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Smart Charge · 20 February 2025 · 43 min

Ep. 3: Octopus Energy, Dynamische Stromtarife, Smart Meter, KI & intelligentes Laden – Was bremst die Energiewende?

Transkript

Aus einem maschinellen Transkript bereinigt. Übersetzungen sind maschinell erstellt und können Fehler enthalten.

Welcome to the Smart Charge by RiDERgy Podcast. This is Claudio Geyken, founder and CEO of RiDERgy. This is your show to learn about all things energy management and smart charging innovation for electric vehicles and fleets.

Herzlich willkommen zu unserem Panel „AI Meets Energy – Welche Rolle spielt KI in der Energieversorgung von morgen?" Wie von Emily schon angekündigt: Mein Name ist Sofia Trojanowska und ich arbeite mit Energie- und Versorgungsunternehmen in Deutschland, aber auch in Europa zusammen zur Dekarbonisierung und Digitalisierung jener. Denn mein Ziel ist es, die Erderwärmung zu minimieren und unsere Gesellschaft vor der Erderwärmung zu retten. Mit diesem großen Weltziel gehen wir auch in dieses wunderbare Panel ran, denn KI als Treiber der Energiewende ist unabdingbar. KI-basierte Systeme sind entscheidend für die

Energiebranche, um die aktuelle Transformation der Energieversorgung zu meistern und sie zukunftsfest aufzustellen. Wir brauchen ein effizienteres Netzmanagement für das zunehmend volatile Energienetz, vorausschauende Wartung für das zunehmend komplexe Energienetz, auch erhöhte Cybersicherheit für die Digitalisierung in unserem Energienetz. Last but not least ist auch eine individualisierte Kundenkommunikation wichtig, um wiederkehrende Fragen effizient zu beantworten. Denn aktuell haben wir noch einen begrenzten Einsatz von KI in Pilotprojekten, und das wollen wir heute thematisieren. Das Ziel unseres Panels ist es, in unserer Expertenrunde über langfristige Lösungen, aber auch aktuelle Herausforderungen

zu sprechen und vielleicht auch einen Appell an die Regulierung und die Politik zu formulieren, um den KI-Einsatz in der Energiebranche flächendeckend zu gestalten. Wir hatten schon mit Christoph Bingener die Vorstellung von wunderbaren Start-ups. Und wenn ich hier das erste Mal auf der E-world bin, sehe ich auch unheimlich viele junge, dynamische Leute. Das heißt, es gibt nicht nur die alten Player im Energiebereich, sondern auch die jungen Menschen, die zunehmend innovieren und auch eine Bühne bekommen, was wunderbar ist. Dieses Panel – das will ich auch noch mal sagen – wird

aufgenommen im Rahmen eines Podcasts, wodurch wir dann auch noch mal mehr in den Austausch im Nachhinein gehen können. Ich bitte Sie alle um einen herzlichen Applaus für unsere zwei Speaker: Claudio Geyken, CEO und Gründer von RiDERgy,

und Bastian Gerold, CEO von Octopus Energy Germany.

Vielen Dank. Es ist wunderbar, dass ihr heute hier auf unserer Bühne seid.

RiDERgy ist ein Anbieter von B2B-Energiemanagementsoftware für die Kostenoptimierung von Elektroflotten. Ein wunderbares neues Engagement, eine tolle Technologie, die wir jetzt besprechen wollen. Danke schön, dass du da bist. Danke dir. Und danke auch dem Bitkom für die Einladung. Octopus Energy ist ein weltweit aktives Energietech-Unternehmen, ein Pionier erneuerbarer Energielösungen und Anbieter des Nullenergiekostenhauses, zudem einer der größten Investoren in erneuerbare Energien in Europa, was wir dringend brauchen. Das Portfolio beträgt 8,4 Milliarden €, so wie ich recherchiert habe. Willkommen. Danke, vielen Dank. Freut mich sehr, hier zu sein.

Gut, dann steigen wir gleich in unsere Diskussion ein – locker flockig. Ich wollte von euch gerne wissen, wie ihr momentan KI in euren Unternehmen einsetzt. Hat es schon eine Schlüsselrolle? Bewegt es sich da rein? Wie verhält es sich? Fangen wir mal mit RiDERgy an. Nochmal zum Verständnis – die Frage ist: Kannst du es wiederholen, wie du momentan KI in deinem Unternehmen einsetzt? Okay. Ja, also vielleicht zum Hintergrund ein bisschen Kontext. Es geht darum, dass wir sowohl am Depot und am Unternehmensstandort von Unternehmen Energie optimieren, aber dann

auch perspektivisch an verschiedenen Standorten – wie auch vom Vorredner ein bisschen angeteasert. Ein großes Problem, das wir jetzt im Hinblick auf die Energie- und Mobilitätswende haben, ist, dass wir verstehen müssen, wie jedes einzelne Fahrzeug verwendet wird – sei es von einem Arbeitnehmer, sei es von einem Logistiker, sei es ein Bus etc. Dafür mussten wir in der Vergangenheit nicht viel machen, es war beim Tanken nicht nötig. Aber in der Energiewelt, wie wir heute und morgen schon viel gesehen haben, ist es essenziell, dass diese Daten verwertet werden und die

Vorhersage präzise ist und mit Risiken eingeschätzt werden kann – hauptsächlich dafür, dass man die Vorhersage eines jeden einzelnen Fahrzeugs, sowohl in einer Flotte als auch im Heimbereich, treffen kann. Dafür ist es essenziell, dass KI benutzt wird. Es geht auch anders – es geht auch ohne KI, sei auch mal gesagt. Man kann auch mit Faustregeln und einfacheren Regeln erst mal agieren. Aber wenn wir die Optimierung gut machen wollen, ist das ein wesentlicher Baustein auch von RiDERgy. Zweitens: dadurch, dass wir als Modul, wenn man so will,

in dieser neuen Softwarewelt der Energiewelt agieren, ist es essenziell, dass wir in der Lage sind zu kooperieren, auch mit anderen Assets. Diese Daten und diese KI-Algorithmen der Vorhersage der Mobilität müssen im Zusammenspiel mit Batteriespeichern, mit der Vorhersage einer Solaranlage und mit den Energiemärkten und den Netzen im Zusammenklang agieren. Reinforcement Learning ist auch dort essenziell. Also wir sprechen – auch nur zum Verständnis vielleicht für diejenigen, die in der KI nicht so drinstecken – nicht von LLMs und Sprachmodellen, sondern wirklich von dem

