Ep. 4: Zwei Startups, Zwei Erfolge – Klaus Huber über Gründergeist, Energieinnovation & Flottenelektrifizierung
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Welcome to the Smart Charge by RiDERgy Podcast. This is Claudio Geyken, Founder and CEO of RiDERgy. This is your show to learn about all things energy management and smart charging innovation for electric vehicles and fleets.
Ja. Hallo, Klaus. Schön, dass du heute dabei bist. Wie geht's dir heute? Hallo, Claudio. Vielen Dank für die Einladung. Mir geht's bestens. Das ist schön. Dass du es heute auch von München aus schaffst – ich bin auch beim Simon Herzog gewesen, der kam auch aus München, da haben wir es auch noch geschafft. Schön, dass es mit dir auch hier klappt. Und was hat dich noch mal hier nach Berlin gebracht, außer natürlich die Aufnahme? Natürlich du und viele andere Energiethemen, die ich in diesen zwei Tagen besprechen will. Hauptsächlich Speicher – Energiespeicher
in Kombination mit Ladelösungen. Und da werde ich morgen auch die Veranstaltung vom BVES besuchen. Der BVES – für die Hörer – ist der Speicherverband, genau, der Bundesverband für Energiespeichersysteme, Batteriespeicher. Ich denke, die machen auch Wasserstoff und andere Speichergeschichten, aber das größte Thema sind auf jeden Fall die batterieelektrischen Speicher. Ja, ein Thema, was sehr stark am Kommen ist. Bei der E-World insbesondere letzte Woche, oder vor zwei Wochen, gab es ja eines der Hauptthemen – glaube ich – wie viele Speicher jetzt wirklich auch kommen. Genau. Also die Stimmung in dem
Bereich könnte gar nicht besser sein, vom kleinen transportablen Camping-Power-Cube sozusagen bis hin zu 100-Megawatt-Großspeichersystemen. Auf allen Ebenen sind die Leute da sehr positiv gestimmt. Ja, bevor wir das vielleicht noch mal vertiefen – das Thema, ich glaube, da hatten wir schon angedeutet, dass das vielleicht noch mal ein Thema ist bald für dich – schauen wir erst mal einen Blick zurück und holen die Hörer ab. Vielleicht kannst du ein bisschen sagen, was so dein Hintergrund ist. Kannst beliebig nach hinten gehen, wie du willst, wie du
dich normalerweise beschreibst, damit wir wissen, wer Klaus Huber so ist. Genau. Also ich bin ja schon ein bisschen älter und habe eine lange berufliche und auch erlebnisreiche private Geschichte. Ich habe mich mit dem Thema Energie eigentlich als Student überhaupt nicht befasst, sondern habe Literaturwissenschaft studiert und viele Themen im Bereich Politik, Theater, Literatur als Studienthemen gehabt. Fand das alles zu Studienzwecken gut, aber wollte beruflich was ganz anderes machen und bin dann sehr schnell in der Beratung – Strategieberatung – gelandet, bei damals Booz Allen and Hamilton,
einer großen Unternehmensberatung. Habe mich aber immer schon mit dem Thema Aufbau neuer Geschäftsmodelle beschäftigt, damals eben Mobilfunk, Internetdienstleistungen, wie das damals hieß, und seit ungefähr den 2000er Jahren dann mit Solarenergie, PV, und kam so über verschiedene Seiten – Projektierung, Finanzierung – am Ende 2007 zu dem Thema Biomethan und habe zusammen mit einem Ex-Arbeitskollegen eine Biomethan-Handelsplattform gegründet: die BMP Green Gas. BMP steht für Biomethan-Plattform, also ein Handelshaus für Biomethan. Weil wir so fokussiert auf Biomethan losgestartet sind, waren wir sofort und immer der größte Händler, den
es gab. Und die BMP Green Gas ist auch heute noch großer Händler am deutschen Markt. Habe mich auch gefreut, sie in Essen auf der E-World mit einem großen Stand zu sehen. Dieses Thema habe ich bis circa 2011 angeschoben und danach mich auf Mobilität und erneuerbare Energien fokussiert. Und da landet man recht schnell beim Thema Elektromobilität. Das war 2010 noch sehr früh und auch zu früh für manche Geschäftsmodelle. Und so ging es mit anderen Ideen ein Stück weit einige Zeit lang weiter, bis
wir 2014 – Robin Geißler und ich – uns mit ähnlichen Ideen getroffen haben und überlegt haben, wie man Dienstleistungen im Bereich Mobilität und Elektromobilität anbieten kann, bei denen man erneuerbaren Strom und Mobilität zusammenbringt. Okay. Ja, das werden wir gleich vertiefen. Bevor wir das machen, kannst du noch mal uns abholen: Das war ja dann quasi eine Gründung dieses Marktplatzes. Wie kam es zur Gründung der ersten Firma damals? Wie hast du dann den Mut geschöpft, dass du auch wusstest: okay, hier ist viel Potenzial? Und dass das
dann auch gleich die erste Firma war – wenn ich es richtig verstanden habe für dich –, die ja dann nach wie vor existiert und dementsprechend auch noch nachhaltig erfolgreich ist. Genau. Also damals war das Modell auch wie so häufig aus zwei wesentlichen Faktoren gegründet. Das eine ist: Es hat sich gesetzlich oder technologisch was geändert am Markt. Und das andere war einfach Glück und zum richtigen Zeitpunkt die Gelegenheit gesehen. Also der erste Punkt war: Der deutsche Gasmarkt wurde liberalisiert, man konnte als Privatunternehmen Gashändler werden. Das zweite war:
Man konnte Biogas technologisch so aufbereiten, dass es Erdgasqualität hat, also chemisch-stofflich Methan ist und damit ins deutsche Erdgasnetz einspeisefähig war. Also diese zwei gesetzlichen und technologischen Änderungen haben dazu geführt, dass man Biomethan im Gasnetz überhaupt stofflich vorhanden hatte. Und damit entstand natürlich die Frage: Wie verteile ich das? Wie verkaufe ich das? Wie handle ich das? Wie transportiere ich das? Und der zweite Teil der Geschichte – die glückliche Situation – war, dass ein Ex-Arbeitskollege von mir ein Biomethan-Einspeiseprojekt begleitet hatte, das erste
deutsche Einspeiseanlage in Plining bei München mit aufgebaut hatte. Und die war eben 2007 baufertig und in Betrieb bereit. Und somit kam folgerichtig die Idee auf: Wir müssen jetzt eine Handelsplattform gründen, damit dieses Biomethan gehandelt werden kann. Und diese zwei Punkte genau haben wir uns dann eben so zurechtgelegt, dass der eine auf Produktion und Projektentwicklung, der andere auf Handel sich fokussiert hat, und wir daraus ein Start-up namens BMP Green Gas gegründet haben. Einem Ausflug, wenn du so willst, einem Offsite oder einem Strategy-Workshop am Walchensee. Und wir blieben einfach
