Ep 15: Ladeparks & Nutzererlebnis: E‑Mobilität in den Anfängen und im Alltag mit Paul Tonini
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Welcome to the Smart Charge by RiDERgy Podcast. This is Claudio Geyken, founder and CEO of RiDERgy. This is your show to learn about all things energy management and smart charging innovation for electric vehicles and fleets.
Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Smart Charge. Heute schalte ich von Berlin aus live nach München, wo uns Paul Tonini begrüßt. Er ist Country Manager Germany bei Electra. Paul bringt einen beeindruckenden Background mit. Er hat 2015 als Energietechniker – davor war er bei der Telekom auch aktiv als Techniker – die weltweit erste Versuchsanlage für flüssige Wasserstoffträgermedien am ZE Arzberg aufgebaut, dann bei BMW und Vibto komplette Lade- und Flottenlösungen etabliert. Und er war sogar bei Elly, der VW-Tochter, aktiv. Bis in 30 Länder hat er skaliert. In dieser
Folge gehen wir auf seinen spannenden Hintergrund und die verschiedenen Rollen ein. Wir schauen dann auf Electra, was Electra – insbesondere noch gründergeführt – anders macht als andere große CPOs, die ja meistens Energieversorger sind, und womit sie sich differenzieren. Es geht auch um die Standortsuche, oder Trüffelstandortsuche. Und wir gehen auf Kleinigkeiten im Nutzererlebnis ein, die über Freude oder Frust beim Laden entscheiden, und warum die Branche schon jetzt konsolidiert, obwohl die Elektrofahrzeugzulassungen weiter steigen – und zwar nicht so schnell, wie man es gerne hätte. Wir sprechen natürlich auch über Smart
Charging, intelligentes Laden, V2G und bidirektionales Laden und Flotten. Und damit lasst uns loslegen.
Hallo, Paul. Grüß dich. Ich glaube, du bist in München. Wie geht's dir heute? Schön, dass du dabei bist. Ja, ich bin in München und die Sonne scheint. Mir geht's wunderbar. Schöner Tag, um heute nach der Arbeit in den Biergarten zu gehen. Ja, das sind die Vorzüge von München. Ich bin in Berlin – gibt's ein paar Biergärten, aber bei weitem nicht so schön wie in der bayerischen Landeshauptstadt. Bevor wir durchstarten und wirklich tief einsteigen in die E-Mobilität, kannst du dich vorstellen und erzählen, was
dich auch zu dem Thema E-Mobilität gebracht hat. Du kannst gerne auch ein bisschen ausholen, und dann können wir ein paar Themen aus deinem Background nochmal ansprechen. Klar. Ich bin der Paul, 36, studierter Energiewirtschaftler und Energietechniker, und schon sehr lange unterwegs in dem Bereich E-Mobilität – seit ungefähr acht Jahren. Aber da bin ich über Umwege hingekommen. Ich habe mich ursprünglich mal mit dem Thema beschäftigt, wie man Wasserstoff zum Beispiel speichern kann in einem sogenannten Liquid Organic Hydrogen Carrier. Und
wir haben damals auch eine Versuchsanlage gebaut, für Areva, einen französischen Atomkonzern, die wir dann auch in Betrieb genommen haben. Das war ordentliche Klempnerarbeit den ganzen Sommer lang. Am Ende hatten wir eine Anlage, die funktioniert hat, die auch Wasserstoff in diesem Trägeröl quasi einspeichern konnte und auch ausspeichern konnte. Der Vorteil davon ist, man kann das Trägeröl dann im Kreislauf fahren und entsprechend nicht beliebig oft, aber relativ oft wiederverwenden. Die Anlage ist auch heute, glaube ich, noch im Betrieb in Arzberg, bei einem Forschungszentrum
vom ZE in Bayern – man kann sie also auch besuchen, wenn man Interesse daran hat. Und das war damals eine der ersten Anlagen, die sich mit diesem Thema überhaupt beschäftigt hat. Meines Wissens nach die erste Anlage, die diesen Aus... In welchem Jahr war das? Das war 2015. Ja, 2015, genau. Und es war wirklich ganz spannend, wie wir dazu gekommen sind. Man hatte sich bei Areva, dem Atomkonzern, damit beschäftigt, nach Fukushima, wie man zum Beispiel den Wasserstoff, der bei einer Kernschmelze entsteht,
nutzen kann, um Notstromaggregate weiter zu betreiben. Der entsteht aus dem chemischen Prozess heraus, aus den Reaktionen, und sammelt sich unter der Kuppel. Und man könnte den ja absaugen und damit mit der Brennstoffzelle Strom erzeugen. Und dann ist man darauf gekommen: wenn man den Wasserstoff hat – das ist ja nicht nur in der Kernenergie ein Abfallprodukt, sondern auch woanders – kann ich den ja wegspeichern und damit auch Probleme in der Zukunft lösen. Die Idee dahinter gibt es schon seit den 70ern, und man hat da auch
mal Versuchsanlagen auf Lkws montiert, mehr oder minder erfolgreich. Entsprechend haben wir uns damit dann auch beschäftigt. Und wir haben dann festgestellt, dass immer wenn wir mit Wasserstoff Mobilität machen wollen, wir ein paar Herausforderungen haben. Und zwar brauchen wir zum einen einen riesigen Verdichter und haben ordentliche Verluste in diesem Verdichtungsprozess. Und so ein Verdichter ist eine sehr mechanische Einheit, die natürlich auch Verschleiß unterliegt. Wenn die ausfällt, habe ich ein Problem – ich kann da nicht nachtanken. Dementsprechend ist das schon mal
so ein Bottleneck, den ich habe. Das Zweite ist, ich kann Wasserstoff nicht beliebig verdichten und damit meine Speicherfläche reduzieren, sondern ich brauche immer relativ große Tanks in den verschiedenen Druckstufen, um dann zielgerichtet zu tanken. Also diese Idee, dass man sagen kann, man kann beliebig viele Lade- oder Tankvorgänge hintereinander mit Wasserstoff durchführen und hat damit nie ein Problem – die trifft halt nur auf wenige Fahrzeuge zu. Sobald ich da eine hohe Frequenz habe, wie an einer Tankstelle, brauche ich dann schon eine
ordentliche Infrastruktur dahinter. Und dann muss ich den Wasserstoff erzeugen. Und heute kommt er meistens als Grauprodukt aus Raffinerien, als Abfallprodukt in der Herstellung von Mineralölerzeugnissen. Ich muss ihn weit transportieren. Ich kann nicht so viel Wasserstoff in so einem Lkw transportieren, wenn ich jetzt Gas transportiere. Verflüssigen ist sehr teuer, energieaufwendig. Also das ist die beste Lösung, das on-site zu machen. Und das macht man mit Elektrolyse und erneuerbaren Energien. Und wenn ich erneuerbare Energien schon nutze, dann habe ich ja Strom schon vorliegen. Dann könnte ich auch rein
theoretisch Strom direkt in Fahrzeuge tanken. 2015 waren die Batterien auch noch nicht ganz so weit. Man hat schon gemerkt, dass die Batterieentwicklung immer weitergeht und die Energiedichte auch steigt, sehr schnell steigt. Und inzwischen wissen wir ja, wie sich das entwickelt hat und was auch gerade in China abgeht, dass wir hier halt einfach sehen, dass das die Wasserstoffforschung komplett überrollt hat. Also das ist sehr ähnlich wie bei Computerchips früher. Rechenleistung hat sich quasi verdoppelt innerhalb von Jahren. Und so ist es bei Batterien ähnlich. Und
das wird auch noch eine Weile so anhalten. Sodass wir da halt auch sehen, dass wir gar nicht hinterherkommen mit neuen Verdichtertechnologien oder so. Das sind ja viel mehr am physikalischen Limit, als es bei Batterien aktuell der Fall ist. Und mein Gedanke war dann – na ja, wenn das so kurz danach eingehakt, wie wenn du dich da so lange mit Verdichtern und Elektrolyse et cetera beschäftigt hast. Ein Thema, was ich spannend finde, ist auch, was für Potenziale man eben noch heben kann, was die
Effizienz angeht. Insbesondere, wie du schon sagst, bei der Batterie hat man ja so eine Lernkurve gehabt in Sachen Kosten und Technologie, die ja beeindruckend ist. Exponentiell. Dadurch übernimmt die Technologie einfach gerade die Oberhand. Siehst du denn – gab es in deinen Augen da auch einen Weg, überhaupt physikalisch die Effizienz oder die Kosten maßgeblich noch zu beeinflussen bei dieser Wasserstofftechnologie? Ja, also man sieht schon, dass da Fortschritte passieren bei Brennstoffzellen und Elektrolyse, also Erzeugung und dann auch wieder Rückgewinnung
von Strom. Bei der Speicherung hingegen ist gar nicht mehr so viel passiert. Also diese Technologie, die wir damals als Pilotanlage gebaut haben, war vom Wirkungsgrad natürlich weit ab von dem, was man mal bräuchte. Allerdings ist es ja auch eine erste Anlage gewesen. Also wie immer, wenn man etwas das erste Mal macht, muss es dann halt noch sehr viel optimiert werden. Und man hätte da sicherlich über mehrere Iterationsstufen den Wirkungsgrad auch von diesen anfänglichen 3 % – es ging ja nur darum zu zeigen, es geht – auf 10 % hochbringen
können. Die Frage ist halt, ob sich diese Aufwände dann lohnen und ob man dann auch eine sehr industrielle Fertigung dieser Technologien machen möchte. Denn Wasserstoff in der Mobilität ist gar nicht so zielführend. Für die Industrie ist es aber gar nicht so schlecht. Einerseits als Produktionsmedium – man hat bei der Glasherstellung zum Beispiel relativ oft Wasserstoff im Einsatz – aber wir kennen auch die Diskussion über grüne Stahlwerke und sowas, wo er als Brennstoff verwendet werden soll. Und da brauche ich schon große Mengen, die wir dann
entsprechend erzeugen müssen. Und gleichzeitig ist es natürlich so: Wenn wir irgendwann mal weniger Mineralöl in Raffinerien nutzen, fällt weniger grauer Wasserstoff dort an, den ich dort auch einsetzen könnte. Und da ich ihn nicht so gut transportieren kann, brauche ich dann halt oft auch eine Vor-Ort-Erzeugung. Und das ist, glaube ich, eher die Herausforderung dann. Wie kriege ich das auf so einem Stahlwerk von Thyssenkrupp hin? Die haben, glaube ich, jetzt das erste grüne, wasserstoffbetriebene Stahlwerk der Welt eröffnet, auch in Deutschland. Wie kriege ich das dann
vor Ort hergestellt, geliefert, gespeichert, sodass ich auch eine Versorgungssicherheit habe? Denn die Prozesse sind ja kritisch, die dürfen nicht ausfallen. Da ist es viel, viel relevanter. Und da macht es dann auch mehr Sinn, sich mit dem Thema ganzheitlich zu beschäftigen. Für Mobilität gibt es günstigere Alternativen – da ist es zu teuer. Irgendjemand hat das mal gesagt, ich weiß gar nicht wer: Man würde quasi Champagner zum Spülen nehmen, wenn man das ins Auto kippt. Und das trifft es, glaube ich, ganz gut.
