allem der Schwerlastverkehr. Bei den Zustellfahrzeugen elektrifiziert DHL seit über einem Jahrzehnt und hat das Last- und Lademanagement damals selbst programmiert, weil es kein passendes gab. Beim LKW ändert sich die Größenordnung: ein E-LKW entspricht beim Laden etwa 80 Zustellfahrzeugen, ein ladendes Depot landet schnell bei 5 Megavoltampere, und schon zehn Prozent elektrifizierte LKW würden den heutigen Energieverbrauch verdoppeln. In Deutschland verteilt sich die Antwort darauf auf knapp 900 Verteilnetzbetreiber mit jeweils eigenen Regeln, von "können wir reservieren" bis "kommt 2030 wieder", weshalb Andreas eine Positivliste der Standorte führt, an denen überhaupt genug Strom verfügbar wäre. Der zweite Engpass ist banaler: Platz. Aus dem Paketzentrum Ludwigsfelde gehen an Spitzentagen 200 LKW raus, und Stellplätze für 200 ladende LKW gibt es dort nicht. Damit hängt die Elektrifizierung an Geschäftsmodellen, die es so noch nicht gibt. Andreas spricht mit Betreibern künftiger Ladeparks über Grundlastgarantien: DHL belegt acht von zehn Ladepunkten verlässlich und bekommt dafür einen günstigeren Tarif, statt des festen Zapfpreises aus der Tankstellenlogik. Strom muss dafür bei etwa 37 bis 39 Cent liegen, nicht bei den rund 70 Cent an der Autobahn, und der größte Teil des Business Case kommt ohnehin aus der eingesparten Maut. Reservierbare Ladeslots für LKW existieren bislang nicht, und für Subunternehmer fehlt ein sauberes Modell, wie sie den grünen Strom nachweisen, den sie auf DHLs Rechnung laden: Zertifikate für sie zu kaufen verbietet das europäische Regelwerk. Bei der Reihenfolge wird Andreas deutlich: erst Peak Shaving und Batteriespeicher, dann die zeitliche Verschiebung über den Preisanreiz, erst später die Umplanung des Logistiknetzwerks selbst. Bidirektionales Laden sieht er dagegen nicht in absehbarer Zeit, weil bis dahin ohnehin genug stationäre Speicher stehen, aus denen er zuerst zieht. Dazu kommen der Range Extender, ein vollwertiger E-LKW, bei dem ein Batteriemodul einem kleinen Dieselgenerator weicht, Battery Swapping aus einem chinesischen Minenbetrieb, und die Beobachtung des Physikers, dass die Summe aller lokal optimierten Standorte nicht das Optimum des Gesamtsystems ist. Eine Folge über die harten physikalischen Grenzen hinter einem weichen Ziel, und darüber, wie der Moment aussieht, in dem niemand mehr überzeugt werden muss, weil der Elektro-LKW schlicht der günstigere ist.
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