so lange zusammen, bis wir einen Namen hatten. Interessant. Und im Sinne des, weil es in diesem Podcast auch zum Teil viel um intelligentes Laden von Elektrofahrzeugen gibt, aber auch eingebettet im Energiesystem: Biomethan. Wie siehst du da, wie sich das entwickeln wird in der Zukunft, in Deutschland, in der Welt? Es ist vielleicht ein Thema, das nicht so stark jetzt im Vordergrund steht wie Wind und Sonne und Batteriespeicher. Aber Gas natürlich als wichtige Energiequelle – auch in der Zukunft wird das stärker kommen. Was sind so Trends, die du
siehst bei Biomethan? Meine persönliche Einschätzung wäre, dass Biomethan ein Markt ist, der auf einem stabilen Plateau sich weiterentwickeln wird, der nicht sehr viele Innovationen oder sehr viele neue Nutzungspfade erschließen kann. Biomethan ist heute schon in verschiedenen Bereichen für Wärmeerzeugung, Stromerzeugung als auch Treibstoff, Kraftstoff im Mobilitätssektor verwendet. Und ich denke, mit der Skalierbarkeit von Wasserstoff oder grüner Wasserstofferzeugung wird Biomethan einfach seinen Anteil und seine Bedeutung ein bisschen kleiner werden sehen. Somit glaube ich, dass Biomethan einfach nicht in der Weise skalierbar ist wie andere Energieträger. Und das
war auch ein Grund für uns, um zu sagen, wir möchten uns in den Bereich Strom weiterentwickeln, weil wir dort einfach viel mehr Entwicklungspotenzial sahen. Ja, noch mal zur Abholung als Kontext: Die mangelnde Skalierbarkeit erschließt sich meines Wissens daraus, weil wir einfach nicht genügend Anbaufläche haben, weil es ja viel aus der Landwirtschaft kommt, dieses Biomethan. Genau. Also die Stoffströme sind einfach nicht in der Weise skalierbar wie Energieproduktion für Strom. Und insofern ist das immer eine Flächenkonkurrenz, die auch in Deutschland sehr richtigerweise sehr stark diskutiert wird. Und wenn
man global auch sich das Thema ansieht, dann ist das einfach immer ein Nischenprodukt, weil es in Konkurrenz zu vielen anderen Ressourceneinsätzen steht. Ja, und nochmal nachgefragt: Wie kam dann dieser Abschluss mit der Firma? Wieso hast du dich dann – die Firma gibt's ja noch – wie kam die Entscheidung, jetzt zur nächsten Firma? Es war ein Punkt, denke ich, an dem das Geschäftsmodell etabliert war. Wir hatten ein Portfolio aufgebaut in Deutschland. Und das ist dann immer die Frage. Die Firma war auch 30 bis 40 Mann groß. Wie
schauen die nächsten Schritte aus? Also will man sich internationalisieren? Will man in den Bereich Wasserstoff gehen? Will man mit einem großen Partner sich zusammentun? Will man den Fokus auf Wachstum einer Belegschaft, einer Mitarbeiterschaft legen? Für mich war immer klar: Ich bin gut im Gründen und Aufbauen. Und eine Firma, die 30, 40 Mitarbeiter hat, gewinnt dann einen neuen Charakter und benötigt andere Kompetenzen, andere Führungskräfte, andere Entscheidungsregeln. Und das hat mir nicht so behagt, wie was Neues zu machen. Und diese Gelegenheit, was Neues zu machen, hat
sich eben ergeben. Und insofern habe ich dann verlockender gefunden, mich einem neuen Thema zuzuwenden. Und nochmal abschließend zu der Phase: Gab es denn Höhepunkte und auch Punkte, wo du die Firma hättest beinahe schließen müssen? Und was war dann die Motivation, weiterzumachen? Nur dass man da versteht – meistens ist es ja ein bisschen so ein Rollercoaster bei der ersten Firma. Wir haben auch viele Gründer, die zuhören, die vielleicht ihre erste Firma nicht so erfolgreich gestalten konnten wie du. Vielleicht hast du auch
ein paar Tipps da in die Richtung. Also zum einen ist es sehr gut, wenn man jugendliche Zuversicht hat beim Aufbau eines Unternehmens und man vielleicht im positiven Sinne mit einer gewissen Gedankenlosigkeit seine Idee verfolgt. Das hilft bestimmt. Wir hatten auch in der Anfangsphase von vielen Experten, praktisch Praktikern aus dem Bereich Handel, Handel von Rohstoffen, von Energie, uns sagen lassen, wir müssten mindestens 20 bis 30 Millionen Euro investieren, um so eine Handelsplattform aufziehen zu können. Und diesen Betrag haben wir nicht investiert. Wir hatten übrigens in
dem Fall keine Finanzierungsrunden, sondern haben das mit einem Startkapital selber hochziehen können. Und insofern kann ich aus der Sicht nur sagen: gar nicht entmutigen lassen, sondern die Idee wirklich verfolgen und sehen, dass man die richtigen Anpassungen vornimmt. Es gab natürlich immer wieder auch kritische Fragen: Ist Biomethan überhaupt marktfähig? Ist Biomethan ein reines EEG-Förderprodukt – also EEG für Erneuerbare Energien Gesetz? Ist Biomethan in Deutschland überhaupt ein richtiger Energieträger? Also diese Auf- und Ab-Überlegungen, die sind völlig normal. Und wir hatten, ja, vielleicht
eben Tüchtigkeit und Glück. Und auch gute Mitarbeiter, mit denen wir das erfolgreich aufbauen konnten. Ja, spannend. Und dann, wie gesagt, die zweite Firma nahm ihren Lauf. Und wie war das? Was waren dann die ersten Schritte, und wie seid ihr da umgegangen? Habt ihr direkt auch die gleiche Idee gehabt? Oder habt ihr dann gepivotet, neudeutsch? Wie kann man sich das vorstellen? Also Robin und ich kannten uns ja dann 2014 schon sieben Jahre lang und hatten mit zwei weiteren Mitarbeiterinnen, die auch aus der früheren
Firma uns lange bekannt waren, ein Vierer-Team zum Start, das sehr hilfreich war, um gemeinsam aktiv zu werden. Wir kannten uns gut. Wir hatten gleiche Überzeugung für die Stoßrichtung, für die Arbeitsart, für die Idee, die uns da voranbringt. Im Jahr 2014 haben Robin und ich uns aus verschiedenen Blickwinkeln diesem Thema genähert. Generell gilt ja, wir haben das Geschäftsmodell der E-Mobility aus dem Bereich Energie heraus eigentlich entwickelt, also nicht aus dem Fahrzeugbereich, sondern für uns war die Idee in einem ganz abstrakten Sinn
ein Elektrofahrzeug ist wie ein mobiler Batteriespeicher. Diesen mobilen Batteriespeicher kann ich bewirtschaften. Ich kann ihn laden oder entladen, indem ich ihn mit einem Netz verbinde. Und gleichzeitig biete ich jemand anderem eine Ladelösung, damit er die andere Funktion des mobilen Speichers erleben kann – nämlich: ich habe ein Fahrzeug, mit dem ich rumfahren kann. Diese Gründung war auch getrieben von der Idee, dass wir gedacht haben, Elektrofahrzeuge werden sich durchsetzen. Wir hatten ja erste Modelle am Markt auch gesehen. Wir hatten den Tesla Model S. Genau, der