Also Wasserstoff ist wirklich in großen Mengen verfügbar, aber doch recht teuer als Medium. Ja, und sorry, ich habe dich dann unterbrochen. Wie kamst du dann zur nächsten Phase? Ja, da kam dann irgendwann mal BMW bei uns vorbei, die sich für ihr Werk in Leipzig mit dem Thema Wasserstoff-Flurförderzeuge beschäftigt haben. Die hatten ja für den i3 dort eine sehr innovative Fertigung auch aufgebaut. Und mit denen saßen wir beim Mittag. Und die haben dann so ein bisschen erzählt, was sie noch alles machen, und waren
gerade dabei, eine neue Tochterfirma zu gründen in München: die Digital Energy Solutions, die ist später dann in Digital Energy aufgegangen – ein Teil davon zumindest; andere Teile sind anderweitig veräußert worden. Und ja, genau. Fissmann hat gerade den Energieversorgerteil dann noch verkauft. War auf jeden Fall ein spannendes Projekt, weil wir uns mit dem Thema Sektorkopplung beschäftigen wollten, und zwar auf Strombasis. Wie kann ich meine Wärmepumpe zu Hause, meine PV-Anlage, mein Auto – wie kann ich das optimal aussteuern? Und
Meine Rolle dort war dann, das Thema Laden komplett aufzubauen. 2015. Wir haben halt für viele BMW-Mitarbeiter und auch Dienstwagenfahrer dann Lösungen entwickelt. Also uns mit dem Thema Flottenladen auch sehr intensiv beschäftigt. Du brauchst eine Ladekarte für öffentliches Laden. Du brauchst eine Ladestation zu Hause. Du brauchst jemanden, der dir das Ding installiert – zu Hause. Du brauchst jemanden, der dir die Abrechnung macht als zentrales Service für dein Fuhrparkmanagement. Und das Ganze dann, wenn du an deinen Standort noch Ladestationen hast, wie die BMW-Händler zum Beispiel, willst
du die auch öffentlich betreiben. Und damit hatten wir ein vollumfängliches Portfolio, was einen CPO ausmacht, und haben dann Produkte entlang dieser Kette entwickelt mit anderen BMW-Tochterunternehmen wie der DCS zum Beispiel, die die Charge-Now-Ladekarte gemacht hat, aber auch halt über Zukauf – und da auch mit Etricity damals in der Partnerschaft, was sehr spannend war, weil man ja noch gar nicht wusste, wo geht die Reise überhaupt hin in dem Bereich und es viele neue Ansätze gab.
War die DCS dann quasi für BMW intern gedacht oder auch als Dienstleister für Dritte? Auch als Dienstleister für Dritte. Also wir haben neben der Ausstattung von BMW-Händlern mit AC-Ladestationen und 50-kW-DC-Chargern für den Vertrieb quasi auch externe Kunden bedient, die dann auf ihrem Firmenparkplatz Ladestationen bauen wollten, die auch ein Energiemanagement von uns mitgenommen haben, sodass wir auch Lastspitzen ausregeln konnten. Wir hatten auch zusammen mit der BMW Forschung haben wir
so eine Art Ladepark betrieben, und den gibt's auch heute noch. Verschiedene Leistungsklassen. Damals waren sie bei 50 kW gekappt. Da standen 30, 40 verschiedene Ladestationen, an denen die Fahrzeuge einfach durchgetestet worden sind. Und das haben wir genutzt, um daran unser Lastmanagement zu entwickeln. Und es gab damals ja auch viele Plug-in-Hybride, einphasige Fahrzeuge, CHAdeMO-Fahrzeuge. Also das war ja noch alles nicht ganz so standardisiert, wie es heute vielleicht der Markt ist. Und wir hatten auch unterschiedliche Renaults, die da ganz interessante Ladekurven und
Verhalten aufgezeigt haben. Wenn man die runtergeregelt hat, sind die nicht wieder hochgekommen beim Lastmanagement. Und wir haben dann fürs BMW-Parkhaus eine Softwarelösung gebaut – ein Lastmanagement, was in unserem Backend lief, was dann phasengenau auch die Schieflast ausregeln konnte. Das war 2015, 16 Wochen oder die Händler,
ja, Versuchsträger war das für das BMW-Mitarbeiterparkhaus quasi. Aber die Idee war schon, dieses Produkt dann auch an andere Kunden zu vermarkten, was wir auch gemacht haben – halt nicht in dem gleichen Stil. Also dieses Parkhaus sollte dann irgendwann mal 100 Ladepunkte haben im AC-Bereich. Und wir haben die Lösung auch so designt, dass sie skalierend war, auch was die Reaktionszeiten anging, mit SIM-Karten und allem drum und dran. Aber man hat halt gemerkt, das ist alles noch eine sehr frühe Phase
im Markt. Also zum Beispiel AC-Ladesäulen sind nicht so ganz kompatibel untereinander. Wir waren bei OCPP, also dem Protokoll, mit dem die Ladesäulen kommunizieren, gerade von 1.5 auf 1.6 in der Umstellung – 2.0 und was danach kam, das war noch so weit weg in der Spezifikation – und viele Fähigkeiten, die wir brauchten, gab es noch gar nicht, auch auf Hardware-Seite, implementiert. Und trotzdem haben wir eine Lösung gebaut, die auch mit viel Hardware kompatibel war. Also wir konnten von
Keba über Schneider Electric, Mennekes, die großen Hersteller, die man damals draußen vorgefunden hat, ABL, ansteuern und auch aussteuern, sodass wir dann auch den Kunden bedienen konnten, der ein bisschen mehr als eine Ladesäule hatte, und keiner wollte sich ja festlegen auf ein Modell. Und gleichzeitig haben wir dann so ein Full-Service-Portfolio gebaut mit Energiemonitoring für deine Lastspitzen von deinem angeschlossenen Unternehmen, aber auch Energieversorgung. Also über unsere Kollegen in Berlin haben wir damals auch Energieverträge gemacht und dich dann auch entsprechend optimiert und
beliefert. Alles sehr früh, und da war auch sehr viel Know-how. Aber ja, bei BMW sind dann ja auch so ein bisschen die E-Mobilitätsthemen erstmal zurückgefahren worden. Herbert Diess ist dann zu Volkswagen gegangen, und über einen kleinen Umweg bin ich ihm dann auch ein bisschen gefolgt. Und auch bei Volkswagen wurde meine Tochter davon gegründet – die Elli – und dort haben wir uns das Gleiche nochmal vorgenommen, aber diesmal in einem viel größeren, skalierenden Umfang. Bei der Elli habe ich mich dann primär mit
dem öffentlichen Laden beschäftigt. Also in den letzten 5 Jahren, bevor ich zu Elektra gekommen bin, war ich verantwortlich, bei der Elli die Ladekarten für den VW-Konzern zu entwickeln, auszurollen, dafür zu sorgen, dass wir in 30 Ländern ausreichend Ladepunkte haben, dass wir Abrechnungen machen können, und dass wir auch diese Verwerfung der Ukraine-Krise, die auch ganz interessant ist, entsprechend nicht direkt an den Kunden weitergegeben haben. Wenn man heute guckt, sieht man im Energiemarkt ja sofort eine Reaktion auf sowas wie die Ukraine-Krise oder
Jetzt auch im Iran letzte Woche. Da gingen die Preise recht schnell hoch, und 2022 hatte man damals noch sehr lange Verträge geschlossen als CPO. Und auch das bilaterale Verhältnis zu den Ladekartenanbietern war sehr lang – also mit sechs Monaten Vorlaufzeit teilweise für Preisanpassungen. Alles sehr statisch. Und in dem Moment, wo dann deine Preise hochgegangen sind, hast du halt vor dem Endkunden noch gar nichts anpassen müssen. Und viele Leute haben es am Anfang gefeiert: E-Mobilität super, Energiepreise gehen durch die Decke. Aber
an der Ladestation bleibt der Preis schön niedrig. Das lag einfach an den Vertragsbeziehungen, die bis zu neun Monate Vorlauf hatten. Dann haben wir alle umgestellt auf Spotmarktpreise. Und dann hatten wir genau das nächste Phänomen: eine Übersteuerung. Also alle wussten, irgendwie müssen wir den Preis erhöhen, aber keiner wusste, wie lange diese Krise an den Energiemärkten anhalten wird. Und alle haben die Preise erstmal nach oben gezogen, und dann hatten wir plötzlich auch sehr absurde Ladepreise im Markt, und die E-Mobilität war gar nicht mehr so attraktiv, vor allem
war. Wir mussten auch unser ganzes Produktportfolio innerhalb von vier Wochen umbauen – von Einjahresverträgen, die wir mit den Endkunden gemacht haben, also der Preisgarantie, hin zu: Du kannst hier quasi im Vier-Wochen-Rhythmus deinen Tarif wechseln und kündigen. Aber wir haben trotzdem damals das Versprechen eingehalten und haben die Kunden, die einen 12-Monatsvertrag hatten, nicht irgendwie sondergekündigt, sondern die haben bis zum letzten Tag ihres Vertrags die damals sehr günstigen abgeschlossenen Konditionen weiterhin bekommen. Das dankt einem natürlich kein Endkunde, weil er dann irgendwann doch
den Preis zahlen muss. Aber für mich war es schon – ja, genau. Klar, keiner ist happy mit einer Preiserhöhung, aber unter diesen Gesichtspunkten, wenn man das so betrachtet, natürlich als Insider, dann kann man da, glaube ich, schon ein bisschen stolz darauf sein, dass man das Versprechen gehalten hat. Und VW wird ja da öfters mal gescholten, aber ich glaube, da waren sie schon sehr fair, und das war ihnen auch wichtig, dass der Kunde ein gutes Angebot hat, was man
ihnen zugesagt hat. Ja, das war ein spannendes Thema, auch so mal eine App und ein digitales Produkt in 30 Ländern auszurollen – das ist auch eine interessante Herausforderung. Kann ich mir vorstellen. Irgendwann waren dann alle Konzernmarken mit einem Produkt versorgt – also Recharge, Audi Charging Service und so weiter. Und dann war es Zeit für neue Herausforderungen. Und ich habe immer mehr gemerkt: Als Ladekartenanbieter hast du ein Problem. Du hängst am Ladestationsbetreiber. Er war zwar ein
Kunde und eine Aggregation von Ladestationsanbietern, aber der Ladestationsanbieter hat de facto das Monopol. Er hat den Zugang zum Netz und damit auch zum Strom, und er ist auch sehr preissetzend unterwegs. Die Artikel 4 war damals noch nicht raus, noch in der Erarbeitung, aber grundsätzlich ist das schon – ja, der Marktzugang zum Stromnetz ist halt über den Ladestationsbetreiber. Und wenn du selber keinen im Asset hast – wir waren ja nur MSP, ein paar VW-Händler, die wir ausgestattet haben, aber das ist