was schon vor OpenAI stattgefunden hat. Deep Learning und Reinforcement Learning als die essenziellen Modelle, die für uns relevant sind. Verstanden. Das ist unheimlich interessant. Und ich kann mir auch vorstellen, dass die Datenintegration natürlich auch eine sehr wesentliche Rolle spielt. Wir werden darauf jetzt noch mal später zurückkommen. Und auch an dich, Bastian: Wie integriert ihr jetzt schon KI in eurem Geschäftsmodell? Also, wir haben da schon mehrere Ansätze. Ich glaube, man kann das grob clustern in zwei Bereiche. Das eine ist wirklich die Interaktion mit dem Kunden. Wir

fokussieren sehr stark darauf, enge Kundenbindungen aufzubauen und wirklich Top-Service zu liefern. Auch weil wir sagen: Den Kunden, den ich heute auf einem Standard-Lastprofil auf einem normalen Stromvertrag hervorragend begleite, das ist auch jemand, den wir mitnehmen können in die Zukunft der Energiewende, wenn es um viel komplexere Produkte geht. Wo benutzen wir da jetzt KI? Zum Beispiel: Wenn wir Kundenanfragen haben, haben wir Sprachmodelle, die uns helfen, eine Historie eines Kunden vorauszuwerten. Man kennt das alles: Man ruft an bei seinem Energieanbieter und

hat ein Problem. Und man muss jedes Mal das gesamte Problem wieder schildern, weil man den Ansprechpartner, den man hatte, jetzt zum ersten Mal hat. Dann erklärt man wieder von Adam bis Eva, was da alles passiert ist. Da sind E-Mails geflossen, da gab es unterschiedliche Telefonate zwischendurch. Bei uns läuft es so, dass unser System, mit dem wir arbeiten, das aggregiert. Wenn man anruft, hat der Agent, unser Customer-Service-Mitarbeiter, auf einmal die Übersicht: Was ist bisher passiert? Was ist die Problematik? Und an

welchem Schritt befinden wir uns? Das heißt, das gesamte Gespräch ist viel kürzer, präziser und schneller abgehandelt für den Kunden. Wir können einen höheren Service bieten und mehr Kundenanfragen beantworten. Das gilt beim Anruf, aber auch bei der E-Mail, wo KI uns unterstützen kann, schneller die richtigen Maßnahmen zu finden und die Antworten präziser auf den Kunden zuzuschneiden. Das war jetzt mal die Kundenseite. Auf der anderen Seite sehen wir die Entwicklung, die wir haben. Und wir sehen das ja hier

im Endeffekt an jeder Stelle: Erneuerbare Energien, Flexibilisierung, viel komplexere Systeme. Wie planen wir das alles? Wie gehen wir damit um, dass Strom einfach nicht mehr immer gleich aus der Steckdose kommt und gleich verbraucht wird, dass wir EVs haben, die zu gewissen Zeiten geladen werden sollten und zu gewissen Zeiten nicht geladen werden sollten? Es gibt erhebliche Datenmengen vom Netzbetreiber, Wetterdaten, die man mit reinnimmt, Verbrauchsdaten, die man mit reinnehmen soll. Diese Menge an Daten zu managen und darauf optimiert Strom einzukaufen beziehungsweise

das Netz zu stabilisieren, ist extrem schwierig für Menschen – es ist eigentlich zu komplex. Wofür so etwas besonders eine gute Aufgabe ist, sind KI- bzw. AI-Modelle. Die können das besonders gut. Und da nutzen wir sie heute auch schon. Ja, superinteressant. Ich habe auch ein bisschen recherchiert. Magic Inc. als Tool ist ja auch etwas, was ihr anwendet und entwickelt habt. Und in der Tat werden Antwortzeiten verkürzt und die Servicequalität gehoben. Und ich meine, bei uns allen ist es so: Wenn wir den Hörer in die Hand nehmen

und irgendwo anrufen, wollen wir schnell bearbeitet, verarbeitet und beraten werden und nicht unnötig Zeit vertrödeln mit Wartezeiten. Wunderbar. Dann gehen wir einmal in den Hauptteil der Diskussion rein: die aktuellen Herausforderungen. An dich, Claudio: Wenn wir über Betriebskosten für Elektrofahrzeuge nachdenken, sind die ja nicht unerheblich. Kannst du uns erklären, wie die KI-Lösung jetzt die Betriebskosten senkt und potenziell auch zukünftig Erträge generiert? Also, geht es mehr um die Lösungen zunächst? Okay.

Also, die Herausforderungen habe ich ja schon ein bisschen angedeutet. Noch mal kurz vertieft, damit man die Herausforderung versteht: Diese Vorhersage zu machen – das passiert, wie Bastian auch schon meinte, zum Teil noch manuell. Ein Fuhrparkleiter musste zum Teil seinen Fahrern sagen: Stecker rein, Stecker raus – tatsächlich manuell. Das kann natürlich bei ein paar Fahrzeugen noch funktionieren. Allerdings muss das dann automatisch gesteuert werden. Das ist eine große Herausforderung. Die Netzanschlussleistungen, die vorhanden sind, liegen meistens bei 80 kW –

ein üblicher Wert. Bei einer gewissen geringen Anzahl von Ladepunkten geht das noch ohne Energiemanagement, sonst drohen die Sicherungen zu fliegen. Und das ist ein Riesenproblem, weshalb der Pain einfach sehr groß ist, gerade bei Flotten mit mehr als wenigen Fahrzeugen. Die Betriebskosten, insbesondere bei Logistikern, wo die Margen sehr niedrig sind, stellen ein großes Problem dar: Sie wollen die TCO minimieren. Das geht über Lastspitzenkappung, bessere Energiebeschaffung sowie Solar- und Batteriespeicher-Kombination – so die Herausforderungen, die

uns als Unternehmen noch vorliegen. Welche Flotten haben denn genügend Elektrofahrzeuge, dass es sich lohnt, Kosten zu minimieren? Das ist eine große Herausforderung. Allerdings sehen wir auch, dass es immer mehr Flotten in Deutschland gibt – insbesondere die großen Corporates haben zum Teil Hunderte bis Tausende von Ladepunkten an ihren Standorten. Das sind die präferierten Kunden, bei denen wir optimistisch bis zu 50 % Energieeinsparungen erzielen können – realistisch und sehr konservativ gerechnet eher 10 bis 20 %. Und wenn bidirektionales Laden kommt, wird das auch

zu einem Riesentreiber noch werden, was Energieeinsparungen bedeutet. Was noch ein Problem ist, was wir so adressieren: Konventionelle Legacy-Systeme waren mit lokalen Controllern und mussten viel mit lokaler Hardware und Modbus – für diejenigen, die in der Technik sehr drinstecken – Protokolle agieren. Neuere, Cloud-basiertere Systeme und Echtzeit-Steuerung der Systeme ist auch eine der Kernlösungen, die wir am Markt bringen, wo wir nicht so stark gebunden sind, immer nur mit lokaler Hardware zu agieren.