Zoe war da. Wir haben alle auf das Model 3 gewartet – bis sehr lange. Und wir hatten auch da wieder Glück. Wir haben unseren ersten Kunden zufällig im Aufzug von der Tiefgarage ins Office kennengelernt. Eine andere Firma in dem Gebäude, die sich mit dem Thema beschäftigt hat. Da waren wir natürlich total enthusiastisch. Den ersten Flottenkunden schon vor Gründung an Bord. Und mit dem zusammen bauen wir jetzt dieses Energiesystem auf. Mittelständler, oder wie kann man sich das vorstellen? Genau, das war eine mittelständische Firma
für IT-Dienstleistungen. Also hat auch im Sinne von Arbeitgeberattraktivität Elektrofahrzeuge promotet. Damit hatten wir Zugang zu einer Flotte sozusagen, die auch wachsen wird – das hatten wir damals schon absehen können – und zum anderen auch auf der IT-Seite ein bisschen Unterstützung, was ja sowieso auch nötig war für unser Backend und die App. Damit standen wir schon mal ganz enthusiastisch am Anfang da, hatten auch gleich eine Angelrunde und waren wirklich in bester Stimmung, bis sich dann im Laufe des Jahres 2015 eigentlich herausgestellt hat,
dass der Absatz an Elektrofahrzeugen einfach überhaupt nicht vom Fleck kommt. Weißt du noch zufällig, was die Zahlen 2015 waren? Also ich denke, so 100 Fahrzeuge im Monat war damals so eine Run Rate. Und es war auch überhaupt nicht abzusehen, dass jetzt viele Modelle auf den Markt kommen werden. Und dann auch hier wieder zwei unplanbare Events, wenn du so willst. Also zum einen im September 2015 die Nachricht vom Dieselskandal bei VW. Die amerikanische Umweltbehörde veröffentlicht diesen Bericht
und es war ganz kurios, weil der Bericht am Freitag, glaube ich so um 13:00, 14:00 Uhr in die Presse kam. Und um 17:00 Uhr waren wir auf einem Meeting mit einem Zukunftsforscher, der über das Thema sprach: Wie kann ich nur Benzin für Mobilität verwenden? Das ist alles so endlich und so umweltfragwürdig. Also, es war ein Tag, an dem viel los war. Und für uns dann erstmal ein positives Zeichen, weil das heißt, jetzt kam Elektromobilität als Alternative natürlich auf die Agenda. Und das
zweite Thema, was uns geholfen hat, war, dass wir das Thema Elektrobusse in dem Moment auftun konnten. Wir haben also gesagt, wir machen so einen kleinen Umweg. Wir machen jetzt nicht nur Ladelösungen für Pkw, sondern wir bauen eine Ladeinfrastruktur für einen Regionalbusbetreiber auf, der zehn elektrische Busse eingeflottet hat. Und dieses Projekt hat uns natürlich getragen und auch finanziell weitergeholfen, sodass wir bis zum Frühjahr 2017 in guter Verfassung waren – also nach eineinhalb Jahren ein gutes Team aufgebaut, das Produkt war stabil – und damit dann vorhatten, in die
Fläche zu skalieren. Okay, und nochmal nachgefragt: Am Anfang ist es immer üblich, dass man, bevor man den ersten Kunden hat, gefragt wird: Na, wo habt ihr das schon mal gemacht? Wie war das denn bei euch? Und wie habt ihr dann diese Zuversicht dem Kunden übermitteln können, dass er euch vertraut? In kleinen Schritten, um das ganz pragmatisch zu beantworten. Bei den ersten Installationen standen wir alle dabei und haben mit dem Elektriker zusammen diesen Aufbau und das System sozusagen selber kennengelernt. Wir haben Erfahrungen
aus dem Energiemarkt gehabt, also Stromhandel, Stromlieferung. Das war uns bekannt, wie das funktioniert. Aber sozusagen die pure Physik einer Ladestation mit Starkstromanschluss, mit Netzkopplung, mit auch Kommunikation zum Fahrzeug hin – das war ganz, ganz konkretes Hands-on-Learning. Und weil wir diesen ersten Kunden eben hatten, der uns viel vertraut hat, weil er selber auch vor damals nicht so langer Zeit ein Start-up war – das war zwar damals schon eine Hundert-Mann-Firma, aber mit einem gewissen Verständnis und Interesse an einem Start-up –, hatten wir zumindest einen
Referenzfall. Mit den Bussen hatten wir dann noch einen Referenzfall. Und so konnten wir dann eigentlich schon als einen sehr frühen Kunden Siemens gewinnen. Und das war dann wie eine Veredelung. Diese Referenz hat uns bestimmt geholfen. Gleichzeitig haben wir aber auch im Jahr 2017 festgestellt, dass wir zwar ein sehr gutes Lösungsangebot hatten, aber einfach nicht auf Augenhöhe mit DAX-Unternehmen sprechen konnten – sodass also bei vielen Verkaufsgesprächen die Erkenntnis war, auch ausgesprochenermaßen von den Flottenmanagern oder Einkäufern auf der anderen Seite: Eure Lösung ist hervorragend, sie ist technisch
durchdacht, die ist wirtschaftlich interessant. Aber wir können als Großunternehmen nicht auf ein Zehn-Mann-Startup unsere Elektrifizierung setzen. Und das war für uns dann ein Punkt, so auch Anfang 2017, um zu sagen: Wir müssen an der Stelle irgendwas unternehmen. Wir müssen entweder unterschlüpfen bei einem großen Unternehmen, oder wir müssen eine sehr starke Finanzierung zusammenstellen, oder wir müssen uns als White Label irgendwo anders verkaufen. Und alles drei hat uns aber nicht so wirklich gefallen. Und so kamen wir am Ende auf ein Projekt, das wir
zusammen mit einem OEM als großes Entwicklungsprojekt aufgesetzt haben, bei dem wir gesagt haben: Es gibt von beiden Seiten finanzielle Mittel, aber vor allem auch inhaltliche Mittel, nämlich unser Wissen, unsere Skills, und auf der anderen Seite einen gewissen Absatzmarkt und auch ein Entwicklungsinteresse. Und wir teilen uns einfach die Nutzungsrechte. Und dieses Projekt hat sich sehr, sehr positiv entwickelt, ist auch viel größer geworden, als es ursprünglich angesetzt war, und hat uns da, glaube ich, einen sehr wichtigen Schub verliehen, sodass wir bis Ende 2017 dann eigentlich ein
sehr stabiles Geschäft hatten und mit 50 Mitarbeitern fast auch ein richtiges kleines Unternehmen geworden waren. Hast du gesagt, 50 Leute? Genau. Die anderen Optionen – das schienen ja alles auch sehr sinnvolle Optionen zu sein. Vielleicht erinnerst du dich daran: Was waren die Punkte, wo du gesagt hast, nee, absolut nicht, lass uns was anderes suchen? Also, die Ansprache von Investoren hatten wir schon ziemlich früh begonnen. Das ist vielleicht auch für Leute, die jetzt zuhören und sowas vorhaben, eigentlich eine wichtige Empfehlung. Man kann sofort mit Investoren