ja kein Ladenetz in der Fläche. Dann hast du da einen Wettbewerbsnachteil. Elli ist ja nur MSP, hat gar kein CPO. – Sie machen auch den Betrieb für viele VW-Händler in ganz Europa und sind damit auch einer der größten CPOs. Auch die VW-Werke. – Händler, genau. Und das ist auch eine beeindruckende Leistung. Also wir haben da in kurzer Zeit ein Produkt entwickelt und die Werke auf unser eigenes Produkt migriert, und das alles reibungslos. Das klingt immer so profan, aber als ich bei
der DES damals den Backend-Anbieter gewechselt habe, hatten wir 30 Ladestationen, und das war, glaube ich, eine der größten Migrationen zu dem Zeitpunkt, die man in dem Markt machen konnte. Wir hatten mehr Ladepunkte in München in unserem Backend, als die Stadtwerke München in der ganzen Stadt aufgebaut hatten. Also da kommen wir her. Und dasselbe haben wir dann bei VW nochmal machen dürfen, aber diesmal in viel kürzerer Zeit mit einer viel größeren Anzahl. Und das ist
eigentlich das Schöne. Du siehst halt: Du kannst in der Zeit immer mehr auf standardisiertere Dienstleister zugreifen. Es gibt Installationspartner, die kennen sich jetzt aus. Du kannst Materialien kaufen, die maßgeschneidert sind dafür. Wo du am Anfang noch jemanden suchen musstest, der bei einem Dienstwagenfahrer zu Hause eine Wallbox installiert, hast du heute ein breites Portfolio an Anbietern im Markt, auf das du zugreifen kannst. Hardware ist auch viel zuverlässiger und robuster geworden. Und es hat schon auch einen Grund, warum man so viele Charger von Alpitronic draußen
sieht. Die funktionieren gut und zuverlässig, und der Kunde kommt auch mit der Bedienung klar. Das wird aber auch immer schwieriger für andere Anbieter, diesen Platz zu behaupten und dem Markt Konkurrenz zu machen. Und das gilt bei Hardware, aber auch bei CPOs und bei Ladekartenanbietern. Also der Kunde erwartet heute immer mehr, was du als neuer Player mitbringen musst, nur damit du dich überhaupt erstmal auf Augenhöhe etablieren kannst. Und dann da noch eine
Marktführerschaft rauszuholen, das ist schon ziemlich schwierig. Ja, das ist eine sehr spannende Beobachtung. Insbesondere die E-Mobilität ist ja noch eine relativ junge Branche. Und man sieht halt schon, dass es Kinderkrankheiten gab. Und das ist ja auch gut so, dass man da mit der Zeit immer mehr Akteure hat, die dann sehr gut sind in dem, was sie tun. Und dann gibt es eine gewisse Zuverlässigkeit, die ja für jedermann und für die gesamten Stakeholder auf jeden Fall gut ist. Dann, wie du sagst, für
Innovation und für neue Player wird es dann schwieriger, aber es ist ja auch gut so, dass die Qualität in dem Sinne steigt und dass man dann auch auf den Schultern von anderen vielleicht ein neues Business aufbauen kann und zuverlässige Stakeholder auch als Partner sofort hat. Man muss sich auch konstant neu erfinden, glaube ich, so ein bisschen, und gucken, wo geht die Reise hin? Ich finde es immer sehr beeindruckend, wenn ich an Mobility House zum Beispiel denke. Die haben mal angefangen als
klassischer Vertreter von Ladelösungen. Dann sind sie jetzt sehr stark im B2B-Bereich unterwegs, haben da auch ein eigenes Lastmanagement entwickelt. Das ist ja eine ganz andere Richtung, in die man da gegangen ist. Und es ist schon auch eine Herausforderung, so eine Firma dahin zu bewegen. Man sieht schon, also alle erkennen den Wert am Markt. Wir haben hier riesige Batterien. Wir haben hier Flexibilitäten. Aber bisher ist es halt noch niemandem gelungen, die wirklich auch so zu vermarkten und so zu nutzen, dass sie
am Ende wirklich sinnvoll eingesetzt werden. Es gibt immer wieder kleinere Piloten, aber eine flächendeckend skalierende Lösung haben wir noch nicht. Dasselbe gilt bei Smart Homes. Seit Jahren weiß jeder, wir brauchen Smart-Home-Solutions. Aber es ist ein hart umkämpfter Markt, und noch hat sich keiner durchgesetzt. Aus meiner Perspektive. Ja, darauf kommen wir auf jeden Fall noch zu sprechen. Allerdings, um das nochmal ganzheitlich abzuschließen, bevor wir auch zu Elektra kommen: gibt es denn noch weitere Stationen in deinem sehr
reichen Lebenslauf, die du hervorheben kannst? Genau. Ich habe mich auch mal mit virtuellen Kraftwerken und Energiemanagement beschäftigt im Studium. Wir haben da unterschiedliche Beratungstätigkeiten auch angeboten. Neben Hotels, die wir da optimiert haben, haben wir auch mal eine Mühle als Industriebetrieb optimiert. Auch eine ganz, ganz coole Geschichte. Der Müller hatte keine Ahnung, wie groß er eigentlich ist in seinem Energieverbrauch. Er hatte die Pflicht, ein Energiemanagementsystem einzuführen, und hat das als Gängelung vom Gesetzgeber gesehen. Mein Mitbewohner in unserer WG, der
war der Nachbar von ihm und hatte gesagt, wir könnten ja da eine Projektarbeit drüberschreiben. Dann haben wir fünf Ordner gekriegt mit allen möglichen Rechnungen. Dann haben wir das durchgelesen und haben festgestellt, der Mann verbraucht 5 GWh Strom im Jahr.
Genau. Also das ist ein Wal, den du da findest. Und der weiß es gar nicht, wie groß er eigentlich ist. Und dann haben wir uns das angeguckt und haben festgestellt, der könnte allein durch Verlagerung von zwei Prozessen seine Lastspitze um 60 % reduzieren. Da brauchst du noch nicht mal eine intelligente Lösung. Du musst ihm einfach nur sagen: wenn die eine Anlage läuft, muss die andere nicht laufen. Und das haben wir auch gemacht. Wir haben da im ersten Jahr eine Einsparung
von knapp 1,5 Millionen € bei ihm gehoben, sodass der dann auch Blut geleckt hat, was es eigentlich bedeutet, wenn man sich mit dem Thema Energie auseinandersetzt. Ich glaube, das ist ein Extrembeispiel. Sowas wirst du nicht mehr finden, weil das inzwischen alles viel besser auch nach unten hin durchreguliert ist, sodass auch die Leute da drin sind. Der hatte ursprünglich überlegt, seine Frau, die war auch schon 60, zur Energiemanagerin ausbilden zu lassen, damit er halt die Auflage erfüllt, einen
zu haben. Der hat danach zwei Leute eingestellt, die das Vollzeit gemacht haben. Gute Anekdote, hat den Betrieb auf jeden Fall zukunftsfähig gemacht. Ja, cool, was man so als Student alles erreichen kann. Glückwunsch. Und dann habe ich nochmal für Webasto gearbeitet, weil meine Rolle bei DS war ja, Dienstwagenfahrern das Laden zu Hause und unterwegs zu ermöglichen. Und ich bin immer über den Punkt gestolpert, dass es keine günstige AC-Ladestation gab im Markt, die einfach zu installieren war. Im Idealfall wäre ein
System, was Plug-and-Play-fähig ist, wo du einen Elektriker einfach ein Kabel legen lässt und dann so eine Art Socket machst, auf den du einfach nur eine Wallbox aufsteckst, sodass der Kunde das dann selber in Betrieb nehmen kann. Die Systeme, die damals im Markt waren, mussten immer von Experten konfiguriert werden. Das war auch sehr, sehr kompliziert. Ich bin gelernter Telekom-Techniker, war also viel in Service-Einsätzen unterwegs. Und als DSL ausgerollt worden ist, war das so ähnlich. Am Anfang konnte
kein Mensch einen Router konfigurieren. Du musstest immer den Telekom-Typen kommen lassen für teures Geld. Irgendwann gab es dann die ersten Anbieter, die das über einen sechsstelligen PIN gemacht haben, sodass das System sich dann angemeldet hat und das gemacht hat. Inzwischen kannst du in viele Wohnungen auch einziehen, ohne dass du einen Techniker kommen lassen musst. Und auch dieser Punkt, dass der Techniker nicht pünktlich kommt, ist damit weg. Und das ist so ähnlich beim Laden. Wir wollen für viele Haushalte plötzlich eine Infrastruktur schaffen.
Und das sollte so gut wie möglich funktionieren und so günstig wie möglich, weil es am Ende ja auf die Kosten einzahlt, wenn du das betreiben willst. Stichwort Telekom ist vielleicht jetzt so ein bisschen eine Randanekdote, aber das, weil es gerade so relevant war für mich persönlich. Gestern habe ich mich tatsächlich vorm Schlafengehen noch damit auseinandergesetzt. Ich wollte einen Glasfaseranschluss bei mir zu Hause haben und habe ein paar Themen angeschaut.
Router-Kompatibilität – es gibt, je nach Bedarf, ob es Glasfaser ist oder ADSL und so weiter, ob der Techniker kommen muss, ob man den Router wechseln muss, und solche Themen. Und auch das Thema Lastmanagement. Energiemanagement finde ich ja eigentlich spannend, dass es im Datenkontext ja gewisse Parallelen und Analogien gibt, auch zum Thema Energiemanagement. Das war mir gar nicht bewusst, und dann habe ich mich damit tatsächlich beschäftigt. Hat man eigentlich auch ein Lastmanagement
oder Dateneinschränkungen, wenn der Nachbar sozusagen das Internet mehr nutzt, wenn man Glasfaser hat? Und zumindest in der schnellen Recherche war es so, dass man beim Glasfaser dieses Kabel quasi proprietär hätte und, wenn man eine 100-Megabit-pro-Sekunde-Leitung hat, dann kriegt man diese 100 Megabit, egal was der Nachbar macht. Hingegen bei den anderen Internetformen wird das hoch und runtergehen. Ich weiß nicht, ob du dich damit auseinandergesetzt hast oder dich auskennst. Aber wenn du da ein paar Analogien geben kannst, das wäre spannend.