Ja, sehr spannend. Also insbesondere Vehicle-to-Grid, um da jetzt nochmal ein bisschen reinzuklicken: Was denkst du, wann ist der Zeitpunkt? Wann werden wir Vehicle-to-Grid in Deutschland sehen? Eine Roadmap und die Herausforderungen – soll ich jetzt oder später darauf eingehen? Jetzt. Okay. Ja, bidirektionales Laden, sagen wir mal als Oberbegriff, und V2G als eines der Wege, das umzusetzen. Da gibt es, wie ich darüber denke, drei Dimensionen. Zum einen sind es die steuerlichen Abgaben, die glücklicherweise von Habeck zuletzt in Deutschland zumindest abgeschafft worden sind. Allerdings bleiben die Netzentgelte, und das

killt den Business-Case. Also sprich: die Regulatorik hat auf Netzentgelt- und steuerlicher Ebene noch Bedarf. Dann zweitens sprechen wir von Interoperabilität. Das sind Protokolle – ohne zu stark ins Detail reinzugehen – aber ISO 15118-20, OCPP etc. Da gibt es einige Protokolle, die noch nicht vollständig von allen Stakeholdern implementiert worden sind, um das zu erreichen. Und dann gibt es die elektrotechnische Ebene, wo wir bestimmte Ladesäulen mit AC/DC und Fahrzeuge mit AC/DC brauchen, die das können, allerdings noch nicht flächendeckend. Das heißt, um Bidirektionalität generell zu

ermöglichen, muss man an diesen Hebeln arbeiten. Gewisse Use-Cases sind jetzt schon möglich. Vehicle-to-Load hat, glaube ich, fast jedes Elektrofahrzeug mittlerweile. Das ist ganz cool, also wo man das Fahrzeug entladen kann für Bedarfe wie Camping oder andere Anwendungen. Und die anderen Use-Cases: Vehicle-to-Building wird als nächstes kommen, und V2G wird zu guter Letzt kommen, wo man dann auch in der Marktkommunikation gewisse Änderungen vornehmen muss. Ja, Marktkommunikation – eine Riesenchallenge. Jetzt auch nochmal eine Abschlussfrage für

dich, also jetzt für dieses Paket: Welche Hürden siehst du bei der Implementierung deiner Technologien bei Kunden? Sind das große Investitionen? Ist es der Prozess, sind es Daten? Was sagst du? Die Praxisimplementierungshürden. Ja, also Daten sind auf jeden Fall ein Thema. In der Mobilitätswelt gibt es verschiedene Systeme, die angewendet werden oder nicht angewendet werden: Telematik, ERP, TMS – also Enterprise Resource Planning, Stichwort SAP, und TMS. Flottenmanagement-Systeme – insbesondere Logistiker haben das viel. Und da gibt es viele, viele Systeme, also

dass man ein Tool hat, das das abstrahiert und in einer API zur Verfügung stellt – das ist ein Thema, was uns viel beschäftigt: wie man diese Mobilitätsdaten harmonisiert und bündelt. Und dann ist Know-how auch ein Thema, das mein Vorredner auch angesprochen hat – dem würde ich komplett zustimmen. Wir sind hier ein bisschen die Geeks in der Energieszene, sobald man dann wirklich in der Mobilitätswelt versucht, mit dem Fuhrparkleiter zu sprechen. Da ist noch viel Education nötig, was nicht böse gemeint ist. Aber das ist

vom Timing für solche Lösungen wie unsere zum Teil sehr schwierig. Da muss man wirklich den Richtigen finden, der auch in der Lage ist und auch will, das auf die Agenda zu setzen. Ich glaube aber, wir bleiben am Ball und sind überzeugt, dass je mehr E-Fahrzeuge in jeder Flotte am Markt sind, desto größer der Pain ist – und dann sind wir bereit. Verstanden. Ja, sehr interessant. Vielen Dank. Nun an dich, Bastian. Dein Null-Energiekostenhaus ist ja ein spannender Ansatz für nachhaltiges

Wohnen. Wie unterstützt KI hier die Optimierung von Energieverbrauch und Speicherung? Du hast ja schon einiges angesprochen, so Energiemanagementsysteme und so. Aber ich würde jetzt gerne nochmal verstehen, wie das in diesem Null-Energiekostenhaus passiert – oder bei uns zu Hause. Kannst du das ein bisschen beschreiben? Ja, durchaus. Das Thema ist – wer das nicht kennt: unser Zero-Bills-Haus, unser Null-Energiekostenhaus. Das ist ein Konzept – und nicht nur ein Konzept, das gibt es wirklich –, wo PV-Anlage, Speicher und Wärmepumpe verbaut sind in dem Haus. Wir haben einen Smartmeter

und wir haben dann die Technologieplattform – wir benutzen Kraken –, die im Endeffekt die Erzeugung, den Verbrauch, den Einkauf und den Verkauf von Strom an den Markt so optimiert, dass die Menschen, die in diesem Haus wohnen, 0 € für ihre Stromrechnung zahlen und demnach auch für ihre Heizrechnung, weil sie eine Wärmepumpe haben. Das ist perspektivisch auf die nächsten sechs bis zehn Jahre ausgelegt. Das ist natürlich ein sehr komplexes Setup. Da geht es darum, genau zu optimieren, weil wir natürlich keinen Komfortverlust haben wollen in den