im Gespräch sein und bleiben, denn es ist ein langer Prozess, bis sich so ein Vertrauen aufbaut. Und es ist fast nie zu früh, wenn man eine gute Idee hat, die auch zu kommunizieren und damit auch für sich selber zu testen. Wir hatten im Frühjahr 2017 eigentlich drei Optionen auf dem Tisch, sogar sehr konkret. Die eine wäre ein Einstieg eines Strategen gewesen. Das hat uns nicht gefallen, weil wir natürlich mit der Bewertung nicht zufrieden waren und auch mit der Zukunftsperspektive uns nicht so ganz behaglich fühlten. Die
zweite Option wäre gewesen, nochmal eine Angel-Runde zu machen. Da hätte uns aber das Volumen nicht wirklich weitergebracht. Und die dritte Option war eben dieses Entwicklungsprojekt, bei dem wir natürlich auch ins kalte Wasser gesprungen waren, weil der Unterschied ja riesig war. Wir waren einfach eine 15- bis 17-Mann-Firma, und auf der anderen Seite war das ein DAX-Konzern. Also, wir wussten auch nicht, worauf wir uns da einlassen. Aber wir haben die Gelegenheit am Schopf gepackt und, glaube ich, für beide Seiten ein gutes Ergebnis erzielt. Ja, das ist spannend.
Das glaube ich, treibt auch viele junge Unternehmen um: wie man da gute Partnerschaften mit großen Corporates erreicht. Klingt ja nach einem Erfolgsrezept. Was kannst du auch da in die Richtung empfehlen, was man beachten sollte, damit es zu einem Erfolg wird? Also, natürlich formal gesehen vorher gut ausmachen, was gemeint ist. Und das hilft am besten, indem man auf der anderen Seite Leute hat, die fachlich auch im Bild sind, die eine gewisse Durchsetzungsfähigkeit haben in ihrem Bereich und auch Enthusiasmus für das Thema.
Das zweite, aber eigentlich der wichtigere Punkt war: Wir haben bei uns in unserem Büro diesen Workspace eingerichtet. Und wir hatten alle Leute, die an dem Thema gearbeitet haben – also sowohl die der Partnerfirma, unsere Leute und auch externe Dienstleister – alle in einem Raum zusammengesetzt und haben diese Leute moderiert und bespaßt und gut behütet und gut verpflegt und so weiter, und hatten damit ganz, ganz engen Kontakt einfach zum Entwicklungsgeschehen, zum Projektfortschritt und zur inhaltlichen Gestaltung. Und das war sehr, sehr
wichtig, weil wir ja in einem Gebiet waren, in dem man noch nicht wusste, wo die Reise hingeht. Das könnte ich aus heutiger Sicht eigentlich auch wieder so empfehlen und würde das noch mal so machen, weil das auch zu unseren Gunsten viel Gewicht erzeugt hat und damit viel Beeinflussbarkeit gibt. Ja. Vielleicht die nächsten Schritte, die es dann gab ab dem Moment – um die Story mal ein bisschen zu teasern: Es kam ja zum Exit. Vielleicht gab es noch Meilensteine bis zum Exit, die du
noch erwähnen möchtest, sowohl Lowlights wie Highlights. Wir hatten immer das Glück, dass wir sehr viel Talent gewinnen und sehr viele attraktive Arbeitsmöglichkeiten schaffen konnten und auch immer viele, viele gute Bewerbungen bekommen hatten. Also, ich war selber immer wieder erstaunt, wie viel Wissen, wie viel Erfahrung diese jungen Leute schon mitgebracht haben und mit wie viel Enthusiasmus, Selbstständigkeit und Begeisterung bei uns gearbeitet wurde. Das geht auch bis zu einer Größe von 50 Mitarbeitern wunderbar, wenn man eben zusammensitzt und sich da viel
einbringt, einmischt. Und dadurch hatten wir unheimlich guten Spirit auch in der Firma. Wir haben es geschafft, unser Geschäft auszuweiten. Wir haben tolle Projekte gewonnen. Wir haben viel auf Veranstaltungen über unser Wissen erzählt und uns zeigen können. Und wir waren 2018 dann eigentlich so weit, dass wir gesagt haben: Wir brauchen jetzt die nächste Stufe. Wir möchten einfach mehr in Infrastruktur investieren können. Wir hatten sogar ein Verbriefungsvehikel aufgesetzt – also zum ersten Mal wahrscheinlich auch in dieser Finanzierungswelt –, dass Ladeinfrastruktur finanzierbar und damit sogar leasingfähig zum
Beispiel gemacht werden konnte, weil wir gesehen haben, dass ein so riesiger Infrastrukturbedarf entstehen wird. Und so standen wir wieder an dem Punkt zu sagen: Wie können wir das darstellen? Und was wir zwar 2018, aber immer noch gesehen haben, war, dass Venture Capital sich nicht in diesem Bereich wirklich getraut hat oder ihn als noch immer sehr unklar gesehen hatte. Das ging los, dass viele das als reinen Energieverkauf gesehen haben. So eine Ladestation ist nichts anderes als ein Energieabgabepunkt. Und im Stromverkauf kann man nicht
Geld verdienen. Also da gibt es auch keine Innovation. Das war, glaube ich, so eine Lehrmeinung damals. Und die andere war, dass es immer noch Stimmen gab, die die ganze Elektromobilität in Frage gestellt hatten. Ich weiß nicht mehr genau, wann es war – irgendwann im Laufe des Jahres 2018 hat VW dann diese All-electric-Strategie ausgerufen. Das halte ich im Nachhinein auch für den Punkt, an dem die Industrie sich darauf geeinigt hatte zu sagen: Okay, also dann ist es
jetzt so, dann können wir auf das Thema investieren. Damit wurde das Thema interessanter für viele Investoren und Strategen. In unserem Fall war es so, dass die Stadtcraft im Laufe des Sommers 2018 auf uns zukam – weil sie in Norwegen natürlich schon ein bisschen in die Zukunft der Elektromobilität geschaut hatte, um einen Euphemismus zu benutzen – und ein gutes Bild davon hatten, wie das aussehen könnte. Und für uns hat das gepasst, weil es zum einen jemand war, der natürlich auch die Kapitalkraft hatte, uns da voranzubringen, zum
anderen eben in Norwegen selbst ein Ladelösungsgeschäft hatte und zum Dritten in Deutschland auch schon der größte Vermarkter erneuerbarer Energie war mit dem Wind- und Solarportfolio. Also da hat vieles zusammengepasst. Und für uns war das die einzige Chance, um mit einem Strategen zu gehen und diesen Sprung – die Skalierung, auch die Internationalisierung – realisieren zu können. Okay, interessant. Und nochmal jetzt mehr auf die Probleme, Lösungen und Technologie einzugehen: Was waren, wenn man so will, die Portfolios eures Unternehmens? Wo hat es angefangen und wo hat es aufgehört?