Also das Problem ist noch viel älter. Das kann ich dir sagen. Als ich damals DSL ausgerollt habe, da hatten viele Leute auch ISDN davor. Und dann gab es ja noch analoge Anschlüsse in der Masse. Und selbst da hattest du das Problem, dass du manchmal Siedlungen hattest, wo nur ein dünnes Kabel hinging und du aber 12 Telefonanschlüsse machen musstest. Und dann gab es sogenannte Anschlussmultiplexer. Das war genau das Gleiche – eine Technologie, die dafür gesorgt hat, dass die Leitung dahinter drei Telefonate parallel modulieren
konnte, frequenztechnisch, sodass diese Leute telefonieren konnten. Also das Problem mit Auslastung und Einschränkungen in Infrastruktur – das ist, glaube ich, seitdem wir irgendwie angefangen haben, Kabel zu legen, immer wieder ein Problem. Und ja, man kann da natürlich mit Algorithmen auch noch eine ganze Menge machen hintendran in der Optimierung. Aber wenn alle gleichzeitig auf die Autobahn fahren, habe ich ja das gleiche Problem. Man muss halt schon schauen, dass man Infrastruktur so baut, dass sie einen gewissen Peak
wegstecken kann. Aber man muss auch als Nutzer akzeptieren, dass nicht immer alles mit 100 % Auslastung funktioniert, wenn alle das wollen. Schwer, weil wir uns alle an sehr gute Zeiten gewöhnt haben. Aber das stresst ordentlich viele Infrastrukturbetreiber in allen Bereichen. Wenn alle ihre Wasserhähne aufdrehen, wird es auch für das Wasserwerk irgendwie schwierig, dann noch ausreichend zur Verfügung zu stellen, ab einem gewissen Punkt. Ja, es gibt so viele Analogien, und damit wir da wirklich zu Ihrer Lecture kommen – wie
kam es denn dann – war das dann, also der Reihenfolge nach nochmal kurz zusammengefasst, weil wir ein bisschen rumgesprungen sind – also Areva, BMW, und dann Vebasto oder
oder war Elli dazwischen? Elli war nach Vebasto, genau. Im Volkswagen-Konzern und hatte eine Ausschreibung für eine Wallbox, so bin ich dann dahin quasi gekommen. Und ich bin jemand, der sich dann immer, wenn ich neue Herausforderungen sehe oder merke, irgendwie der Weg hier hat bis dahin ganz gut geklappt, aber irgendwie kommt man an eine Sackgasse – in der Tiefe damit beschäftigt. Dann gehe ich, glaube ich, auf das Thema, wo ich glaube, da ist die nächste Lösung. Und so war
es dann auch wieder bei Elli. Die Ladekarten – das hat mir echt viel Spaß gemacht, war ein tolles Team. Aber ich bin immer wieder an den Punkt CPO gekommen und habe festgestellt: Na ja, wenn wir E-Mobilität wirklich noch in die Fläche bringen wollen – und da sind wir immer noch nicht, also meine Mutter fährt noch nicht elektrisch, zum Beispiel – das ist wahrscheinlich bei vielen Leuten so, sonst hätten wir ja mehr als zwei Millionen Fahrzeuge auf der Straße. Dann muss
es noch einfacher werden. Es muss einfach sein, dass das wirklich jeder machen kann. Und das beinhaltet einfach sehr viel Komplexität auch an der Ladestation. Dann habe ich mir angeschaut: Welche Standortbetreiber sind denn da unterwegs? Man kennt ja alle gängigen eigentlich, wenn man sich seit Jahren in der Branche bewegt. Und da gibt es welche, die machen das gut. Und es gibt welche, die machen das ein bisschen weniger gut. Und habe mir dann so überlegt: Wie müsste denn so ein idealer Ladepark eigentlich aussehen, damit der
noch einfach zu bedienen ist? Und bin dann nach Frankreich in Urlaub gefahren und bin über Electra gestolpert. Und habe festgestellt: OK, die kreuzen da schon sehr viel an von diesen Punkten, die ich auf der Liste stehen hatte. Und ja, kurz darauf hat mich ein Headhunter angerufen. Und ja, so bin ich dann.
Ich stand schon sehr auf den dunklen Industriegebieten. Das ist Gott sei Dank weniger geworden. Ich habe mich jedes Mal geärgert, dass da irgendwie noch ein Mülleimer fehlt. Ich ärgere mich weiterhin, wenn ich mir manche Ladestationen angucke, wie die gebaut sind, dass ich nicht mit jedem Fahrzeug dann laden kann. Also, ich war letzte Woche in Düsseldorf und habe an einem HPC-Charger gestanden. Da war ein kurzes Kabel montiert, ohne Kabelmanagement-System, und wenn dein Fahrzeug den Stecker auf der Beifahrerseite hat und auf der
anderen Seite steht auch schon jemand rückwärts mit Beifahrerstecker, dann kriegst du den Stecker nicht rein. Und dann frage ich mich halt ehrlich, warum baue ich das denn so, dass ich das nur so bedienen kann. Dann mache ich halt wenigstens auf eine Seite fünf Meter Kabel, damit ich um das Auto herumgehen kann. Ein Kabelmanagementsystem ist vielleicht auch nutzerfreundlicher, weil ich bin jetzt ein Mann und kann so ein Kabel heben, aber wenn ich meine Tochter dabei habe, wird es auch schon schwierig. Und das
sind alles so ganz viele Kleinigkeiten, die am Ende aber dafür entscheidend sind, dass man ein gutes Ladeerlebnis produziert. Und das machen viele noch falsch. Ich komme aus einer sehr ländlichen Gegend. Und die Region war mal als eine der Vorreiterregionen in Bayern für E-Mobilität ausgezeichnet worden. Da gab es lange keine einzige Ladesäule. Warum auch immer man das dann als Vorreiterregion auszeichnet. Inzwischen stehen welche, aber viele stehen einfach so schlecht. Da ist der Ladepunkt so eingebaut, du weißt nicht, wie du parken sollst. Keine
Rangierfläche vorhanden. Die Parklücken sind eng. Musst diagonal gegen die Fahrtrichtung einparken. Das macht auch keinen Spaß. Und wenn du da als Kunde das ein paar Mal mitgemacht hast und von fünf Erlebnissen vier so sind, dann hast du halt jeden Tag diesen Frust. Und dann steigst du nicht um. Und das geht dann einem seinen Nachbarn. Und dann sagt er, dass das alles Mist ist. Genau so wird das halt nichts. Oder du suchst die Ladestation. Inzwischen sind sie ja im Fahrzeug-Navi drin. Das hat
am Anfang auch noch drei Monate gedauert, weil man dahinter erst die Infrastruktur schaffen musste, um so schnell wechselnde Verfügbarkeitsstati und Ladepunkte in Fahrzeuge einzuspielen. Und Autohersteller haben halt auch entsprechende Entwicklungsvorlaufzyklen für solche Fahrzeugplattformen. Die geben sich da schon größte Mühe, aber das dauert halt manchmal alles ein bisschen länger, als man jetzt als Endkunde, der von seinem iPhone gewohnt ist, aus einer App alles Neue zu haben, vermuten würde. Und ja, da ist noch eine
Menge zu tun. Und das nächste Ding, was kommt, ist: Wir Anbieter bauen Dächer. Keiner möchte im Regen stehen, aber auch bei Sonne möchte ich im Schatten stehen. Wenn das Fahrzeug nicht von der Sonne angestrahlt wird, kann ich vielleicht auch länger mit dem ungekühlten Kabel noch hohe Ladeleistungen liefern. Das hat auch für mich einen Dreifach-Vorteil. Es geht darum, dass Ladestationen verfügbar sind. Und all das, das habe ich bei festgestellt, war bei
Elektra eigentlich gegeben. Also wir monitoren das alles ziemlich gut. Wir machen uns konstant Gedanken, wie wir das Ladeerlebnis besser machen können, wie wir auch schnell ausrollen können. Wenn du nach Deutschland schaust: Manche Anbieter, die brauchen da zwei Jahre, um so einen Ladepark zu realisieren, unabhängig vom Netzbetreiber. Dann ist das auch nicht so zielführend. Andere gibt es, die machen das richtig gut. Die sind da wirklich so schnell unterwegs, dass sie teilweise vielleicht zu schnell gebaut haben. Und das
sind alles so Sachen, die man sich dann halt anschaut. Standorte, die dann die Auslastung nicht haben, oder? Genau. Oder zu groß gebaut haben. Ich glaube, die Größe ist für den Zielzustand dann schon die richtige. Wenn wirklich 40, 50% E-Mobilität da ist, dann wird das gerade ausreichend sein. Aber du wirst halt jetzt noch ein paar Jahre damit zu kämpfen haben. Und die Frage ist halt: Willst du wirklich so viel Geld investieren in Ladestationen, in Fundamente und auch den Betrieb
und Erhalt dieser Infrastruktur, wenn sie gar nicht genutzt wird? Vielleicht geht es auch ein bisschen kleiner. Und ich sage auch nicht, dass wir alles richtig machen, aber ich habe schon den Eindruck, dass bei Elektra in den letzten Jahren auch durch den etwas späteren Start – wir sind erst 2021 gegründet worden – man einfach Vorteile hat, weil man auf etablierte Lösungen zugreifen kann. Ja, und das ist ja auch das Spannende, was ich an Elektra auch spannend finde, ist die Tatsache,
dass der Gründer und Geschäftsführer noch der gleiche ist. Das ist nicht so üblich. Dadurch, dass du ja so eine gute Erfahrung hast in dem Markt, kannst du ja auch mal Einblicke geben, wie du auf den CPO-Markt schaust. Ich glaube, es gibt halt hauptsächlich Energieversorger, die traditionell niemand kennt – also Öl und Gas oder Stromversorger –, die sich im CPO-Segment tummeln, und nicht so viele Start-ups, wie ihr es seid. Und das macht dann vielleicht auch euren Vorteil. Und wie siehst du
die Herausforderungen für euch und die Chancen beziehungsweise den CPO-Markt. Vielleicht kannst du die Zuhörer, die vielleicht auch nicht so tief drin stecken, mal ein bisschen abholen. Ja, das war ganz früher immer die entscheidende Frage: Wer wird das Rennen machen? Wird es der Mineralölkonzern sein, der jetzt auch seine Tankstellen ausstattet? Der große Energieversorger? Da haben wir ja in Deutschland auch ein paar. Oder sind es die Stadtwerke vielleicht, weil sie lokal natürlich einen guten Kundenzugang haben, oder?
unabhängige Player wie wir zum Beispiel, die eigentlich gar nicht in diesen Bereichen tätig sind. Und das Rennen ist immer noch offen. Selbst nach 89 Jahren ist das noch nicht entschieden. Aber man sieht, jeder hat so seine Herausforderungen. Tankstellenbetreiber klingt erst mal toll – die haben ja überall in den Städten gute Lagen –, aber gleichzeitig die Herausforderungen: Sie müssen ihr bestehendes Geschäft dafür vielleicht teilweise aufgeben. Das ist natürlich Business-case-technisch vielleicht auch nicht so einfach. Dafür sind Dächer halt schon vorhanden. Die kosten bei
denen nicht extra, weil der Ölabscheider dadurch billiger wird, wenn ich ein Dach darüber baue. Gleichzeitig versuchen die irgendwo noch Infrastruktur auf ihre kleinen Flächen draufzuquetschen, was dann vielleicht nicht das beste Ladeerlebnis ist, weil es einfach so gemacht wird. Energie-Stadtwerke haben die Herausforderung, die haben einen politischen Auftrag, manchmal vielleicht gar nicht die finanziellen Mittel, das gut zu machen, sondern stellen dann halt einfach 23 Säulen auf, tun sich aber schwer damit, die auch am Leben zu erhalten und zu betreiben. Aber es ist halt einfach, weil
sie kommunal tätig sind. Andere wiederum, die eigentlich regionale Energieversorger sind, haben sich aus dieser Rolle herausentwickelt und sind damit jetzt bundesweit tätig. Auch spannend zu sehen, dass es auch als Chance gesehen wird von manchen Anbietern. Die machen da einen super Job auch Richtung Einzelhandel, ihre Parks aufzubauen. Hier waren die vorher kein Begriff. Also ich komme ja nicht aus der Pfalz. Ich glaube, die Pfalz hätte ich kennengelernt, als ich für ein Werk in Wörth war.