Häusern. Es geht nicht darum, irgendwie runterzuregeln oder zu steuern, was wir ja hier in Deutschland ganz gerne machen – diesen Weg über die Steuerbox, den wir einschlagen wollen, §14a, den Leuten Sachen zu reduzieren und wegzunehmen, wenn wir ein Problem im System sehen –, sondern vielmehr hinzugehen und zu sagen: Wie kann ich dieses Gebäude als virtuelles Kraftwerk sehen? Wie kann ich die Optimierungen darin umsetzen, die allein schon bedeuten können, dass man diese ganzen Komponenten gegeneinander optimiert? Und das hat ja nicht nur etwas mit Ist-Momenten zu tun

im Energiemarkt, sondern eben auch mit Prognose. Wie entwickelt sich das Wetter gerade? Wie sehen wir – jetzt wieder im Februar – das Wetter hat einen extremen Einfluss auf den Strommarktpreis. Das Wetter hat einen Einfluss darauf, wie stark die Erneuerbaren generiert werden oder nicht. Und diese Punkte muss man alle mit einrechnen in solche Optimierungen. Und dazu braucht man ein intelligentes System, das das übernimmt.

Ja, absolut spannend. Insbesondere wenn man sich vorstellt, dass man in einem Null-Energiekosten-Haus in der Zukunft leben kann. Vor fünf Jahren, vor zehn Jahren hätte man beide Lösungen noch gar nicht so wirklich greifen können. Und jetzt ist es eigentlich schon fast Realität. Richtig? Auch an dich, Bastian: Wenn ihr euer Geschäftsmodell skaliert – ihr habt ja angefangen, UK-seitig, in England, 2015, und dort seid ihr ja auch schon riesig. Ihr habt einen beträchtlichen Marktanteil, seid der Number-One-Energie-Market-Player in England. Wie wird sich das in Deutschland entwickeln? Was ist deine Vision für den deutschen Markt?

Tatsächlich, in Großbritannien sind wir innerhalb von acht, beziehungsweise inzwischen seit neun Jahren von einem Energie-Startup zum größten Energieanbieter des Landes gewachsen. Und das ist wirklich über Kunden hinweg – also Standard-Stromkunden und Energiekunden. Aber wir machen auch E-Leasing, wir machen Wärmepumpenverbau, wir machen Smartmeter-Verbau, wir machen Solar. Wir haben eben so innovative Konzepte wie Zero Bills Home oder wie Intelligent Octopus, was ein bisschen in deine Richtung geht – nur für den Einzelhaushalt: die Optimierung, die Ladeoptimierung von einzelnen EVs. Das wollen wir hier in Deutschland auch machen. Das ist unser Ansatz, weltweit zu sagen: Wir wollen alles das, was

wir in Großbritannien oder auch in anderen Märkten erprobt haben, in die jeweiligen Märkte bringen. Wir wollen auch hier einer der größten Energieanbieter werden, was Energiekunden angeht. Aber wir sind jetzt auch schon dabei, innovative Lösungen seit einem Jahr hier an den Markt zu bringen – eben das innovative Laden, das Zero Bills Home. Wir installieren Wärmepumpen deutschlandweit. Wir installieren Smart Meter, haben hier auf der Messe announced, dass wir Smartmetering-Services anbieten, um das ganze Thema Smartmetering in Deutschland nach vorne zu treiben. Wir haben recht große

Skalierungsziele. Sehr ambitioniert. Und Smart Meter sind wichtig – wir kommen gleich noch mal darauf zurück. Wenn ich mir jetzt die Herausforderungen teilweise anhöre – Dateninteroperabilität, verschiedene Industrien, die eigentlich zusammen miteinander arbeiten müssten – sehe ich einmal Automotive als Industrie, sehr wichtig natürlich für Deutschland, Manufacturing, dann die Energieindustrie und dann IT irgendwo auch so in diesem Triangle, in diesem Dreieck, als Bindeglied. Und wenn ich die Herausforderungen von euch höre: Teilweise haben wir noch nicht den Smartmeter-Rollout, damit wir die Daten nutzen können, um da

noch schneller und intelligenter arbeiten zu können. Aber auch bei dir: Daten für das Flottenmanagement. Mit welchem Stakeholder würdet ihr euch am liebsten unterhalten, um Veränderungen herbeizuführen? Lustige Frage, Claudio. Ja, wahrscheinlich der, der am mächtigsten ist in Deutschland – vielleicht dann Friedrich Merz, um ihn ein bisschen in die richtige Richtung zu lenken, die richtigen Prioritäten setzen zu lassen, nicht Fusionsenergie – und dann vielleicht die BNetzA, dass man da auch in die Richtung noch mal mehr macht. Und dann vielleicht auch die Einflussreichsten auf der Stadtwerke-Ebene, weil

das habe ich vielleicht nicht angesprochen: Die dynamischen Stromtarife sind ja eigentlich seit Januar dieses Jahres verpflichtend. Das Clean Energy Package 2019, durch das EU-Parlament gegangen, verpflichtete jeden Mitgliedstaat, bis 2021 eigentlich diese Implementierung zu machen, also dynamische Stromtarife zu implementieren. Jetzt sind wir in 2025. Jetzt müsste es eigentlich jeder Energieversorger machen, und de facto haben das die meisten immer noch nicht gemacht. Also eigentlich etwas Illegales, was meines Erachtens gar nicht geht, insbesondere in dem Land, wo wir, wenn wir bei Rot über die Ampel gehen, schon irgendwie gemeckert

wird. Und gut, es gibt innovative Energieversorger hier. Aber die sind halt manchmal erst mal auch loyal gegenüber ihrem anderen Energieversorger. Wir sind kein Energieversorger, wir sind Softwareanbieter. Wir sind natürlich dann abhängig von dem Stadtwerk oder dem jeweiligen Energieversorger, der dann solche Incentives der Flotte geben muss. Sonst hat die Flotte nichts davon – als Beispiel. Das ist eine große Herausforderung. Und da gibt es noch weitere Beispiele. Aber sehr, sehr spannend. Sehr gut. Also, darum geht es auch in einem Forum: hier kritisch zu

hinterfragen und zu schauen, mit wem man sprechen muss, um Veränderungen herbeizuführen, die auch konstruktiv sind. Auch an dich: Mit wem würdest du dich am liebsten austauschen, um weitere Veränderungen voranzutreiben? Das ist eine spannende Frage, weil das ist ja das Problem, das wir in Deutschland haben: diese extreme Fragmentierung, die wir am Markt haben. Wir haben von allem immer extrem viel – viele Netzbetreiber, viele Energieanbieter, viele Grundversorger, viele Stadtwerke. Jeder hat da irgendwie ein Thema drin. Jeder hat einen Stake. Jeder hat Interessen, die auch manchmal im Konflikt