Welche Anwendungsfälle habt ihr denn so gedeckt? Genau. Unsere Uridee war: Ein Arbeitnehmer hat einen Dienstwagen und will den zu Hause laden können. In der Verbrenner-Welt würde er eine Tankkarte haben, mit der er zur Tankstelle fährt, die Kosten werden beim Arbeitgeber abgerechnet, er hat nichts zu bezahlen, es ist mehrwertsteuerabzugsfähig, es ist eine Betriebsausgabe und so weiter. Dieses System wollten wir auf Elektromobilität übersetzen und haben gesagt: Wir bauen beim Arbeitnehmer zu Hause eine Ladestation auf, wir errichten einen eigenen Zählpunkt für die Stromlieferung,
wir liefern eigenen grünen Strom und wir rechnen das Ganze mit dem Arbeitgeber ab, sodass der Arbeitnehmer zu Hause Strom beziehen kann wie er will für sein Privatwohnen. Er kann zu Hause sehr bequem laden, er muss nicht in Infrastruktur investieren. Der Arbeitgeber muss das aber auch nicht, weil er es eben auch wie eine Betriebsausgabe als Service bekommt. Und der Grünstromnachweis ist auf jeden Fall erbracht, weil wir den Strom, den wir liefern, als Grünstrom eingekauft hatten. Also das war diese Uridee. Und die hat eigentlich sehr weit
getragen. Nebenideen waren dann so etwas wie Busladen, Depotladen, Strom für Zuhause, öffentliches Laden an selbsterrichteten Ladepunkten. Auch Beratung haben wir in gewissem Maße für Flotten gemacht. Also ein bisschen außen herum, aber das Kernthema war, dieses Zuhause-Laden zu entwickeln – und zwar so, dass man die Autos über Nacht lädt, wenn der Strommarkt günstige Preise bietet. Diese Optimierung haben wir mit Algorithmen dargestellt – damals sagte man noch nicht KI. Wir haben das natürlich mit maschinenbasierten Einkaufsstrategien dargestellt und ein Stromportfolio bewirtschaftet,
bei dem wir am Viertelstundenmarkt eingekauft haben, direkt am Viertelstundenmarkt. Also, für die Zuhörer: Es gibt ja den Spotmarkt, wo es eigentlich stündlich ist – im Day-ahead und im Intraday sind es dann eher 15-minütig. Und wart ihr dann selbst Energieversorger, oder habt ihr mit Energieversorgern zusammengearbeitet? Ich glaube, es gab ja auch mal eine Veröffentlichung mit Next Kraftwerke, die zu den bekanntesten virtuellen Kraftwerken in Deutschland gehören. Da habt ihr ja zusammengearbeitet. Genau. Also wir hatten
selber den Status Energieversorger. Und wir hatten bei dem Thema sehr viel Erfahrung aus der vorherigen Firma, wo wir auch Energieversorger waren – im Bereich Gas, nicht Strom. Aber wir kannten uns mit diesen energiewirtschaftlichen Themen gut aus und sind deswegen auch gleich selbst Lieferant geworden. Wir wollten aber nicht alle Marktrollen und alle Marktprozesse selber gestalten. Deswegen haben wir uns auch Partner gesucht. Vor allem brauchten wir auch einen Börsenzugang, also einen Mittler, der uns den Börsenzugang herstellt. Diese Punkte und auch die Innovation und die
digitalen Angebote von Next Kraftwerke haben dann dazu geführt, dass wir uns da zusammengetan haben. Das heißt, wenn ich es richtig verstanden habe, hattet ihr schon ein ganz großes Paket an Dienstleistungen für verschiedene Arten von Flotten. Mein Verständnis des Marktes ist: Es ist schon kompliziert, so viele Themen anzugehen – vor allem, wenn man so klein ist bzw. nicht so viele Mitarbeiter hat. Und insbesondere diese ganzen Sachen wollen ja Energieversorger in Deutschland oder die CPOs – im Fachjargon Charge Point Operators. Das sind dann so wie BEW oder Vattenfall oder
eben auch die Meers und Stadtkraft dieser Welt. Also ganz groß Shell, ganz große Unternehmen, wo ihr dann quasi im Wettbewerb auch gestanden seid. Ist das richtig verstanden? Genau, wobei man sagen muss: zu der Zeit standen wir faktisch nicht im Wettbewerb, weil diese Ladelösung, die wir entwickelt hatten, von ganz wenigen Anbietern überhaupt realisiert worden war. Also dieses Zuhause-Laden mit eigenem Zählpunkt ist bis heute kein sehr verbreitetes Thema. Die Ladelösungen im Sinne von Wallbox verkaufen und Strom beim Arbeitgeber abrechnen – die wurden sehr populär in dem Jahr
17, 18, 19, vor allem. Also ich würde sagen, am Anfang war einfach klar: wenn wir ganz schnell sind, dann haben wir eine Weile eine Marktchance. Aber es war eben auch klar, man muss das Angebot entweder in ein Komplettangebot einpacken und dann über intelligentes Laden, also über preisgesteuertes Laden zum Beispiel, eben für sich selber Wertschöpfung generieren, oder man muss sich in einer Nische eben weiterentwickeln. Und bei uns war damals schon abzusehen: wir wollen nicht in den Bereich öffentliches Laden gehen oder HPC-Charging
für Unterwegs-Laden, sondern wir wollten eben diesen Bereich Homecharging abdecken. Und perspektivisch hätten wir das weiterentwickelt, noch viel mehr im Sinne von Stromlieferung für Zuhause, Smart-Home-Dienstleistungen, flexible Stromtarife für Wärmepumpe, für Klimaanlage, PV-Einbindung – also all diese Themen, die jetzt sehr, sehr aktuell sind und wo man sich bestimmt in der Verbundleistung weiterhin entwickeln kann. Interessant. Und wie schaust du jetzt? Ich weiß nicht, ob du noch stark den Markt verfolgst und dann die Firma auch, wie sie sich entwickelt, beziehungsweise innerhalb dieser Meers und Stadtkraft. Wie hat
sich das entwickelt? Deines Wissens, also die Firma und dann auch der Markt im Vergleich zu damals, als ihr angefangen habt, vor zehn Jahren. Also man kann sagen, dass inzwischen ein reifer Markt mit vielen Playern und vielen spezialisierten Angeboten entstanden ist. Auch auf der E-World kann man das eigentlich gut sehen, dass die Dienstleistungen immer spezialisierter einzukaufen sind. Wir haben die Stadtkraft noch dabei unterstützt, dass die deutsche Gesellschaft zusammen mit den anderen Landesgesellschaften sozusagen harmonisiert wird. Und die neue Marke Meer wurde ja auch zu der Zeit