Und dann hat man auch gemerkt, so nach und nach: jetzt Expansion. Ich glaube, die gehen jetzt auch nach Schweden und auch international – für einen deutschen Versorger, der da jetzt plötzlich international tätig wird. Das ist ja nicht schlecht, wenn da einfach ein bisschen Wettbewerb in den Markt reinkommt. Und andere, die ganz groß sind, die man immer auf dem Schirm hatte: nicht sichtbar. Die haben viel versprochen, vielleicht auch gar nicht gehalten, oder tun sich auch heute noch schwer,
den Rollout voranzutreiben, oder haben sich auch auf eine ganz andere Lösung – vielleicht Depot-Charging – mehr fokussiert und machen da ganz guten Fortschritt, der aber gar nicht so sichtbar ist in der Öffentlichkeit. Und ich glaube, da wird in den nächsten Jahren noch eine Menge passieren und auch viel Konsolidierung passieren. Weil jeder hat natürlich so seine Fixkosten. Ich brauche einen Bäcker, ich brauche einen Serviceprovider, ich brauche ein Team, das das macht. Jeder hat Standorte aktiviert – jede Menge Standorte, die er vielleicht auch gar nicht
mehr bauen will, weil sie gar nicht in das Sweet Spot des Portfolios gerade reinpassen. Ich glaube, da wird auch noch mal ein großer Tauschhandelsmarkt entstehen, wo man dann vielleicht untereinander den einen oder anderen Standort tradet, wenn es die Verträge zulassen. Es gibt ja schon ein paar freie Makler da auf dem Markt, die sich mit dem Thema auch beschäftigen. Also da ist definitiv noch viel Musik drin. Und ja, auch die Frage Netzzugang. Also an manchen Orten, wenn ich
da bin, hat vielleicht ein anderer keine Chance mehr, den Netzanschluss zu kriegen. Das ist auf fünf Jahre vielleicht auch ein ganz nettes Monopol, was ich dann da erstmal habe lokal, und kann man dann ja auch recht kaputt mitlegen. Und als Start-up, wie siehst du eure Differenzierung oder euren Vorteil im Vergleich zu den anderen, vielleicht traditionelleren CPOs? Ja, mit uns ist das eigentlich ganz interessant: wir sind nicht klassisch projektgetrieben. Das heißt, viele
CPOs arbeiten Projekt für Projekt ab, weil sie da halt auch erstmal herkommen. Wir haben schon sehr früh, dadurch, dass einer unserer Gründer auch aus dem E-Commerce kommt und da auch ziemlich tätig war, sehr skalierende Prozesse aufgebaut und sind da sehr schnell auch zu hoch integrierten Prozessen gekommen. Das heißt, wenn der Vertrieb was abschließt, hat der Projektmanager das Ding schon auf dem Tisch liegen und die Anträge werden automatisiert gestellt. Also dass wir da eigentlich gar keine Zeit verlieren. Und das
erlaubt erstmal schneller zu bauen als vielleicht manch andere, spart aber auch Geld, weil wir viele Sachen nicht zwei-, dreimal machen müssen. Das Zweite ist: wir haben dadurch, dass wir später kommen, den Vorteil, auf standardisierte Leistungen zuzugreifen. Und wir haben ganz klar gesagt: wir verwenden Bewährtes, wo es funktioniert. Wir setzen auf neue Sachen, neue Technologien – und sehr früh auf neue Technologien, wenn es einen Vorteil bietet für den Endkunden, aber auch für uns. Und dann testen wir das auch
mit dem Kunden zusammen. Wir rollen regelmäßig in unserer App neue Funktionen aus. Manche verschwinden auch wieder, einfach weil wir das halt so gewohnt sind. Und das ist anders als vielleicht eine klassische Firma, die sich auf Projektgeschäft fokussiert hat – wir denken das Ganze mehr vom Kunden her und überlegen dadurch auch immer wieder: Was brauche ich als Kunde, wenn ich von A nach B fahren will? Was brauche ich als Kunde, wenn ich an der Ladestation wirklich bin? Ein Display, das vielleicht sagt, gut
Der Status ist von der Ferne aus, ne, vielleicht zukünftig auch nochmal dir die Wartezeit anzeigt, ne. Das war ja auch ein Thema. Stand heute ist es ja immer so ein gefühltes Manko, dass man sagt: Oh je, ich muss warten, weil der Ladepark voll ist. Realitätstechnisch passiert es gar nicht so oft. Hat letzte Woche jemand von Elva in einem Electrolive Podcast erzählt. Das wird vielleicht mehr werden. Aber auch dann ist es, glaube ich, ganz nett, den Kunden einfach tief zu informieren und so einfach
zu überzeugen. Und der Kunde wird das honorieren. Und das ist das, wo wir ansetzen. Wenn du als Kunde ein gutes Ladeerlebnis hast und zufrieden bist und weißt, es funktioniert. Die Ladepunkte sind immer da. Es ist sauber. Es ist hell. Ich habe Platz zum Aussteigen. Dann fahre ich dahin. Dann überlege ich mir das wirklich, ob ich 100 m weiterfahre, weil ich da direkt vielleicht vom Einkaufszentrum bin, aber dann mich da an die Lücke quetschen muss und dann drei, vier Minuten länger brauche, oder ob ich
nicht dort lade und dann vielleicht noch ein paar Meter dahinlaufe. Für Standorte, wo man mit Wettbewerbern ist: Wenn wir direkt der einzige Anbieter am Standort sind, dann gucken wir schon, dass wir auch die beste Lage dafür den Kunden finden, ne. Und wenn das heißt: nicht die erste Reihe, sondern vielleicht die zweite Reihe, weil in der ersten Reihe wirst du immer blockiert, zugepackt mit Verbrennern. Das war auch so ein Fehler am Anfang. Dann hat man es ganz hinten in
die letzte Ecke vom Parkplatz gemacht, um ein bisschen Geld zu sparen. Auch nicht so zielführend, weil in ein paar Jahren ist vielleicht die E-Mobilität die dominierende Form. Und dann sagen alle, warum muss ich noch hinten parken? Dann kann man das fast nicht mehr nach vorne schieben. Vielleicht auch ein bisschen smarter bauen, dass man vorsieht, wenn die Station eine gewisse Auslastung hat, und sie jederzeit erweitern kann. Das hat Ionity zum Beispiel cool gemacht bei vielen Ladeparks am Anfang an der Autobahn. Da waren
schon die Sockel für die Charger vorgesehen und so weiter. Die haben sie jetzt nachgerüstet nach einer Zeit. Sowas kann man auch in einem anderen Stil noch mal machen, sodass ich mit minimalem Aufwand einfach einen variablen Ladepark habe, auch um die Ladehardware zu tauschen. Heute setzen wir alle auf Alpitronic. Keine Ahnung, ob das in fünf, sechs Jahren, sieben Jahren noch so ist. Vor sieben Jahren war Alpitronic noch nicht mal da oder hat gerade angefangen. You never know. Diese ganze Branche ist
super schnelllebig, ne? Auch bei Netzanschlüssen. Wir bauen Stationen auch mit Batteriespeichern. Wir suchen nach Lösungen, wie wir das möglichst flexibel auch am Standort positionieren können, weil so ein Trafo ist halt schon recht groß, nimmt die Fläche weg. Das wird immer einschränkender werden bei Standorten, und je modularer die Systeme sind und ich sie anordnen kann und je weniger Footprint sie haben, umso besser. Und ja, viele so kleine Detailkomponenten, die dann aber am Ende dafür sorgen, dass du eigentlich da schon noch eine gute Lücke hast. Und was
würdest du sagen, sind eure Top-3-Herausforderungen? Also was dich jetzt so, wenn du mal eine Nacht nicht schlafen kannst – hoffentlich kannst du immer gut schlafen – aber so im Sinne dessen: Was sind die Themen, die die meisten Sorgen bereiten oder am herausforderndsten sind? Also das eine, was mich umtreibt, und das treibt viele Anbieter um, ist das Thema Zulassungszahlen Elektrofahrzeuge, ne. Wir alle haben mit Business Cases kalkuliert, die eine gewisse Hochlaufkurve unterstellt haben. Wir wissen alle, dass die Zulassungszahlen
momentan hinterherlaufen. Die Anbieter haben alle einen guten Job gemacht. Es wird mehr Infrastruktur gebaut, oder der Zuwachs der Infrastruktur geht schneller als die Fahrzeuge zugelassen werden aktuell. Das lässt dann schon ein bisschen unruhig schlafen, weil man dann natürlich weiß, die Auslastung wird die nächsten Jahre erstmal eher stagnieren oder runtergehen. Auf der anderen Seite kommt es ein bisschen auf den Standort drauf an. Es gibt auch welche, die deutlich drüber liegen. Man muss halt immer schauen, was für Maßnahmen kann ich
machen, ne? Denn am Ende wird man sich unter den Stationsbetreibern um denselben Kunden schlagen müssen. Und wenn wir an Auslastung gewinnen, ohne dass übermäßig mehr neue Fahrzeuge zukommen, wird jemand anderes welche verlieren. Was jetzt in sehr frühen Märkten einen Wettbewerb hervorruft, ne. Es gibt da sicherlich Methoden, Maßnahmen, wie man Kunden auch binden kann. Das werden wir, denke ich, die nächsten zwei, drei Jahre sehen, dass das stärker wird. Und der eine oder andere Anbieter wird dann auch vielleicht aufgeben in
dieser Konsolidierungsphase. Genau. Das ist so eine Herausforderung. Das Zweite: Die Anzahl der Standorte ist limitiert in Deutschland, wo ich Infrastruktur bauen kann, ne? Viele Standorte sind schon gesichert. Gleichzeitig gibt's auch jede Menge neue Standorte noch, oder es kommen wieder welche auf den Markt – also nicht mehr ganz so einfach wie vor fünf Jahren, dass man da frei wählen konnte. Aber man findet schon noch ausreichend gute Standorte. Also ganz so schlimm ist es dann auch noch nicht. Aber das wird immer schärfer werden.