miteinander liegen. Da sehe ich die Hauptherausforderung, weil wir müssen, damit wir erfolgreich werden, mit der Energiewende einen echten Systemwandel herbeiführen. Wir können nicht so weitermachen. Wir können nicht so tun, als wäre die Energiewende oder das neue Energiesystem etwas, was wir an unsere alten Systeme andocken könnten. Das wird uns tatsächlich mehrere 100 Milliarden mehr kosten. Oder wir müssen das Netz so viel mehr ausbauen, dass es möglich ist. Wenn wir wirklich sagen wollen, wir wollen Richtung Erneuerbare gehen und erneuerbarer Strom aus erneuerbaren Quellen ist der günstigste, den

wir je hatten, und er wird jedes Jahr günstiger. Nur wie wir den benutzen, wird halt schwierig in unseren Systemen. Und wenn wir zum Beispiel in Deutschland 2% Rollout mit Smartmetern haben, haben wir ein Problem, weil das ist der Kern eines solchen erneuerbaren Energiesystems, eines Energiesystems, das auf Flexibilität aufbaut. Also, mit wem würde ich reden wollen? Natürlich endet man am Ende bei Politik und Regulatorik, mit denen man darüber sprechen muss. Was müssen wir denn verändern, um wirklich Weichen zu stellen? Und wir brauchen mutige Entscheidungen und

da geht es mehr um Synergien, aber auch um das Potenzial von KI. Wenn wir uns daran zurückerinnern, als ChatGPT auf einmal auftauchte, waren wir alle so: „Okay, oh nein, KI. Wir haben Angst davor. Was passiert damit?" Aber letztendlich nutzen viele Leute ChatGPT und kommunizieren mit dem Tool. Und dieser böse Geist der KI ist so ein bisschen verschwunden, habe ich das Gefühl. Es ist eine theoretische Frage, aber habt ihr das Gefühl, dadurch, dass wir jetzt mehr und mehr auch auf persönlichem

Level KI nutzen durch ChatGPT, dass die Kommunikation mit und durch KI verbessert werden kann, was dann wiederum das Interoperabilitätsproblem bei vielen der Systeme verbessern könnte? Können wir KI jetzt schon vertrauen?

Ich kann gern was dazu sagen. Also ja, ich glaube, wir sollten eigentlich noch eine ganze Ecke weiter sein. Es kommt jetzt langsam, immer mehr Leute nutzen das. Aber ich glaube, wenn man sich umschaut in seinem Umfeld: Wer ist denn wirklich aktiv dabei und nutzt KI? Wer schafft es wirklich, da einen Nutzen für sich rauszuholen? Es sind immer noch viel zu wenig Leute. Und du hast es, glaube ich, ganz schön am Anfang geframt. Das ist auch so ein bisschen die deutsche Seele:

Kommt was Neues, ist das erstmal unheimlich. Gucken wir mal sehr, sehr, sehr vorsichtig. Vielleicht müssen wir einen kleinen Zaun drum machen und das erstmal beobachten, anstatt dass wir das embracen und sagen: „Cool, da ist was Neues. Das ist eine Technologielösung, mit der wir irgendwas bewegen können. Jetzt probieren wir das erstmal aus." Und das ist jetzt für KI auf der einen Seite. Aber wenn wir beim Energie-Business bleiben: Wir haben darüber gesprochen. Diese ganzen Themen Flexibilisierung – in vielerlei Köpfen und in vielerlei

Gesprächen geht es auch da immer noch darum: Wie managen wir das? Wie schaffen wir das zu kontrollieren? Wie schaffen wir das zu steuern und zu dimmen, anstatt zu sagen: „Hey, wo sind denn die Benefits, die wir hebeln können?" Menschen leben zukünftig in Häusern und zahlen nichts mehr für ihren Strom und ihre Heizung. Das sind die Benefits, in die wir uns bewegen. Von daher, an dem Punkt: Ich glaube, wir müssen alle noch interaktiver werden mit diesen Medien, mit KI, und die

anwenden, um wirklich rauszukommen aus diesem Buzzword-Ding – alles hat jetzt eine KI, alles hat eine AI-Lösung, ob's sinnvoll ist oder nicht, wir machen's jetzt dran, weil es auf jeden Fall gut ist, vorne draufzuschreiben –, sondern: Wo sind denn wirklich die Use Cases, wo es was bringt? Und das ist wirklich durchs Ausprobieren. Wir müssen es mal machen, man muss es in Trial Cases machen, nicht nur in theoretischen Konzepten. Und das ist ein anderes Thema, finde ich, wo wir Deutschen relativ

gut sind: darüber zu reden, was wir denn machen könnten, wenn denn etwas anderes gewesen wäre. Diese Gespräche auch Richtung Politik zu sagen: „Ja, wenn sich diese und jene Rechtsprechung ändern würde, dann könnten wir ja alle." Aber wir machen nicht, weil wir ja nicht dürfen. Sondern eher mal hinzugehen – gerade wir als Unternehmen in dieser zukunftsweisenden Branche, in der wir unterwegs sind – und zu sagen: „Wir investieren auch mal was in Leuchtturmprojekte, die vielleicht noch nicht auf einem hundertprozentigen Product-Market-Fit aufbauen, die noch nicht 100