eingeführt. Meer Solutions – also aus der imobility, die, glaube ich, sogar die größte Landesgesellschaft war, ist dann am Ende die Meer entstanden, die heute in Europa in mehreren Ländern als Ladelösungsanbieter aktiv ist. Und die Frage, wo bei mir die Reise hingeht, die ist auch für mich schwer zu beantworten, weil ich das jetzt von außen natürlich mache und die Frage sich dann eigentlich schon in die Richtung entwickelt: wie wird der Markt für Ladelösungen in den nächsten Jahren aussehen? Und wenn du darüber spekulieren willst oder so
einen Ausblick haben willst, dann sehe ich auf jeden Fall, dass sich mit der Entwicklung in andere Fahrzeugflotten natürlich ganz neue Angebote ergeben werden. Wir haben jetzt seit letztem Jahr einfach Elektro-Lkw bis im Schwerlastbereich. Das ist eine völlig neue Kundengruppe, die ganz andere Ladelösungen fordern wird. Wir sehen im Bereich Digitalisierung – also man muss immer noch so sagen, dass da endlich Schwung reinkommt – in die Steuerung von Ladegeräten, Steuerung von Netz, Steuerung und Einbau von stationären Batteriespeichern und so weiter. Also da gibt es noch ganz viele Möglichkeiten, diese Digitalisierung
des Energiemanagements zu optimieren. Und ich sehe dann auch, dass sich der Bereich Ladeinfrastruktur teilen wird, wahrscheinlich zwischen Leuten, die ein eigenes Netz haben, und reinen Ladekartenanbietern. Also da muss sich jeder seine Nische suchen. Der eine ist vielleicht für Gelegenheitslader, für Privatleute, für Unternehmen, für große Flotten, kleine Flotten. Die weitestgehende Analogie, die ich sehen würde, ist, dass es so ähnlich wie im Telekommunikationsmarkt verlaufen könnte – als am Anfang auch ganz viele Reseller da waren, die einfach Telefontarife verkauft haben, und sich am Schluss natürlich beim Netz eine gewisse Konsolidierung
ergeben wird und bei den Angeboten zu den Nutzern hin einfach der B2B- und B2C-Markt sich stark teilen wird. Spannend. Und ihr wart ja auch ganz früh unterwegs beim Thema Energiemanagement. Diese Vision, die du da beschrieben hast am Anfang, wo ihr dann EE Mobility gestartet habt – ich nehme an, EE steht auch für erneuerbare Energien. Stand für Easy Electrics. Ach so, okay, interessant. Vielleicht kann ich das auch noch kurz erklären. Wir wollten unbedingt gründen und hatten keinen
Namen und haben uns gedacht, es muss natürlich sowieso ein Name sein, für den es auch eine Domain gibt und so weiter. Und an einer Stelle haben wir dann einen Cut gemacht und haben gesagt, wir machen einfach e-mobility mit zwei E und nennen das Easy Electric, oder einfach elektrisch. Und damit war der Findungsprozess erledigt. Siehst du, da können ja auch verschiedene andere Akronyme und Wörter kommen. Genau. Und wie siehst du auch das Thema? Die Energiewelt ist stark reguliert und Sachen passieren nicht so
schnell, wie man es sich erhofft. Also vor 2014 war das diese Idee gestartet. Und wir sehen immer noch, dass Bidirektionalität schwierig umsetzbar ist. Wie blickst du auf das Thema? Wenn ich es positiv ausdrücke, würde ich sagen, die Machbarkeit ist ja technisch da. Und dieser Trend wird sich nicht aufhalten lassen. Es gilt für bidirektionales Laden genauso wie für Smart Meter oder intelligente Messsysteme. Diese energiewirtschaftlichen Hürden, oder sagen wir mal Unklarheiten, die werden sich lösen, leider nicht so schnell wie erwartet. Aber der Druck auf das Stromnetz
nimmt ja aus jeglicher Sicht zu – also sowohl die Nutzungsgrade, die Auslastung, die Verwaltung, die Kosten. Digitalisierung ist, denke ich, ein Weg, der sehr viele Themen lösen wird, auf einmal. Also deswegen: Klar kann man sagen, 2014 haben wir bidirektionales Laden und Viertelstundentarife auf der Agenda gehabt, und jetzt auf der E-World ist das immer noch ein aktuelles Thema, das nicht völlig gängig ist oder praktisch kaum der Rede wert. Aber ich sag mal, da habe ich die Hoffnung, dass wir das lösen werden. Man muss
optimistisch bleiben bei bestimmten Themen. Und du hast Lkws erwähnt als spannendes neues Thema, und Batteriespeicher. Vielleicht kannst du nochmal ergänzen, was für Herausforderungen im Vergleich zu euren Pkw- und Buserfahrungen an Flotten jetzt mit diesen neuartigen Flotten beziehungsweise mit noch mehr Energiemanagement-Themen, die aufkommen, verbunden sind. Was würdest du sagen? Was sind so die verschiedenen Herausforderungen? Ich denke, man kann es erstmal natürlich ableiten vom heutigen Lkw-Fernverkehr: Die Gefäße, sozusagen die Vehikel, sind viel größer. Die Batteriekapazitäten sind das Fünf- bis Zehnfache von Pkws. Die Fahrleistungen sind
das Fünf- bis Siebenfache eines durchschnittlichen Pkws. Die Anforderungen sind insofern völlig anders, weil wir einen gewerblichen Verkehr haben, einen Fahrplanverkehr, einen ökonomisch viel planbareren Verkehr – was umgekehrt auch heißt, es wird ganz anders gerechnet. Also hier sind Kosten einfach transparent und werden klar berechnet. Damit kann sozusagen auch die Opportunitätsrechnung Verbrenner versus Elektro ziemlich genau bestimmt werden. Das heißt, im Lkw-Bereich kennen wir den Breakeven und wissen, wohin die Reise gehen wird. Und was das Laden anbelangt – also Ladeparks für das Unterwegs-Laden zum Beispiel –
muss das natürlich auch für einen Lkw-Fahrer-Setup passen. Die Ruhezeiten der Fahrer werden berücksichtigt werden, im Sinne von: Da will jemand essen, duschen, schlafen oder irgendwas anderes erledigen. Das ist ein ganz anderes Setup als meine Familie, die in Urlaub fährt und was essen will und sich zum Beispiel einen Spielplatz wünschen würde. Aber ich denke, beim Thema Ladeparks ist es sowieso so, dass wir neben der Ladestation ein Serviceangebot außenrum errichten müssen, damit der Ladevorgang attraktiv ist und damit dort auch die Ladepreise