Unser Vertrieb sagt immer: Ihr seid wie kleine Trüffelschweine. Ihr müsst den Trüffel finden, den Trüffelstandort, den wir dann möglichst gut nutzen können. Und das Dritte: Wir sehen immer mehr, dass Vandalismus immer mehr ein Thema wird an Ladestationen. Und das ist eine ordentliche Herausforderung, nicht nur für Stationsbetreiber, auch für den Konsumenten, der mit dem Handy sieht, die Station ist verfügbar, und dann feststellt, da hat eben einer das Kabel abgezwickt. Also ist das
Ist das Klau oder ist das Zerstörung? So genau weiß ich es ehrlich gesagt nicht. Ich vermute, das ist Diebstahl. Ich möchte da jetzt keine politisch motivierten Straftaten draus machen, ehrlich gesagt. Aber man merkt schon, das nimmt zu, da findet eine Häufung statt von diesen Fällen. Und man braucht jetzt halt wieder neue technische Lösungen dafür, die natürlich auch wieder Geld kosten. Das muss man nachrüsten in der Fläche. Für uns nicht ganz so teuer wie vielleicht für andere,
weil wir hier in Deutschland noch nicht so viele Stationen haben. In anderen Ländern sieht es dann ein bisschen anders aus. Aber ja, das ist ein Problem, was dann kommt. Das nächste Problem werden auch immer mehr Betrugsfälle an Ladestationen sein. Wir sehen das sicherlich dann, dass Authentifizierungsmedien gefälscht werden – gefälschte QR-Codes, die aufgeklebt worden sind. Das ist natürlich bekannt. Jeder weiß in der Industrie, dass das alles schwache Methoden sind, um
Ladevorgänge zu authentifizieren, die nicht wirklich sicher sind. Aber solange halt kein Fraud stattfindet, sind es halt auch sehr günstige Methoden. Und Fraud sorgt nur dafür, dass diese Produkte vielleicht auch ein bisschen besser, sicherer werden. Das muss man aber halt als Betreiber schon auch einkalkulieren, dass man nicht jetzt mit dem, was man gebaut hat, die nächsten zehn Jahre durchkommen wird, sondern da wird noch ordentlich nachgerüstet werden müssen. In dem Sinne – da gab's ja eine große Debatte in der Branche: QR-Code
oder RFID, was ist Direct Payment? Ob man da Direct Payment mit dem, was man so von der Kreditkarte kennt – was wahrscheinlich sicherer ist, aber teurer, dann das alles extra zu installieren – wie stehst du oder steht ihr dazu? Ja, ich finde Direct Payment eigentlich gar nicht so verkehrt, dass es dem Kunden schon die Möglichkeit gibt, jede Station erstmal barrierefrei zu nutzen. Stand heute haben wir da wieder dieses Preisthema, wo man sagt, dass die Ad-hoc-Preise halt so ein bisschen
die Preisobergrenze darstellen, je nach Interpretation. Was wiederum zur Folge hat: in sehr starren Konstrukten mit MSPs kann ich halt keine dynamischen Preise aktuell abbilden. Also wir werden schon sehen müssen, dass die Preisübertragung oder Preispunkt-Übertragung zu Marktanbietern dynamisiert wird, sodass die dann auch dynamisiert vor Endkunde in ihrem Bereich Preise weitergeben können und wir dann entsprechend auch vielleicht irgendwann mal Energiepreisschwankungen an der Strombörse an Ladestationen sehen. Das ist stand heute einfach noch nicht der Fall. Und ja,
wenn du als Anbieter das machst und senkst deinen Ad-hoc-Preis jetzt mal auf 0,99 €, weil halt gerade die Sonne scheint, dann kann es halt sein, dass der MSP kommt und sagt: bei unserem Vertrag 0,99 €, wie kannst du das denn machen? Das ist ja diskriminierend. Und spontan noch auf 0,99 € runtergehen, und er gibt's aber nicht weiter, ist irgendwie auch nicht so toll, weil da hat der Endkunde nichts davon. Das heißt, das ist auch die Hürde bei dynamischen
Strompreisen, dass das zwischen CPO und MSP die große Hürde ist, sodass wir das weitflächig haben und man sich da einigt. Oder ist das eine technische Hürde? Sowohl als auch. Also du hast ja als CPO und auch als MSP nicht nur singuläre Beziehungen, sondern wir hatten damals knapp 900 CPOs in Europa unter Vertrag. Das ist eine Komplexität, die muss man erstmal
managen, weil jeder von denen ein anderes Backend geführt hat und unterschiedliche technische Fähigkeiten hat und dann nochmal sein eigenes Controlling. Und dann hast du auf einmal doch vielleicht auch aus Prozessen heraus fixe Preispunkte, die sich da ergeben. Und schon hast du ein Problem, weil du vielleicht auch als MSP sagst, ich will das ja alles dynamisch haben, aber fünf andere können es halt nicht. Und in meinem Angebot muss ich es trotzdem darstellen können. Wie kann ich denn das abcovern? Schon muss ich für
die Ecke da so eine Sonderlösung bauen. Und das ist halt die Herausforderung im Roaming. Die habe ich alles nicht bei Ad-hoc-Payment, da endet die Kette an der Ladestation. Gleichzeitig sehe ich schon einen Vorteil auch von Ladekarten, gerade im Flottenumfeld, weil ich als Flottenmanager halt nicht mit 800 CPOs Ladeverträge machen will. Oder ich hätte halt schon gern eine einheitliche Auswertung darüber: wo haben denn die Kunden geladen, wie viel haben sie geladen, wie ist denn das Fahrverhalten? Das kenne
ich aus der Tankkarte heraus, da kommen viele von denen her. Ich möchte auch vielleicht andere Sachen damit erwerben können als nur Strom, sondern vielleicht auch dem Fahrer ermöglichen, Mischwasser zu kaufen. Maut ist in Deutschland nicht unbedingt ein Thema, aber in anderen Ländern oder Parkgebühren. Also das hängt immer so ein bisschen davon ab, was die Kundengruppe dann halt möchte. Und technisch wird sich da was tun. Das hat sich immer konstant verbessert. Und wir sehen jetzt halt, wir haben jetzt aktuell so
ein bisschen den Pinpoint auf dem Preis – das ist gut, denn da wo auch Aufmerksamkeit drauf ist, da findet die Innovation statt. Und ich glaube schon, dass das in den nächsten Jahren gelöst wird und dann gibt's vielleicht auch dynamischere Preismodelle an den Ladestationen. Was wir jetzt gehört haben: in den Niederlanden ist es teilweise so, dass die Stationsbetreiber die Preise der einzelnen Ladekartenanbieter anzeigen sollen. Das ist natürlich auch interessant, weil das würde erstmal bedeuten, ich brauche einen Rückkanal von der Ladestation
Kartenanbieter, der mir jetzt einen Ladestationsbetreiber überhaupt sagt, was der denn da verrechnen will dem Endkunden, ne. Momentan weiß ich ja nur, für was verkaufe ich denn den Ladekartenanbieter, aber was er dann nimmt, wenn es öffentlich ist, kann ich es rausholen. Aber ja, die Information müsste ausgetauscht werden, ja. Und Thema Flotten: wie wir haben auch nicht so richtig darüber gesprochen, welche Lade-Use-Cases ihr alle abbildet. So wie ich es weiß, oder kannst du nochmal ergänzen – ihr macht ja
vor allem ganz pur öffentliches Laden, Schnellladen, HPC. Vielleicht kannst du nochmal ergänzen, ob da noch andere Use Cases da sind und ob oder wann die kommen werden, und wir auf das Thema Flotten: inwiefern Flotten für euch eine Rolle spielen. Also, wir haben angefangen, vor anderthalb, zwei Jahren ungefähr ein Flottenprodukt für unser Ladenetz in Frankreich primär zu entwickeln, weil wir festgestellt haben, dass wir zur Mittagszeit immer wieder an Stationen Reservierungen von denselben Kunden hatten. Jeden Tag. Und dann haben wir mal jemanden dahin
geschickt, der sich dann mit diesen Menschen unterhalten hat. Und dann kam raus: Das sind oft Lieferwagenfahrer, die ihre Mittagspause so machen. Weil man bei uns reservieren konnte, haben die das entsprechend eingetaktet. Und über die sind wir dann auch an den Fuhrparkmanager rangekommen und haben dann mit denen gesprochen: Von eurer Flotte, eurem Lieferdienst, laden irgendwie zehn Fahrzeuge sowieso bei uns. Wir könnten ja auch einen Vertrag machen, das also viel einfacher ist von der Abrechnung her. Und dann haben wir angefangen, ein Produkt
mit denen zu entwickeln. Und stand heute haben wir einige große Flottenanbieter auch. Das sind jetzt nicht nur Lieferunternehmen, sondern das ist auch sowas wie ein Sixt oder ein Bolt, also ein Carsharing-Unternehmen, Europcar – die dann ihre Flotte an unseren Stationen laden, ne. Und mit unterschiedlichen Anwendungsfällen: Manche nutzen das nachts. Super, um die Auslastung auch von öffentlicher Infrastruktur nachts hochzubringen, ne. Da stört es auch keinen, wenn der Lieferwagen da mal länger steht. Vielleicht nicht das ganze Wochenende,
aber da kann man einen guten, ergänzenden Fall haben. Weil auf der anderen Seite bin ich ja auch oft, gerade im Lieferbereich, in so einem Sub-Subunternehmerbereich unterwegs, der dann nicht unbedingt noch in Ladeinfrastruktur investieren will an seinem Standort, sondern der sagt: Die Dinger sollen auf der Straße sein. Die Fahrer sollen die Kiste mit nach Hause nehmen. Bitte lade die an der Ladestation nachts, und am nächsten Morgen fahrt ihr wieder voll los. Oder gar keine
Möglichkeit hat, in seinem Depot sowas aufzubauen. Und ich glaube, da ist öffentliche Infrastruktur eine gute Ergänzung zu so einem Depot-Ladecase, der sicherlich auch sehr wichtig ist für einen breiten Anwendungsfall, aber ich glaube, das geht so Hand in Hand, ne. Und auch da: Ein lokales Lieferunternehmen in Berlin braucht nicht 500.000 Ladepunkte in Europa in einer MSP-Ladekarte drin, sondern würde dann wahrscheinlich nur die 20 brauchen, die wirklich auf ihren Routen liegen, und ist damit komplett ausreichend und damit
vielleicht auch kostenoptimaler unterwegs, ne, weil er den ganzen Roaming-Overhead nicht mitbezahlen muss bei diesem Ladekartenanbieter dann. Ja, wir haben dazu auch eine interessante Folge schon mal gemacht mit Gerd Seeber von DPD Deutschland. Da haben wir auch einen Deep Dive zu diesem Thema gemacht, wie die Fahrer ihre Fahrt nach Hause und wo sie dann laden. Das ist dann genau dieses Thema. Und da nochmal eine Rückfrage: Ist das ein HPC-Laden bei euch? AC – macht ihr da auch
ein Depot? Könnt ihr da auch liefern, oder beschränkt ihr euch eben auf HPC? Ja, also in Deutschland sind wir jetzt primär im HPC-Bereich unterwegs. In Frankreich und Belgien haben wir auch ein paar AC-Charger, in Frankreich eher aus der Regulatorik heraus, weil man da immer noch einen AC-Ladepunkt mit installieren musste. Wir bauen jetzt nicht irgendwie Depotladeinfrastruktur auf. Also wenn deine Firma natürlich günstig liegt und einen öffentlich zugänglichen Parkplatz hat, dann kann man das so kombinieren, aber das wird ja bei dir
jetzt im Hinterhof da Charger hinstellen, die dann nur für dich im Depot betrieben werden – das ist jetzt nicht unser Anwendungsfall, ja. Also dann kommt es wahrscheinlich auf den Kunden an, muss ich jetzt so sagen, weil ich weiß ja nicht, wer jetzt noch zuhört. Aber primär sind wir im öffentlichen HPC-Laden und das ist auch im urbanen Umfeld unterwegs. Wir haben natürlich sicherlich auch die eine oder andere Station auf der Autobahn, nochmal so einen Langstrecken-Use-Case abzudecken. Aber damit sind wir ein recht lokaler
Partner und können da auch heute schon in Deutschland Flottentarife anbieten, ne. Wir haben auch einige kleinere Flottenkunden an unserem ersten Standort zum Beispiel. Da werden die Lieferwagen von dem Standortpartner dort da drüber geladen. Das ist genau die Lösung, die wir in Frankreich haben. Es ist jetzt eine kleine Flotte, drei Fahrzeuge, aber das Ding lässt sich genauso auf große Flotten skalieren, ne. Wenn da irgendeiner sagt, ich fahre da eh mal mit meinem Fahrzeug hin: gerne ansprechen, dann können wir da auch drüber reden.