% von der Regierung und von der Regulatorik abgedeckt sind, sondern wo wir sagen: Okay, aber wir können schon mal beweisen, das geht einen Schritt in die richtige Richtung. Das ist was, was Menschen da draußen wollen, und das ist was, was uns die Energiewende weiterbringt." V2G ist so ein Case. Da reden wir jetzt seit Jahren darüber. In groß angelegten Trials habe ich bis heute noch keinen gesehen, wo wirklich auch ein ökonomischer Benefit mal herausgearbeitet wird. Wenn wir das mal in einer Region haben, dann werden wir relativ schnell

sehen, dass wir diese theoretischen Gespräche von „Was sind denn die Probleme, die wir haben?" hin zu „Mega, was hat denn alles gut funktioniert?" switchen können. Was mir noch einfällt, nochmal kurz runtergebrochen: KI als Oberbegriff – die Historie der KI geht ja bis in die 1950er Jahre tatsächlich zurück. Machine Learning kam irgendwann, glaube ich, in den 90ern, und insbesondere Amazon oder Netflix – die Empfehlungsalgorithmen basieren auf Machine Learning. Und dann kam irgendwann mal das, was wir sozusagen jahrelang benutzt haben, ohne vielleicht

dass man sich mal so bewusst ist. Und dann jetzt viel aktiver benutzen wir ChatGPT und LLMs, seit es sie gibt. Und ich glaube, diese Berührungspunkte schaffen weniger Ängste. Und das ist gut. Und in der Energiewelt würde ich sagen, werden wir gewisse Berührungspunkte haben, ähnlich wie bei OpenAI, die viel aktiver sind. Und gewisse Sachen werden im Hintergrund passieren. Und dann, wie beim autonomen Fahren schon bei Waymo in San Francisco oder woanders gesehen, gewöhnen die Leute sich extrem schnell dran und denken dann gar nicht mehr so dran. Das ist so

wo ich glaube, die Vision auch hinsehe, wie die KI sich entwickelt, dass es so eine Art Internet wird. Und plötzlich haben wir uns daran gewöhnt. Ans Smartphone haben wir uns daran gewöhnt. Und dann wäre es schwer, sich etwas anderes vorzustellen. Und diese Gefahren, die würde ich auch nicht ganz abschreiben, dass die KI – da gibt's ja führende KI-Forscher und Elon Musk etc., die sich da Gedanken machen und das auch als Risiko sehen. Also ich würde die Risiken auch gar nicht komplett verneinen. Da müssten wir schon, und da in

dem Sinne nochmal gut für die EU. Ich finde, die EU wird immer kritisiert, aber es ist richtig, dass wir versuchen, eine gewisse Regulatorik zu schaffen und gewisse Risiken vorherzusehen. Und insbesondere in der kritischen Infrastruktur der Energie müssen wir da auch gewisse Risiken abfedern. Nichtsdestotrotz bin ich wieder bei Bastian, dass man sagt: Lasst uns einfach Sachen anpacken und ausprobieren. In gewissen Skalen ist es auch gut und man muss nicht überregulieren. Verstanden. Man sieht ja immer, dass in den Vereinigten Staaten die

großen exponentiellen digitalen Geschäftsmodelle auf den Markt kommen und dort halt eben auch sehr mutig ausprobiert werden und dann paar Jahre später ähnlich in Europa vorhanden sind. Aber ich glaube, es wäre sehr gut, wenn wir einfach ein bisschen mal die Münze drehen und auch selber sehr stark innovierend mit unseren hervorragenden Talenten in Europa aktiv werden. Wir bleiben jetzt auch nochmal bei dir, Claudio. Wenn ich an deine Technologie denke – und ich hab's auch einmal ganz kurz angesprochen – kann deine Technologie im Rahmen eines VPP auch an andere Stakeholder

auf dem Markt angedockt werden? Weil ich höre jetzt auch sehr viel auf der Messe: Jeder baut sein eigenes. Aber eher wie Android oder Linux sind offene Standards essenziell, sonst haben wir ein Chaos und keine Symphonie, die wirklich miteinander interagieren muss. Und da, ganz einfach gesagt: Ich glaube, viele haben das auf dem Schirm, gute Standards zu etablieren. Und ich glaube auch, innovative Player müssen auch offen denken und sich nicht abschotten und denken, dass sie alles alleine machen werden. Ja, da bin ich komplett bei dir

in the wake of.

Gehen wir zu der nächsten Frage einmal so weiter. Zurück zu deinem Nullkosten-Energiehaus.

Ich sehe diese Energiegemeinschaften, die wir jetzt auch schon seit 2023 im Erneuerbare-Energien-Gesetz verankert haben, als einen sehr sinnvollen Synergiepartner für zum Beispiel Nullenergie-Haus-Konzepte. Wie beobachtest du diese erneuerbaren Energiegemeinschaften in Deutschland? Wir haben zwischen 800 bis 1.700 Bürgerenergiegemeinschaften in Deutschland. Ist das sozusagen eine Gruppe, die euch beflügelt, und beflügelt ihr jene zurück? Also jetzt im großen Kontext der Synergien. Ich würde sogar noch mal ein bisschen rauszoomen im Kontext der Synergien, weil natürlich ist es positiv. Und es ist auch gut. Diese Energie-Communities haben eben dann

im Kleinen schon gezeigt, wo die Zukunft hingeht. Eben, dass man über eine Vernetzung und Nutzung der Ressource Energie und ein Sharing und die Optimierung dadurch für eine Gesamtgruppe etwas hebelt, was man nicht hat, wenn man das im Einzelnen macht. Aber das müssen wir größer denken. Es bringt uns ja nichts, wenn wir viele von diesen Energie-Communities haben, die dann untereinander wieder nicht miteinander kommunizieren. Und das geht auch ein bisschen in deine erste Frage zuvor zurück. Ist das so ein

bisschen: Wo müssen wir denn hin? Wenn jetzt jeder hier seine eigenen Lösungen baut, ist das ein Problem? Müssen wir da irgendwelche Standards drüber stülpen? Wir müssen das, glaube ich. Und das Perfide ist: Man denkt, man hat ein komplexes Problem, jetzt müssen wir anfangen, komplexere Regulatorik zu entwickeln, noch schwierigere Stufen einbauen und sicherstellen, dass wir das alles steuern können. Die Realität ist eine andere. Wir werden nicht – außer wir gehen Richtung staatliche Vorgaben – die Innovationskraft, die wir

hier sehen an jedem Stand, nicht einbremsen können. Und es ist auch gut so. Wir brauchen jede einzelne. Was wir aber brauchen, ist eben ein System, wo man, ein bisschen wie du es gesagt hast, andocken kann, wo man all diese unterschiedlichen Lösungen gemeinschaftlich nutzen kann. Und es hat sehr viel damit zu tun, dass das System selbst eben nicht fragmentiert sein darf. Die Kommunikation über das System muss funktionieren. Es müssen zum Beispiel überall Smart Meter hängen. Und die Daten müssen für alle verfügbar sein, damit jeder, der