oder die Ladeangebote monetarisiert werden können. Gibt Sinn. Und beim Thema Netzanschlussleistungen – siehst du da auch Herausforderungen, wo wir nicht genügend Ladeparks für Lkws erstellen können, weil das ja ganz schön große Leistungen sind, die auf uns zukommen? Bei Bussen waren es auch große Leistungen in Depots, aber vielleicht sind die Gegebenheiten anders. Denkst du, das wird eine Sache sein, die uns in Probleme führt, oder wie schaust du da drauf? Das Thema Netzanschluss ist ja gerade auch viel debattiert, und generell ist Netzanschluss im Augenblick ein
knappes Gut. Das hängt auch mit dem Netzausbau zusammen, hängt aber umgekehrt auch damit zusammen, dass wir im Sinne der Digitalisierung auf dieser Seite wenig Netzoptimierung betreiben können. Der gute Punkt ist, dass Batteriespeicher sehr günstig geworden sind. Wir können einen Teil dieser Nachfrage- und Angebotskurven, die nicht übereinanderliegen, über Batteriespeicher oder Lastverschiebung glätten. Es wird aber natürlich schon so sein, dass, wenn der Lkw-Verkehr – also der elektrische Lkw-Verkehr – sich so entwickelt, wie man das im Augenblick glaubt, enorme Leistungen an Lkw-Ladeplätzen verfügbar sein müssen. Und
da denke ich, wird es Lösungen geben müssen, die zum Beispiel in die Richtung gehen, dass man über Nacht gesteuert lädt, dass das gleichmäßig verteilt ist, dass das ein Managed Charging ist, dass man die Verzahnung mit lokaler Produktion gut macht – mit Wind, mit PV –, dass man über Batteriespeicher weiterkommt, oder dass man Incentives schafft und sagt: Ein Lkw ist unterwegs, der könnte jetzt hier laden oder fünf Kilometer weiter, in einer halben Stunde oder in zehn Minuten, und man das preislich
incentiviert und sagt: Wenn du jetzt hier laden musst und der Netzanschluss hier aber knapp ist, dann kostet Laden eben mehr als an der anderen Stelle, wo gerade die Sonne scheint, der Batteriespeicher voll ist und jemand Energie abgeben will. Also diese Dynamisierung, die wird kommen. Und das Gute ist, dass wir hier in einem Bereich sind, der jetzt entwickelt wird und der von vornherein digital und vernetzt stattfinden wird. Damit können wir, glaube ich, ganz viele Netzengpässe auf diese Weise schon etwas entschärfen. Gut. Und jetzt
kommen wir kurz zum Jetzt und Ausblick. Was treibt dich gerade um nach dieser Erfahrung mit E-Mobility? Ich habe auch gesehen, dass du jetzt bei Green Code bist und du hast auch deine eigene Firma noch, mit der du, glaube ich, berätst. Kannst du vielleicht mal sagen, was dich heutzutage umtreibt, wie du deine Zeit verbringst und was noch geplant ist, sozusagen in der Schublade steckt? Also zum einen besuche ich dich
gerne, um deine Ideen und deine Firma immer wieder zu sehen und zu schauen, wie du hier weiterkommst. Generell interessiert mich das Thema Energiemanagement, erneuerbare Energien und Elektromobilität weiterhin sehr. Ich bin zum anderen aber auch der Meinung, dass diese ganzen Erfahrungen des Gründens und Unternehmensaufbaus eine so wertvolle Erfahrung sind, dass es eigentlich schade ist, wenn man die einmal macht und danach nichts anderes mehr damit machen kann. Also deswegen habe ich auch Interesse an Start-ups in einer ganz frühen
Phase, in der Seed-Phase oder auch Ideen, wo Leute ein MVP haben, einen guten Prototypen, und den kommerzialisieren wollen, um da Unterstützung zu geben bei Business Development, Strategie, Finanzierung, Investorenansprache und so weiter. Und ich stelle fest, dass einfach im Bereich Energie unheimlich viele tolle Ideen unterwegs sind. Und für mich ist dann die Kombination aus Gründungsberatung und der fachlichen Expertise eine gute Kombination, um etwas weiterzuentwickeln oder zu schaffen. Also diesen Antrieb habe ich weiterhin, beim Aufbau neuer Geschäftsmodelle zu unterstützen. Und da bietet die
Energiebranche einfach ganz viel Betätigung. Gibt Sinn. Ja. Was sind so Themen, wo du da – LKWs und Energiemanagement, sind das so deine Lieblingsthemen gerade? Oder wir haben auch Batteriespeicher gesagt. Was sind so Themen, wo du wirklich speziell interessiert bist? Also ein Thema, das wir uns gerade näher anschauen, ist: Wie kann ich Batteriespeicher in Ladelösungen besser integrieren, auch mit lokaler Stromproduktion? Kann ich das so schaffen, dass ich dieses Thema Netzanschluss in seiner Komplexität damit reduzieren kann? Auf
der anderen Seite auch diese ganzen Fragen, wie ich Ladeangebot und Ladebedarfe zusammenbringe. Also wird es da einen Marktplatz geben, bei dem man Ladekapazitäten versteigern kann, bei dem man sie buchen kann, bei dem man reservieren kann, bei dem vielleicht Themen eine Rolle spielen wie: Ich möchte das Auto laden mit garantiertem Grünstrom, mit meinem eigenen Strom, den ich mitbringe, mit einer PV-Beteiligung, die ich an einem PV-Park habe. Ich denke, dieses ganze Matching von Ladebedarf und Ladeangeboten – das ist ein Bereich, in dem man noch viel entwickeln kann und der
natürlich auch eine gewisse Grundgesamtheit braucht, die wir aber inzwischen haben, um da eine Effizienz zu erzielen. Und dann vielleicht nochmal auf die Start-up-Erfahrung einzugehen: Du hast ja dann geexitet. Was hast du an Tipps für die Phase des Exits spezifisch, wie man da einen guten Exit erreicht? Und welche großen Tipps – vielleicht die Top-drei-Tipps – hättest du für erfolgreiches Gründen für die Zuhörer? Zum Thema Exit kann ich erstmal aus der eigenen Warte sagen: Als wir
die Immobility gegründet haben, haben wir fast überhaupt nicht an den Exit gedacht. Das war gut und schlecht – es gibt für beides Argumente. Aber wir haben eigentlich ganz lange die Idee gehabt: Wir gründen diese Firma, wir folgen diese Idee, und wir hoffen, dass wir es realisieren können, und wollen das unabhängig und alleine machen. Deswegen auch aus der Erfahrung heraus: Jede Finanzierungsrunde, auch die erste kleine, ist gewissermaßen schon ein Schritt zum Exit. Es gibt eigentlich keine Transaktionsstruktur – fast keine –, bei der man hinterher genauso unabhängig ist wie vorher.