wie man da noch einen Vertrag machen könnte. Und das heißt, ihr habt dann auch die Möglichkeit zu reservieren. Habe ich das richtig verstanden? Das ist tatsächlich ja diese Sicherheit, wenn man dann dicht getaktet Pakete ausliefern muss oder wie auch immer. Das ist möglich bei euch. Genau, das ist möglich. Du kannst das auch uhrzeitgesteuert machen oder im Voraus. Über die App kann der Fahrer selber die Reservierung machen. Beim LKW diskutiert man es
gerade, ob das auch Standard werden soll. Bei uns ist das Standard an den Ladepunkten. Das wäre vielleicht da auch nochmal ein interessanter Anwendungsfall, wobei wir jetzt nicht primär auf schwere Nutzfahrzeuge schielen. Also die meisten Sites, die wir haben, sind da gar nicht zugänglich für. Aber der eine oder andere Standort fällt da sicherlich auch noch rein in die Kombination. Und ein Thema, was ja viel diskutiert wird, auch am Stammtisch, aber allgemein, sind ja die Strompreise an den Ladesäulen, dass
die teilweise sehr, sehr hoch sind, dass es Wucherpreise gäbe. Wie würdest du da drauf schauen, um vielleicht auch die Gemüter ein bisschen zu beruhigen? Dass man sagt: Hey, macht euch keine Sorgen, wenn ihr auf E-Mobilität setzt oder auch auf öffentliches Laden angewiesen seid und nicht die Möglichkeit habt, eine eigene Ladesäule zu haben, wo der Strompreis da ein bisschen günstiger ist. Dass es sich nicht noch weiter erhöht, beziehungsweise, wie kann
man dann? Ja, wie sollte man auf diese Preisthematik schauen in deinen Augen? Also, die Infrastruktur – das vergessen viele Leute bei öffentlicher Infrastruktur – die kostet ja was. Und das muss ich natürlich über den Ladepreis irgendwie mitfinanzieren. Allerdings kann man über Auslastung sehr planbare Kosten unterstellen und dann natürlich auch einen guten Vertrag machen mit einem Flottenkundendem, der eine Auslastung bringt. Und dadurch, dass ich das dann wirklich planbar als CPO habe, was ich
bei einem MSP vielleicht nicht habe, sind das halt andere Konditionen, die ich da aufrufen kann im direkten Vertragsmodell. So einen Ladepark zu bauen ist natürlich auch eine Investition. Also als Flotten-Company, die sich drei Schnelllader plus Trafo-Stationen hinstellt – und es muss ja nicht ganz so schön sein wie im öffentlichen Bereich –, da bin ich halt auch mal eine halbe Million bis ja, 800.000 € los. Und ich muss das auch unterhalten und betreiben. Also das ist ja auch
nicht mein Kerngeschäft, da würde ich mich vielleicht nicht drauf fokussieren. Entsprechend kann das schon ein attraktiver Deal sein, zu sagen: Hey, ja klar, dann zahle ich halt irgendwie 39, 49 Cent an der öffentlichen Ladestation, habe das aber mit dem Anbieter geregelt auf Dauer. Zwischen 20:00 Uhr und 8:00 Uhr zahle ich vielleicht sogar weniger, weil der dann die Auslastung hochbringt. Und dann kann ich das auch planbar einkalkulieren in meinen Flottenkosten. Das ist ein anderer Business-Case als bei der Tankstelle, wo ich
diese Fixabnahmen dann vielleicht nicht habe. Und in der Zukunft, allgemein, jetzt nicht nur an Flotten gedacht, sondern an den Ottonormalverbraucher, der, sagen wir mal, in einer Mietwohnung lebt, sich dann ein Elektroauto kauft und sagt: Okay, ich habe da jetzt Preissteigerungen gesehen bei öffentlichen Ladesäulen, wo der Diesel fast schon günstiger ist. Siehst du, dass das in der Zukunft sich stabilisiert, beziehungsweise eben über Potenziale wie dynamische Stromtarife oder anderweitig intelligentes Laden, dass man
dann auch sehr günstig unterwegs sein kann? Also, vielleicht kannst du ja auch kommentieren, was du da gesehen hast. Octopus Energy und Honda haben ja neulich diese Ankündigung diese Woche gemacht, die ja sehr, sehr spannend ist, mit 300 £ Leasingrate für ein Elektrofahrzeug, was gar nicht mal so schlecht ist. Man könnte mit dem V2G-Tarif sogar umsonst fahren. Ja, also erstmal wird nicht jeder Zugang zu Infrastruktur haben können an seinem Wohnort. Ich
war selber lange Zeit Straßenparker und bin es auch immer noch. Jetzt habe ich halt eine AC-Säule direkt vor der Tür. Das macht es ein bisschen einfacher, aber das ist schon mal so ein Hauptproblem, wenn wir den Umstieg machen wollen. So ein V2H-Angebot mit V2G ist super schön für jemanden, der halt ein Einfamilienhaus hat oder Zugang zu einer Infrastruktur an seinem Haus mit seinem Stromvertrag gekoppelt. Da ist der britische Strommarkt doch ein bisschen anders aufgebaut als der deutsche. Aber ja,
da muss die Reise hingehen, dass man vielen Leuten das ermöglicht zu laden. Für den Rest muss es ein gutes, bezahlbares Angebot im öffentlichen Raum geben. Und dann muss man sich natürlich schon fragen: Brauche ich als Endkunde Zugang zu einem Ladenetz, das bis Portugal Stationen zur Verfügung stellt, wenn ich mit meinem Pendelfahrzeug sowieso jeden Tag dieselbe Route von 30 km fahre und das Ding nie auf die Langstrecke fahre? Dann mache ich ein Angebot oder einen Vertrag mit einem Anbieter, der jetzt
genau meinen Bedarf da abdeckt. Das kann das Stadtwerk sein. Die haben dann auch bessere Preise, als eben heute vielleicht unterstellt wird. Das muss man ja auch immer ganz klar sagen. Diese Diskussion, da kostet die Kilowattstunde über 1,10 € – die zahlt ja keiner in der Realität. Also, ich habe ja meinen Ladekartenanbieter und dann fahre ich bewusst zu den Stationen, wo ich den Preis habe. Oder ich zahle ad hoc an der Ladestation den Preis, den ich halt
dort aufgerufen habe. Aber ich bin nicht gezwungen, für 1,10 € die Kilowattstunde zu laden. Und so dicht ist die Abdeckung schon, dass ich auch nochmal um die Ecke herumfahren könnte und vielleicht woanders günstiger lade. Das zeigt halt genau diese Ausbuchtse, die ich vorhin beschrieben habe, in der Regulatorik, ne. Jeder Anbieter muss natürlich gucken, dass er halt auch nicht preisdiskriminierend unterwegs ist. Und wenn das heißt, ich muss meinen Ad-hoc-Preis so hoch setzen, damit
ich meine MSP-Verträge alle gut halten kann, dann kommt genau so was bei raus, ne. Das ist für den Endkunden schwer nachvollziehbar, gebe ich ganz ehrlich zu. Das ist nicht gut gelöst aktuell. Gleichzeitig gibt's immer noch auch Stadtwerke, die da sehr protektionistisch unterwegs sind und sich in Ladekarten halt einfach nicht wiederfinden. Ich war letzte Woche zum Beispiel in einer größeren westdeutschen Stadt südlich von Köln. Da war fast keine MSP-Karte drinnen und ad hoc war der Preis OK,
total fair. 0,90 € die Kilowattstunde an einer öffentlichen AC-Ladestation. Geht vielleicht einen Ticken billiger, aber es ist jetzt auch nicht übermäßig teuer. Nur war es nicht komfortabel, ne? Also ich will als Nutzer mich nicht jedes Mal damit auseinandersetzen. Da war kein Bezahlterminal, ich musste einen QR-Code scannen, Kreditkartendaten eintragen. Dann hat das alles so lange gedauert, dass beim ersten Mal mein Fahrzeug schon wieder auf Rot war. Das will ich halt nicht täglich machen. Also dafür fehlt mir die Lust und das muss
man in Summe besser lösen. Und wie kann man sich das vorstellen als normaler E-Autofahrer, nicht als CPO? Man versteht die Dynamik. OK, es gibt Kosten, diese Standorte aufzubauen. Das ist natürlich nicht mal so ohne, die muss man erst mal wiederkriegen, und deshalb kann man den Strompreis nicht eins zu eins an den E-Autofahrer weitergeben. Ich glaube, das versteht jeder. Die Frage ist, wie hoch diese Mehrkosten sozusagen sind. Und ich nehme an,
da kannst du vielleicht auch kommentieren, inwiefern diese geringe Auslastung, die es jetzt eigentlich noch gibt, vergleichsweise – man weiß ja nicht, was langfristig machbar ist, aber wahrscheinlich könnte es schon noch hochgehen – dass es dann natürlich Preisdifferenzen geben wird zu dem derzeitigen Status quo, wo die Auslastung noch nicht so hoch ist, wie sie sein könnte, oder? Ja, also man kann natürlich erst mal ausrechnen, wo das Optimum für den Betreiber ist in der Auslastung im Verhältnis zu seinen Betriebskosten, ne. Da ist ja die Miete für
den Parkplatz dabei, die Wartung und so weiter. Das muss ich ja alles umlegen auf die Kilowattstunde. Und dann habe ich natürlich noch die Intraday-Optimierung, ne: wenn ich halt Strom negativ kaufen kann und den dann mit einem leichten Plus verkaufen kann, habe ich ja auch noch Arbitrage da drauf. Und dann will ich in dieser Zeit noch mehr Auslastung drauf haben. Und diese zwei Mechanismen laufen ja so ein bisschen konträr zueinander, weil eine sehr hoch ausgelastete Station macht
es keinen Sinn, dynamische Preise anzubieten. Die kann ich gar nicht bedienen in dem Moment. Ich kann höchstens verhindern, dass der Kunde in den Hochauslastungszeiten wegfährt zu jemand anderem, aber noch einen ranholen bringt mir nichts. Also das muss man dann auch berücksichtigen. Das ist halt ein Serviceangebot im öffentlichen Raum und das hat halt auch einen Preis, der sich auf der Kilowattstunde widerspiegeln wird. Was ich immer interessant finde, ist auch bei diesen V2G-Diskussionen zu
sagen: ich lade mein Fahrzeug beim Arbeitgeber. Das setzt erst mal voraus, dass mein Arbeitgeber mir das ermöglicht, aber wenn es dann so ist, nehme ich den Strom vom Arbeitgeber günstiger mit und kann zu Hause mein Haus damit speisen. Das haben wir beim BMWK damals auch schon überlegt – für die Zukunft, so im Bereich Sektorkopplung, ist das ein super interessantes Modell, und mit Batteriegrössen und den Fahrzeugen wird das irgendwann sicherlich gehen. Dann bleibt aber noch die Gesetzgebung, weil ich kriege dann ja Strom
günstiger vom Arbeitgeber gestellt, den ich zu Hause konsumiere. Da kommt dann sicherlich das Finanzamt und redet wegen geldwertem Vorteil. Also es sind sehr, sehr viele Akteure hier in diesen Ketten drinnen, damit man das, was eigentlich so offensichtlich und so einfach klingt, machbar machen kann. Ein systemisches Problem. Ja, und das ist das, woran die ganze Industrie arbeitet. Also da sind viele Firmen und Menschen daran unterwegs, das jeden Tag besser zu machen. Aber es ist für den Endkunden natürlich schwer verständlich. Und heute
in Amsterdam oder anderen Orten gibt's ja schon sehr spannende Projekte, wo teilweise Smart Charging – also das verzögerte Laden zu den Zeiten, wo das Netz nicht so überlastet ist oder die Preise besonders günstig sind – schon umgesetzt sind. Und perspektivisch glaube ich auch, wie V2G geplant ist oder schon in der Umsetzung ist. Österreich ist, glaube ich, da zumindest meines Wissens schon in der – ja, aber nicht, weil die das unbedingt wollen, sondern weil die es müssen. Das Netz ist komplett am Ende.