so ein Produkt hat, sich daran andocken kann. Die Signale, mit denen dieses System arbeitet, müssen relativ einfach sein – eben nicht sehr komplex und sehr vielschichtig in der Steuerung, weil dann wird's wieder schwierig – sondern zum Beispiel der Preis allein. Dadurch, dass wir hingehen und sagen, wir haben auf der einen Seite den Strompreis, der uns aussagt, wie viel erneuerbare oder günstige Stromproduktion wir momentan haben, also die dynamischen Tarife auf der einen Seite, aber auf der anderen Seite brauchen wir auch eine Indikation, was

mit dem Netz gerade passiert. Ja, und da wären zum Beispiel dynamische Netzentgelte sehr sinnvoll. Allein mit diesen zwei Elementen kann man schon sehr stark Signale geben in den Markt, wo dann jeder, der sein eigenes VPP oder Charging-Netzwerk oder irgendetwas hat, mitarbeiten kann. Weil ich weiß gerade: Wie viel ist der Strom? Wie viel kostet der Strom? Wie viel gibt mir das Netz dafür, jetzt Flexibilität bereitzustellen, indem ich perspektivisch mit Vehicle-to-Grid und anderen Lösungen wieder Energie zurückgebe beziehungsweise momentan weniger abnehme. Und wenn ich es abnehme,

ist es halt einfach teurer. Dann muss ich mir bewusst sein: Ist es mir wert? Für jemand anderen steigt das Interesse zu sagen: Oh, wir haben in unserem innovativen Set-up, wo wir Strom haben, den können wir zur Verfügung stellen. Und in diesem Mix schaffen wir ein Energiesystem, nicht mit Insellösungen. Ich finde, wir haben in Deutschland zwei Ansätze. Das eine ist immer so ein bisschen: Oh, wir müssen das zentralistisch denken, und die Netzbetreiber geben vor, was passiert. Und auf der anderen Seite fängt jeder einzelne Häuslebesitzer

an, sich mit einer PV und einer Batterie quasi energieautark zu machen. Und ich finde, gerade da drin liegt das Problem. So ein Haus mit einem Speicher und einer Solaranlage ist eine super Flexibilisierungsmöglichkeit. Der Speicher, das Auto, das da steht – das kann man auch nutzen, um das Netz zu stabilisieren. Wenn die Person aber versucht, sich möglichst vom Netz abzugrenzen, dann sind das alles viele Einzelhäuser, die versuchen, sich zu optimieren. Und wenn es aber nicht klappt, haben die ein Riesenproblem und müssen dann plötzlich wieder zurück zum Netz.

Darauf ist das Netz nicht vorbereitet. Und wir müssen irgendwie schauen, wie wir das Problem lösen – alles zusammen in eine Connectivity-Lösung hinzubekommen. Das ist der Weg nach vorne, verstanden. Aber wenn ich jetzt so darüber nachdenke: Würdest du sagen, dass diese Energiegemeinschaften zunehmen werden in Deutschland? Oder wird es beim gleichen Niveau bleiben? Was ist so dein Gefühl? Ich glaube, sie werden wahrscheinlich zunehmen, wenn es die Anreize dafür gibt. Wir werden es jetzt sehen, wenn wir die neue Regierung haben, wie

es in solche Richtungen auch langfristig weitergehen wird – bleiben diese Anreize bestehen, gibt es andere Anreize, die in eine andere Richtung gehen. Aber ich glaube, per se ist es eine gute Sache. Aber ich glaube nicht, dass es die Zielsetzung sein sollte zu sagen: Okay, wir schauen, dass wir möglichst viele einzelne Energie-Communities haben, und der Rest muss dann wieder schauen, wie er klarkommt. Verstanden. Wunderbar.

Wir blicken jetzt gemeinsam in die Zukunft, wie die Vision der Energiewende und der Energieversorgung sich in Deutschland gestalten wird. Und wenn ich euch zuhöre, gibt es verschiedene Hürden und verschiedene Stellschrauben. Aber jetzt nochmal ganz konkret: Was würdet ihr sagen, muss passieren, damit KI nicht nur in diesen Insellösungen und Pilotprojekten angewendet wird, sondern flächendeckend in der Energiebranche? Brauchen wir jetzt in Deutschland konkrete Regulierungen für die Energiewirtschaft hinsichtlich KI? Oder gibt es bestimmte Projekte, die ihr gesehen oder von denen ihr

gehört habt, die man jetzt auch noch umsetzen und anstoßen kann? Auf Kosten dieser Datenprivatsphäre können wir deutliche Einsparungen erzielen, wie Bastian vorhin erwähnt hat. Diese Potenziale können wir nur heben, wenn wir diese Daten auch flächendeckend haben. Und zweitens müssen auch diese ganzen Datensysteme harmonisiertere API-Schnittstellen zur Verfügung stellen, die es erlauben, diese Transportmanagementsysteme etc., die ich vorhin erwähnt habe, Lastgänge etc., dann auch einfach zu bekommen. Das wären so die zwei Sachen, die mir am meisten einfallen.

Danke schön. Ich glaube, die Aufgabe von Politik und Regulatorik ist, Infrastruktur für uns zu bereiten.

Seien es jetzt die Straßen und die Brücken auf der einen Seite – auf der anderen Seite sind es die Netze beziehungsweise, und da ist wieder der Punkt Smart Meter. Wir haben einfach einen Punkt hier in Deutschland, wo wir seit zehn Jahren über dasselbe Thema reden. Wir müssten mal mit dem Smart-Meter-Rollout anfangen. Wir sind immer noch bei 2 %. Die anderen Länder um uns herum sind bei 90, 95 %. Die sind fertig. Großbritannien ist bei 60 %. Die haben aber etwas später angefangen als

alle anderen und haben jetzt den Turbo eingeschaltet. Da müssen wir jetzt auch endlich hinkommen. Und da braucht man eine ganz klare Lösung, denn wir haben so viele Interessenkonflikte drumherum – wer diese Zähleinrichtungen besitzt, wer die verbauen soll, wer nachher den Tarif draufbringt und den Strom. Da brauchen wir von der Regulatorik ganz klar deutschlandweit eine Lösung, wie wir diesen Rollout voranbringen, wo klar geregelt ist, wie man kostengünstig einfache, intelligente Geräte in die Keller verbaut bei

den Menschen. Also das ist schon mal der Kern. Richtung KI – was auch Teil deiner Frage war – ist es so: Ich finde immer, wenn sich die Politik in die Technologielandschaft, vor allem Software, einmischt, wird's wild. Da auch wieder Grundlagen zu schaffen, Infrastruktur zu schaffen, zu sagen: Wie sollen die Daten fließen? Haben wir zentralistische Datenspeicher, wo alle Daten von allen Smart Metern reinlaufen und alle anderen darauf Zugriff haben, wie wir es in anderen Ländern haben? Oder sind es alles kleine Insellösungen?