Das heißt, es gibt eine sozusagen aufbauende Konditionalität. Und deswegen ist meine Erfahrung, aber auch meine Rede immer an Gründer: Wenn du eine Finanzierungsrunde machst – das ist von dieser Warte aus egal, ob man 20, 30 oder 51 % abgibt –, weil es ist der Beginn einer Reise, die am Ende zu einem Exit führen wird. Und deswegen muss man sich einfach nur klar sein über seine eigenen Motive: Will ich reich werden? Will ich unabhängig bleiben? Will ich sozusagen mit einer guten Idee klein bleiben? Halte ich
das aus, finde ich das gut? Es gibt auch viele Beispiele für Unternehmen, die auch mit 45 Leuten ein gutes Leben führen und lange gute Sachen machen. Oder geht es mir darum: Ich will globalen Footprint, ich will skalieren, ich will Prominenz, ich will eine große Firma aufbauen? Das sind einfach Motive, die sich die Gründer am Anfang auch überlegen sollen – und vor allem überlegen sollen, wenn sie in einer Finanzierungsrunde sind: Mit welchen privaten Zielen verbinde ich diese Finanzierungsrunde? Und letztlich, beim Podcast
geht's auch viel um Flotten und Fuhrparkleiter, die vielleicht jetzt mitten in der Elektrifizierung sind oder gerade angefangen haben. Was sind so deine Top-Ratschläge, was man da beachten sollte für eine erfolgreiche Flottenelektrifizierung, auf Basis deiner Erfahrung? Also auf jeden Fall empfehle ich erst mal einen gewissen Enthusiasmus für das Thema – sonst nähert man sich dem, glaube ich, mit einer falschen Motivation. Und gleichzeitig aber bin ich völlig der Meinung, dass eine Elektrifizierung einer Flotte wirtschaftlich sinnvoll sein muss und zu den Use Cases und den Anforderungen
der Nutzer passen muss. Ich denke, jeder hat in seiner Flotte einen Teil an Mobilität, die man elektrifizieren kann. Bei manchen wird der klein sein, bei anderen groß. Da muss keiner etwas überstürzen und sagen, das muss alles elektrisch werden bis in 12 Monaten oder so, weil man muss einfach die geeigneten Fahrzeuge, die geeigneten Modelle, die geeigneten Lösungsangebote, die geeigneten Fahrprofile und so weiter matchen können. Und deswegen glaube ich: Kein Flottenmanager muss das übertreiben. Aber er soll sich so informieren, dass er einen gestaffelten Übergang im
Kopf entwickeln kann, weil ich glaube, dass Elektromobilität einfach die überwiegende Form der Pkw-Mobilität sein wird. Ja, bin ich bei dir. Und zu guter Letzt: Wie kann man dich erreichen? Und wer soll dich auch gerne ansprechen? Was suchst du momentan, was sind gerade deine Zielsetzungen? Jeder darf mich gerne kontaktieren zu Themen, die Gründung und Strategieentwicklung betreffen im Bereich Energie, erneuerbare Energie, Elektromobilität, alle Fahrzeugklassen, alle Lösungsangebote, alle Dienstleistungen rund um Charging und rund um Energiemanagement. Man kann mich auf LinkedIn erreichen oder über dich, Claudio, bestimmt. Da
bin ich auch gerne ein Sparringpartner. Ich diskutiere gerne neue Ideen und glaube, ich bin auch ganz geübt inzwischen darin, eine Vision darin erkennen zu können. Also sehr gerne offen für die Diskussion neuer Ideen. Ja. Super. Spannend. Danke dir, Klaus. Und schön, dass du hier dabei warst. Vielen Dank, Claudio. Ja, das war die Folge mit Klaus. Ich hoffe, sie hat euch gefallen. Ich finde das spannend, wie so ein Gründer zweimal zwei von zwei Firmen erfolgreich gemacht hat. Das ist einzigartig, wenn man vor
allem die Statistik von nur 10 % der Firmen, die gegründet werden, es schaffen, sich vor Augen führt. Auch unglaublich zu sehen, was es auch alles an Hintergründen gibt bei Gründern. Also jemand, der kein Ingenieur war, hat dann in der Energiebranche und E-Mobilität gegründet und ist auch super erfolgreich. Man spürt, dass Klaus auf jeden Fall viel Leidenschaft, Kompetenz und Enthusiasmus immer mit reinbringt in seine Herausforderungen und dass er sich tagtäglich immer noch mit dem Thema beschäftigt, wobei er ja eigentlich schon vor über
zehn Jahren gegründet hatte und jetzt noch mal mit Vollblut dabei ist. Ich habe ihn übrigens auch schon vor längerem kennengelernt, mich von E-Mobility inspirieren lassen. Der Tipp kam über Next Kraftwerke von Jochen Schwill und weiteren Freunden, die ich dort hatte, die mir den Tipp gegeben haben. Und ich war dann ja mit ihm im Austausch. Ich hoffe, ihr konntet was davon mitnehmen. Hört gerne rein in den nächsten Folgen. Wir haben spannende weitere Gäste. Und falls ihr noch Tipps habt, zu wem
wir als nächsten Gast haben sollten, meldet euch. Ja, es wird spannend. Alles zum Thema Energiemanagement und Elektroflotten.
Notizen zur Folge
In dieser Folge geht es um Gründen in der Energiebranche – und wie man es gleich zweimal erfolgreich macht! Mein Gast Klaus hat zwei Unternehmen aufgebaut und zeigt, wie Leidenschaft, Kompetenz und Netzwerke entscheidend sind. Besonders spannend: Er kam als Branchenfremder in die Energie- & E-Mobilitätswelt und wurde trotzdem erfolgreich. 💡 Was sind seine Learnings & Tipps für angehende Gründer? Welche Herausforderungen und Chancen sieht er für die Zukunft der Elektrifizierung von Flotten und der Energie-Branche? 📢 Lasst euch inspirieren & erfahrt, was es braucht, um in der neuen Energiewelt durchzustarten!