Da geht nichts mehr. Und dementsprechend brauche ich Mechanismen, die mir irgendwie Anreize schaffen, das zu verlagern. Und ich will ja auch mein Haus weiterleben halten. In Deutschland haben wir – wir meckern zwar immer, unsere Verteilnetzbetreiber sind da auch schon an der Belastungsgrenze, aber de facto regelt halt noch keiner wirklich runter oder schaltet mir mal irgendwas ab. Wir haben die letzten 15, 20 Jahre gehört, wo wir sagen, es wird hier irgendwann einen Blackout geben im Niederspannungs- äh im Verteilnetz,
weil ich entsprechend PV-Einspeisungen habe und so weiter. Unsere Netzbetreiber haben das top gemacht – das muss man dazu sagen. Es ist nicht einmal dunkel geworden in den letzten Jahren hier. Wir haben das zuverlässigste Stromsystem der Welt, mit so zehn Minuten Ausfallrate, glaube ich. Aber worauf ich hinaus wollte: siehst du das auch in Frankreich, Deutschland oder anderen Märkten, wo ihr dann aktiv sein wollt, dass man an
öffentlichen Ladesäulen, die jetzt vielleicht nicht so ausgelastet sind, das macht? Oder wird das nur bei AC in den Städten passieren? Ihr macht ja auch mehr HPC. Und da wird es nie irgendwelche Use Cases in die Richtung geben. Ja, doch. Also wir sehen das schon und wir gucken uns das genau an, wo da auch Geschäftsmodelle sind. Vielleicht lässt sich da auch irgendwann ein interessantes Produkt bauen, dass du sagst: Ich speise hier Fahrzeuge mit einem AC-Lader in der Öffentlichkeit, der eben mit dem
dicken Netzanschluss vorgesehen ist. Der Kunde nimmt den Strom mit nach Hause und entlastet das Verteilnetz, und dafür kriegt er einen Teil wieder gutgeschrieben als Guthaben, den er dann mit uns teilt, weil er dadurch einen Benefit hat. Also keine Ahnung, wo die Geschäftsmodelle da noch hingehen werden. Wir reden auch über Durchleitungsmodelle in Deutschland inzwischen. Dann nimmt jeder Kunde seinen Stromvertrag von zu Hause mit. Dann habe ich auch eigentlich ein fahrendes Asset in der Hand, und mal gucken,
was mein Energieversorger mir dann anbietet. Und wir als Infrastrukturbetreiber sind dann ja nur noch der Transaktionsbringer und kriegen dafür eine Gebühr. Also da ist wirklich, glaube ich, in den nächsten zehn Jahren noch sehr viel Spannendes drin. Und wir hatten einmal das Thema mit den Engpässen bei der Telekommunikation. Das wird da auch ein Thema sein, und ich glaube, das wird immer mehr relevant in Zukunft. Es gibt inzwischen schon wieder die ersten Softwareunternehmen – wie Amazon macht, glaube ich, in den USA oder
auch Tesla. Die fahren halt LKWs mit Festplatten durch die Gegend, weil das erstmal schneller geht für gewisse Distanzen der Datenübertragung als über Glasfaser, um diese Riesenmengen an Daten aus autonomem Fahren und so etwas zu übertragen. Ja, gestern auch gelesen: die Chinesen machen das, um ihre KI-Modelle zu trainieren – sie fliegen nach Malaysia, trainieren sie da und fliegen dann wieder zurück mit dem trainierten Modell, weil sie die Chips vor Ort nicht haben und das dann wahrscheinlich auch einfacher ist. Also das
könnte man auf Strom ja genauso anwenden. Wenn jedes Auto mit einer Riesenbatterie durch die Gegend rollt, dann rollt auf deutschen Autobahnen sehr viel Strom von Nord nach Süd. Und wir reden ja auch immer darüber, dass wir im Übertragungsnetz Engpässe haben und so weiter. Vielleicht entstehen da auch nochmal interessante Modelle, gerade mit LKW und so weiter. Total, ja – eine coole Vorstellung auf jeden Fall, dass das Fahrzeug als rollende Batterie dahin gebracht wird, wo es Engpässe gibt. Und
wir kommen ja auch in die Zielgerade. Ihr seid ja – das Spannende ist eigentlich – eine französische Firma, die erst seit kurzem, glaube ich, nach Deutschland kommt. Was habt ihr geografisch gelernt, was so ein französischer Flair ist, was das CPO angeht, im Vergleich zum Deutschen? Ja, ich bin Deutscher, trotz italienischer Wurzeln bin ich dann doch 100 % deutsch. Und man merkt schon, dass Franzosen bei vielen Sachen ein
bisschen entspannter sind, was vielleicht so Projektlaufzeiten oder das Bauen angeht. Und die schätzen uns dann dafür, dass wir bei vielen Sachen vielleicht auch ein Tick akkurater sind. Und ich glaube, das macht den Charme auch aus von so einem internationalen CPO, das aus den ganzen Ländern kommt. Wir sind ja auch in Spanien, Italien, Österreich, Schweiz, aber auch in Benelux. Wir haben in jedem Land eine Landesgesellschaft, überall gute Leute sitzen, und wir tauschen uns regelmäßig untereinander aus und nehmen dann
auch neue Lösungen einfach mit aus diesen Ländern, und können so dann schon anders, besser bauen und vielleicht das Ladeerlebnis mal verbessern. Denn wenn du noch nie aus Deutschland rausgefahren bist zum Laden, dann glaubst du, dass alle Ladestationen irgendwie im Industriegebiet und ohne Dach stehen müssen. Und die Facebook-Gruppen oder Foren hier sind alle voll mit Erfahrungsberichten: "Wir waren da in Frankreich – jeder unbewirtschaftete Rastplatz hat einen Ladepark mit Dach, und so muss das sein" – mit Preisanzeige und allem. Genau, das
sieht man da. Auch auf LinkedIn kriegst du regelmäßig mit, dass im Ausland Laden doch günstiger und mit Kreditkarte funktioniert an den Stationen, als es in Deutschland aktuell der Fall ist. Und das hilft dann schon mal, über den Tellerrand zu gucken und das eine oder andere aus dem jeweiligen anderen Land zu transportieren – und das kann man als internationaler Player ganz gut. Cool. Ja, das finde ich ein schönes Abschlusswort. Bevor wir dann wirklich abschließen, kannst du noch mal drauf
hinweisen, was die Zuhörer von euch über dich oder allgemein erfahren können. Und was du gerne noch mal als letztes Schlusswort haben wollen würdest. Ja, also wir sind ja jetzt mit den ersten Parks live gegangen und wir werden die nächsten Wochen noch viel mehr ausrollen. Ich würde mich freuen, wenn wir den einen oder anderen auch an unserer Ladestation begrüßen, der dann auch vielleicht sein Feedback mit uns teilt. Wir freuen uns immer drüber, wenn Kunden uns mitgeben, was sie
gut fanden, was wir vielleicht auch noch besser machen können. Das trifft auch bei uns auf ein offenes Ohr. Und ja, wenn wir in ein paar Jahren hier in einem Atemzug genannt werden mit den anderen etablierten Playern, dann weiß ich, wir haben einen guten Job gemacht. Und wenn die Preise dann auch noch stimmen für alle, dann ist der Job noch besser. Dann vielen Dank, Paul, für die Zeit und toi toi toi bei der deutschen Expansion. Danke, Claudio, hat Spaß gemacht. Danke. Ihnen auch. Das
war die Folge mit Paul, der einen italienischen Nachnamen hat, aber eigentlich Deutscher ist und sehr viel internationale Erfahrungen mitbringt. Jetzt aktuell eine 30-Länder-Skalierung bei Elli. Wow, das war beeindruckend. Außerdem habe ich wenig Menschen kennengelernt, die so viele verschiedenste Erfahrungen in der Energie- und E-Mobilitätswelt mitbringen. Vom virtuellen Kraftwerk bei Mühlhan, so viele Gigawattstunden und was für eine Optimierung er da rausgeholt hat – das war eine spannende Anekdote – aber auch, wie er dann von BMW in den ganzen Anfängen dieses spannende Projekt mit aufbauen konnte. Das und
mit DCS und insbesondere die ganzen BMW-Standorte mit Lastmanagement schon ganz frühzeitig aufbauen konnte. Und dann Elli: 30 Länder, die MSP-Erfahrungen und Flottenerfahrungen und und und so weiter. Und dann natürlich bei Elektra jetzt diese spannende Aufgabe, mit einem gründungsgeführten Start-up aus Frankreich den deutschen Markt zu bespielen und andere Märkte, und wie sie sich mit diesen smarten Anzeigen differenzieren. Reservierbarkeit auch sehr wichtig, mit Logistikern auch schon und Flotten. Das ist essenziell. Und an die LKWs, die jetzt auch kommen, da auch schon weiterdenken, was dynamische
Preise angeht, und dafür auch natürlich offen sind und die Potenziale sehen und die spannenden Preisdynamiken, die sich dann entwickeln werden in der Zeit. Also von meiner Seite ein sehr gelungenes Rundum-sorglos-Paket an Themen, die wir hier mitgenommen haben – aus der CPO-Sicht insbesondere, aber eben MSP et cetera, die ganze Wertschöpfungskette der E-Mobilität. Falls euch die Folge gefallen hat, dann geht noch mal auf die Tipps ein auch von Paul. Schaut doch bei einer dieser
Elektra-Ladesäulen mal vorbei und gebt euer Feedback. Und abonniert und teilt die Folge gerne. Das hilft uns Unmengen. Also, bis zum nächsten Mal.
Notizen zur Folge
In dieser Folge von Smart Charge spreche ich mit Paul Tonini, Country Manager Germany bei Electra, über seine Reise von der Wasserstoff-Pilotanlage 2015 bis zum Aufbau flächendeckender High-Power-Charging-Parks. Paul gewährt Einblicke in: - Kabelmanagement & UX: Wie zu kurze Kabel, fehlende Rangierflächen und fehlende Mülleimer das Laden nervig machen. - Stations-Design: Warum Dachkonstruktionen, Steckertypen und Parklayout über Erfolg oder Frust entscheiden. - Smart Charging & V2G-Ausblick: Welche regulatorischen und technischen Bausteine dynamische Tarife und bidirektionales Laden endlich voranbringen. - CPO vs. MSP vs. Flotten: Wie Betreiber, Roaming-Partner und Fuhrparks um Auslastung, Preisgestaltung und Kundenbindung ringen. - Marktdynamik & Konsolidierung: Was passiert, wenn Infrastruktur schneller wächst als die E-Zulassungen – und wer am Ende bestehen bleibt. Mit vielen Anekdoten aus BMW, Webasto, Elli und Electra liefert Paul praxisnahe Tipps für alle, die wissen wollen, wie Elektromobilität im echten Leben funktioniert.