wo jeder versucht, seinen eigenen Käse zu machen? Das ist, worauf Einfluss besteht. Wie dann die einzelnen Anbieter und Player im Energiemarkt mit welchen Softwarelösungen wie KI einsetzen – da kann man auch über die größere KI-Frage sicherlich noch eine Klammer setzen, was du angesprochen hast. Was ist mit ethischen Bedenken? Aber in der eigentlichen Umsetzung ist es wie mit allen technologischen Sachen: Wer schneller die bessere Lösung hat, der wird halt auch am Markt eher gewinnen. Und da müssen wir aufpassen, dass wir eben nicht durch unnatürliche Hürden versuchen,

es zu verzerren, weil wir einfach Player am Markt haben, die sagen: „Wir wollen da nicht mitgehen" oder „Wir können da nicht mitgehen." Aber weil wir nicht mitgehen können oder weil wir nicht investieren wollen, darf es jetzt keiner machen? Dann bewegen wir uns halt wieder nach hinten. Und dann bleiben wir bei 2 % Smart-Meter-Rollout und bei einem Energiesystem, das nicht zukunftsfähig ist. Mir ist noch eine Sache eingefallen: auf jeden Fall so schnell wie möglich die dynamischen Netzentgelte, die vorhin angesprochen wurden, dynamisieren – so wie es geht – damit, wenn

wir diese Daten zur Verfügung haben, der verschiedenen Stränge – der Tausende von Netzsträngen, die wir haben in Deutschland –, dann die Preise dynamisch sind und dynamische Stromtarife von allen Energieversorgern angeboten werden. Dann kann auch KI sein volles Potenzial haben, und V2G natürlich auch. Dazu die nötigen Barrieren, die ich vorhin erwähnt habe, so schnell wie möglich aus dem Weg räumen. Ja, ihr habt meine letzte Frage eigentlich vorweggenommen. Ich wollte noch mal ganz konkret fragen: Was wünscht ihr euch von der Politik und der Regulierung? Aber ihr habt

eigentlich jetzt schon perfekt formuliert, was zu tun ist. Und deshalb nehmen wir eure Punkte auf jeden Fall so mit und appellieren hier auch an die Zukunft. Deshalb darf ich mich jetzt auch schon bei euch bedanken und dieses Panel einmal kurz zusammenfassen. KI ist ein Treiber für kosteneffiziente und nachhaltige Energieversorgung. Wir haben dynamische Stromtarife, die jetzt noch weiter ausgerollt werden müssen und auch wahrgenommen werden müssen, um Transparenz für die Kunden zu schaffen und wirklich eine neue Energievision für Deutschland und Europa zu schaffen. Es geht viel in

die Eigenversorgung in eigenständige Autarkiekonzepte, aber es soll auch ums Verbinden gehen und um eine Harmonisierung und Orchestrierung dieser einzelnen Systeme, wodurch wir dann unseren Verbrauch weiter optimieren können. Ich notiere mir: Synergien sind wichtig zwischen den einzelnen Akteuren. Wir haben auch von den Smart Metern gesprochen und den Vehicle-to-Grid-Konzepten in der Zukunft. Aber die mangelnde Interoperabilität ist essenziell – die muss

gelöst werden, und auch die Kompatibilität der einzelnen Systeme, sei es im Pkw-Bereich, aber auch im Smart-Meter-Bereich. Teilweise gibt es natürlich sehr komplizierte Anforderungen, und die muss man einfach systematisch runterbrechen. Alles in allem, kurzum: die Datenkommunikation zwischen den einzelnen Stakeholdern muss verbessert werden, damit wir schneller mit der Energiewende vorankommen und auch tolle, futuristische, innovative Geschäftsmodelle in Europa und Deutschland vorantreiben. Wir können wirklich stolz darauf sein, dass wir solche tollen Denker und solche tollen Innovatoren haben, und die gilt es jetzt auch

einfach noch weiter zu pushen. Das war die Folge hier, live von der E-World aufgenommen, mit dem Octopus Deutschland CEO Bastian Girodt. Ich hoffe, die Diskussion über den Smart-Meter-Rollout, die Herausforderungen durch KI beim Datenzugang und Datenschutz sowie die regulatorischen Hürden für bidirektionales Laden hat euch neue Einblicke gegeben. Es ist nicht einfach bei unter 2 % Smart-Meter-Rollout. Und wir brauchen unbedingt eine agnostische Sichtweise auf das Thema bei der Steuerung, insbesondere, dass man auch über die Ladesäulen ohne Smart-Meter-Gateway rangehen

kann und weniger übertriebenen Datenschutz, damit effizienter an die KI herangegangen werden kann und die effizienten Kosten dann auch erreicht werden können. Vor allem jetzt, wo Energiekosten so im Top of Mind aller sind und Deutschland unter diesen Kosten leidet, brauchen wir ein bisschen mehr Pragmatismus in dem Sinne. Und wir brauchen auch Unternehmen, die zunehmend Risiken tragen und in der Lage sind, schneller zu innovieren, und eine Regulatorik, die sich schneller und zum Besseren ändert. Bleibt dran für weitere

spannende Einblicke in die Zukunft der Energie – bis zum nächsten Mal.

Notizen zur Folge

Live von der E-World: In dieser Folge spreche ich mit Bastian Gierull, CEO von Octopus Energy Deutschland, über die dringendsten Herausforderungen der Energiewende. Warum steckt der Smart Meter Rollout bei unter 2 % fest? Welche regulatorischen Hürden behindern bidirektionales Laden? Und wie kann KI effizienter eingesetzt werden, wenn wir Datenschutz pragmatischer betrachten? Eine spannende Diskussion über die Zukunft der Energie, mit konkreten Lösungsansätzen für eine smarte, flexible und kosteneffiziente Stromversorgung. 📢 Hört rein und erfahrt, wie wir die Energiewende wirklich beschleunigen können!